19. November 2020 · Quelle: SVZ

Angst um Image-Schaden durch Corona-Proteste

Wittenberge - Unternehmer verurteilen Verstöße gegen Gesetze und Corona-Auflagen bei den Wittenberger Demonstrationen

Bis jet­zt waren es nur drei Protest­märsche gegen Coro­n­aau­fla­gen in Wit­ten­berge, aber in sozialen Net­zw­erken wird über die Stadt disku­tiert. Videos über ein Katz und Maus Spiel mit der Polizei gehen viral. Teil­nehmer ohne Masken, Demos ohne Anmel­dung mit­ten im Coro­na-Risiko­ge­bi­et. Jet­zt äußern sich Unternehmer. Sie haben Sorge, dass das Image der Stadt lei­det mit schlim­men Fol­gen. Das Tech­nolo­gie- und Gewer­bezen­trum lud zusam­men mit der Wirtschaftsini­tia­tive West­prig­nitz zu einem Mei­n­ungsaus­tausch ein. Sieben Geschäft­sleute beziehen eine klare Position.

Peter Speck, Reisebüro Westprignitzer Verkehrsservice GmbH

Sind die bek­loppt?“, fragt Peter Speck. Jed­er mag seine Mei­n­ung haben, welche Maß­nah­men gegen Coro­na sin­nvoll sind oder nicht. Aber durch diese Art des Protests werde nur eines erre­icht: Das Anse­hen von Wit­ten­berge lei­det. Das sagt ein Unternehmer, der mit dem Rück­en zur Wand ste­ht: „Die Pan­demie und die Rei­se­ver­bote sind der Todesstoß für Reise­büros.“ Seine Fam­i­lie werde in diesen Tagen entschei­den müssen, ob ihr Büro endgültig aufgeben wird. „Ich sehe keine Ret­tung, seit dem 13. März gibt es für uns keine Geschäfts­grund­lage mehr.“
Man brauche nicht gegen gültige Geset­ze auf die Straße gehen und wenn doch, dann bitte die Regeln wie eine Maskenpflicht beacht­en, meint Speck. Er kenne per­sön­lich einen 36-jähri­gen Ringer. „Der hat­te Coro­na und läuft nach fünf Monat­en immer noch an Krück­en.“ Deshalb solle ihm nie­mand erzählen, Coro­na sei eine harm­lose Grippe. Videos und Kom­mentare in den Net­zw­erken wür­den in den Köpfen hän­gen bleiben – so wie bis heute Wit­ten­berge die Stadt ist, in der Kan­zler Ger­hard Schröder mit Eiern bewor­fen wurde.

Klaus Voigt, Vion

Fakt ist: Wir zweifeln nicht das Recht auf Demon­stra­tio­nen und Mei­n­ungs­frei­heit an“, sagt Klaus Voigt. Als Chef des großen Schlacht­be­triebs in Quit­zow erlebe er regelmäßig Demon­stra­tio­nen von veg­a­nen Grup­pen. „Das ist für mich kein Prob­lem. Die Proteste sind angemeldet, es gibt Ansprech­part­ner, wir tauschen auch mal unsere Mei­n­un­gen aus. Alles bleibt friedlich.“
Aber die ange­blichen Spaziergänge gegen Coro­na in Wit­ten­berge wür­den Trit­tbret­tfahrer anlock­en. „Die ver­fol­gen ganz andere Ziele“, meint er mit Blick auf auswär­tige Teil­nehmer aus recht­sex­tremen Kreisen. „Ein Bild von Wit­ten­berge als Krawall­stadt brauchen und wollen wir nicht.“ So ein Ruf bleibe hän­gen. Jüng­stes Beispiel sei Cot­tbus nach den hefti­gen Aktio­nen rechter Kräfte.
Coro­na sei ein Prob­lem für die Gesellschaft und für die Wirtschaft. „Wenn ich meine Pro­duk­tion nach einem Aus­bruch stop­pen müsste, geht es sofort um hun­dert­tausende Euros. Dann ste­hen Arbeit­splätze auf dem Spiel.“ Er wolle keine Demo ver­hin­dern, aber ruft dazu auf, die Regeln einzuhalten.

Sascha Maler (Name von d. Red. geändert)

Sascha Maler ist ein in der Region bekan­nter Unternehmer, aber er möchte seinen Namen nicht öffentlich nen­nen. „Ich habe Angst um mein Geschäft, um meine Mitar­beit­er“, sagt er. Aus den Kom­mentaren über die Proteste in Wit­ten­berge spreche teils die blanke Aggres­sion. „Diese Leute kannst du nicht kon­trol­lieren.“ Er arbeite mit ver­schiede­nen Ein­rich­tun­gen zusam­men, spüre den wach­senden Frust gegen die Aufla­gen, die er selb­st für richtig halte. „Wenn ich mich aber öffentlich dazu bekenne, habe ich Angst, Aufträge zu ver­lieren“, sagt er.

