10. Juli 2021 · Quelle:

Impfen tötet nicht! Aber Ignoranz!

Brandenburg/Havel - Warum die Stadt Brandenburg gut daran täte Parolen von Corona-Leugnern und Impfgegnern vor der Schule am Klingenberg zu beseitigen. Ein Kommentar.

Am Klin­gen­berg, unweit der Schule haben Unbekan­nte wieder­holt die Straße mit Parolen beschmiert. „Impfen tötet“, ste­ht da fett und andere Corona-Leugner-Sprüche.

Seit Monat­en sind immer wieder frische Graf­fi­ti aufge­taucht. Jedes mal wur­den diese Parolen tausend­fach gese­hen. Von Schulkindern oder Pendlern – schließlich war und ist die Straße die Umge­hungsstrecke wegen der gesprengten Brücke. Es gibt einige, die sich darüber ärg­ern, andere, die die Coro­na-Leugn­er mit Schul­terzuck­en quit­tieren. Manche applaudieren.
Beschmierte Straße

Richtig geärg­ert hat sich der Frak­tion­schef der Freien Wäh­ler Dirk Stieger. „Warum tut die Stadt nichts dage­gen, das da Spin­ner unsere Straßen beschmieren“, fragt er. Die Frage ist berechtigt, denn es ist ja nicht so, dass das ille­gale Tun im Rathaus unbe­merkt liebe. Doch dort hat man sich dazu entschlossen, das The­ma auszusitzen.

Wie die MAZ erfuhr, haben Bürg­er­meis­ter Michael Müller (partei­los) und Fach­bere­ich­sleit­er Hans-Joachim Fre­und in der Leitungssitzung darüber gesprochen. Wie es aus der Bau­ver­wal­tung heißt, passiert aus zwei Grün­den nichts. Ein­mal, weil die Ent­fer­nung mit Spezial­maschi­nen teuer sei und weil dass dem Belag schade. Und was ist mit dem Image der Stadt?

Derzeit zahlen Bund, Land und Kom­mune riesige Sum­men dafür, die Impfkam­pagne zum Erfolg wer­den zu lassen und Coro­na zu besiegen. Pro Per­son entste­hen in den Impfzen­tren wohl Kosten von 200 Euro pro Impfling. Weil die Infra­struk­tur ja weit­er vorge­hal­ten wer­den muss, steigen die Kosten sog­ar, wenn weniger Men­schen kommen.
Aus­sitzen als falsche Strategie

Sich­er, beim Hausarzt ist es weiniger, doch Bran­den­burg hat nun mal ein Impfzen­trum und betreibt es sog­ar selb­st. Dazu kommt eine Wer­bekam­pagne für die Imp­fung aus dem Bun­de­shaushalt, die Mil­lio­nen ver­schlingt. Und die Stadt hat nicht die paar Euro um Parolen zu beseit­i­gen, die das eigene Bemühen konterkarieren?

Das mag man eigentlich nicht glauben. Und let­ztlich ist auch die Igno­ranz der Bau­ver­wal­tung eine Schande für die Stadt. Man stelle sich vor, die in roten und gel­ben Let­tern gemal­ten Schriftzüge wür­den nicht auf der Straße son­dern an der Fas­sade des Rathaus­es ste­hen. Was wäre das für eine Aufregung?

Als vor einem Jahr Demon­stran­ten für mehr Frei­heit­en der Kinder in der Coro­na-Krise vor dem Alt­stadt-Rathaus demon­stri­erten und bunte Sprüche auf den Boden mal­ten, kam die Polizei. Ist die Aufre­gung über ein paar Parolen von Coro­na-Leugn­ern über­trieben? Vielle­icht. Die Demos besorgten Bürg­er haben sich ja auch fast aufgelöst, seit es in Kneipen wieder Bier und Stammtis­che gibt.
Gift in kleinen Dosen

Ich halte es nicht für über­trieben. Denn er geht bei der­ar­ti­gen – aus der Ille­gal­ität kom­menden Parolen um die Ver­schiebung der Gren­zen des Sag­baren, um Kampf­be­griffe, die einem häu­fig bei Recht­spop­ulis­ten begeg­nen und die Wirk­macht von Sprache. Nicht zufäl­lig sind die Schnittmen­gen von Recht­en und Coro­na-Leugn­ern bei den Demos zu beobachten.

Ich bin überzeugt: Impfen tötet nicht! Wohl aber Igno­ranz! Der vom Philolo­gen Vic­tor Klem­per­er (LTI) gemachte Befund, wonach die schle­ichende Zufuhr tox­is­ch­er Wen­dun­gen und Gedanken die Vorstel­lungswelt der Men­schen langfristig vergiftet, gilt heute wie im Drit­ten Reich. Klem­per­er spricht davon, dass „Worte wie winzige Arsendosen“ sein kön­nen, die ihre Giftwirkung erst später entfalten.

Ich finde, wir soll­ten das Geld dafür aus­geben das Gift von der Straße zu wis­chen, bevor es wirkt.

Von Ben­no Rougk
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