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Infos
Protest gegen die Einführung des Studiengangs Military Studies in Potsdam.
Am 12.10.2007 um 16Uhr
Ort: Uni Potsdam, Neues Palais, Haus 11, Hörsaal 009

Kontakt
nomilitarystudies(at)web.de

Bundeswehr raus aus der Uni!

Gegen die Vereinnahmung von Bildungseinrichtungen durch das Militär, für eine unabhängige und kritische Wissenschaft!

Ab diesem Semester wird in Potsdam der Masterstudiengang "Militärsoziologie/Military studies" in Kooperation mit dem Militärgeschichtlichen Forschungsamt des Bundes und des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SWI) an der Uni Potsdam eröffnen. Als Lehrende fungieren ebenfalls Angestellte der deutschen Streitkräfte. Dieser Form der Kooperation ist bislang einmalig in der BRD. Schon aufgrund dieser Verflechtung mit Institutionen der Bundeswehr (BW) finden wir es fraglich, wie kritisch die Rolle des Militärs in der Gesellschaft und der tatsächliche Bedarf nach innerer Sicherheit in modernen Gesellschaften im Rahmen dieses Studienganges analysiert werden kann.

Fernab der inner-universitären Öffentlichkeit beschlossen die Fachschaft Soziologie und der Vorsitz der Fakultät 2006 diese Zusammenarbeit mit den benannten Forschungseinrichtungen der Bundeswehr. Die Studiengänge "Militärsoziologie" und "Militärgeschichte" existiert an der Potsdamer Uni schon seit mehreren Jahren und sollen auch nicht prinzipiell das Ziel unserer Kritik sein. Es spricht nichts dagegen die Rolle des Militärs in der Gesellschaft und die historische gewachsenen Begriffe von "innerer und äußere Sicherheit" sowie Terrorismus kritisch zu untersuchen. Doch halten wir es für sehr fragwürdig, inwiefern im Zuge der Kooperation mit militärischen Einrichtungen, wie eben der Bundeswehr, eine freie und kritischen Wissenschaft möglich sein kann, schreibt doch das Sozialwissenschaftliche Institut der BW selbst:

"Hauptaufgaben des Sozialwissenschaftlichen Instituts sind die angewandte streitkräftebe-zogene sozialwissenschaftliche Forschung und die dazu erforderliche militärsoziologische Grundlagenforschung. Die Forschung umfasst die Analyseebenen "Internationales System", "Nationales System und Gesell-schaft", "militärische Organisation", "Soldat als Individuum". In diesem Rahmen ist die Forschungsplanung des Instituts nicht frei, sondern orientiert sich überwiegend am Erkenntnis- und Unterstützungsbedarf des Bundesministeriums der Verteidigung und der Bundeswehr."(Jahresbericht des SWI 2006, S.29)

Von universitärer Seite wird auf finanzielle Notwendigkeiten und einen angeblichen Prestige-Gewinn für die Universität, sowie verbesserte Berufsaussichten für Studierende durch den neuen Studiengang verwiesen.. Von Seiten der BW liegt die Motivation sehr wahrscheinlich in der Rekrutierung akademischen Nachwuchses. Seit Jahren versucht die BW das Image ihrer Einrichtung und ihrer Soldat_innen aufzubessern und sich ein fortschrittliches, gebildetes und vielseitiges Prestige zu geben.

Im Zuge der seit Jahren zunehmenden geschürten Terrorismus-Angst - z.B. auch im Ankündigungsflyer des neuen Masterstudiengangs - werden mehr und mehr Abstriche in den Persönlichkeitsrechten gemacht und die staatliche Überwachung nahezu unhinterfragt ausgebaut. Um dies ohne großen Widerstand durchführen zu können, bedarfs es unter anderem auch einer hohen Akzeptanz von Auslandseinsätzen der BW und der Anwesenheit des Militärs in zivilgesellschaftlichen Bereichen.

Die prekäre Lage gerade geisteswissenschaftlicher Fächer darf nicht dazu dienen, der schleichenden Verwischung der Grenzen zwischen Militär und Zivilgesellschaft in die Hände zu spielen (dafür ist dieser Studiengang nur ein Beispiel, ein weiteres ist die Präsenz der BW in Arbeitsagenturen. Mehr Infos hier). Schon im Zuge der "Bachelorisierung" ist das kritische Potential der Geisteswissenschaften stark gefährdet, eine Abhängigkeit-von den eigenen Untersuchungsgegenständen kann nicht Praxis einer freien Bildungs- und Forschungseinrichtung sein.

Wir wollen uns gegen die Vereinnahmung der Geisteswissenschaft durch militärische Institutionen wehren und rufen hiermit dazu auf, am 12.Oktober zur feierlichen Begrüßung der Anfänger des Studiengangs zu kommen und unseren Protest dort öffentlich zu machen.