Detlef Benecke, DEBE Transporte

Er habe keine Angst und eine pri­vate Mei­n­ung zu Coro­na: „Das ist alles Quatsch, genau wie die Maskenpflicht. An den PCR-Test glaube ich auch nicht“, sagt Detlef Benecke. Aber es gehe nicht um seine per­sön­liche Mei­n­ung über Coro­na: „Ich schäme mich für einige Kom­mentare in den Net­zw­erken über die Proteste und Videos.“ Er selb­st sei als beken­nen­der Coro­na-Leugn­er ein­ge­laden wor­den, daran teilzunehmen: „Das habe ich abgelehnt, diese Demos sind niveau­los“, sagt er. Er trage die Maske, glaube aber nicht an ihren Schutz. Aber sie sei Vorschrift. Die Bun­des- und Lan­desregierung wür­den vieles ver­suchen, um die Pan­demie in den Griff zu bekom­men. „Diesen Weg müssen wir zu Ende gehen“, fordert Benecke.
Manche der Teil­nehmer wür­den staatliche Hil­fe bekom­men. „Sie bekom­men jeden Monat Unter­stützung vom Staat, auch in der Pan­demie. Warum protestieren diese Men­schen gegen den Staat“, fragt er. Wer gar als ges­tanden­er Unternehmer daran teil­nehme, „wäre eine Schande für die Stadt.“

Karsten Korup, Wohnungsbaugenossenschaft

In der Stadt gibt es Vere­ine und Ver­bände. Sie seien diejeni­gen, die Kri­tik an Maß­nah­men äußern soll­ten. „Anonym durch die Stadt zu ziehen, ist nicht zielführend, vor allem dann nicht, wenn man keine Vorschläge und keine Lösun­gen präsen­tiert, die bess­er und wirk­samer gegen die Pan­demie sind“, sagt Karsten Korup. Nur aus Frust auf die Straße zu gehen, führe zu keinem Erfolg.
Auch er sieht die Gefahr von Trit­tbret­tfahrern. „Sie wollen Chaos stiften und das brauchen wir nicht. Solche Bilder aus Wit­ten­berge wollen wir nicht bun­desweit im Fernse­hen sehen.“

Ronald Apel, IOI

Ronald Apel leit­et einen Chemiebe­trieb in Wit­ten­berge, der zu einem inter­na­tionalen Konz­ern gehört. Auch er sorgt sich um das Image der Stadt. „Wir suchen Fachkräfte, wollen mehr Stellen beset­zen. Aber solche Proteste helfen uns nicht“, meint er. Die Stadt habe einen guten Ruf, aber der könne sehr schnell Schaden nehmen. Das gelte es zu verhindern.

Jan Lange, Deutscher Hotel- und Gaststättenverband Prignitz

Jan Lange befürchtet nicht nur einen Imageschaden, son­dern spüre ihn bere­its. Erst am Vor­mit­tag habe er an ein­er Tele­fonkon­ferenz teilgenom­men. „Abschließend fragte mich ein Kol­lege aus dem Süden Bran­den­burgs, was wir mit der Polizei machen wür­den.“ Er habe das Video über die Demo am Mon­tagabend gese­hen. „Auch Gäste unseres Hotels Ölmüh­le haben in Net­zw­erken Videos und Kom­mentare ver­fol­gt, uns besorgt geschrieben“, so Lange.
Es gehe nicht nur um die Stadt, son­dern um den Ruf der ganzen Touris­mus­re­gion. Er habe seine Mitar­beit­er gebeten, nicht teilzunehmen, auch wenn sie von der Schließung betrof­fen und in Kurzarbeit seien. Der Lock­down im Früh­jahr habe dazu beige­tra­gen, dass Hotels und Restau­rants nach weni­gen Wochen wieder öff­nen durften. „Deshalb müssen wir die erlasse­nen Regeln der Eindäm­mungsverord­nung beacht­en“, sagt Lange.

Beiträge aus der Region

Land Bran­den­burg — Neben der AfD gelingt es Neon­azis, Hooli­gans und Reichs­bürg­ern zunehmend auch in Bran­den­burg, die Proteste gegen die Coro­na-Maß­nah­men zu unter­wan­dern. Zen­tren sind Wit­ten­berge, Oranien­burg und vor allem Brandenburg/ Havel. 
Wit­ten­berge — Am Mon­tagabend demon­stri­erten etw 70 Corona-Leugner*innen am Elmshorner Platz in Begleitung von 10 Polizeifahrzeugen. 
Helle — Es war die Über­raschung, dass Helle zu den Prüf­s­tan­dorten für ein Atom­mül­lend­lager gehört. 

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot