5. März 2021 · Quelle: gegenrede.info

Das Urteil

Prenzlau - Am Dienstag wurde ein 20jähriger Nazi vom Prenzlauer Jugendschöffengericht ohne Jugendstrafe aus dem Gerichtssaal entlassen, obwohl er für Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung schuldig gesprochen wurde

Am Dien­stag wurde ein 20jähriger Nazi vom Pren­zlauer Jugend­schöf­fen­gericht ohne Jugend­strafe aus dem Gerichtssaal ent­lassen, obwohl er für 2 Kör­per­ver­let­zun­gen, Wider­stand gegen Voll­streck­ungs­beamte, Nöti­gung und Sachbeschädi­gung schuldig gesprochen wurde. Der Staat­san­walt hat­te drei Jahre Jugend­haft beantragt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Als Zucht­mit­tel hat das Schöf­fen­gericht für Jor­dan G. drei Wochen Jugen­dar­rest ange­ord­net, die allerd­ings mit der zweiein­halb­monati­gen Unter­suchung­shaft abge­golten sind. Dazu kom­men noch 120 Sozial­stun­den inner­halb von sechs Monat­en und jew­eils 300 Euro Schmerzens­geld für seine bei­den Opfer einen 20jährigen Penkuner und einen 37jährigen Alko­holkranken. Als Reißleine hat das Gericht eine zwei­jährige Bewährungszeit einge­zo­gen. Jor­dan G. darf sich nichts zu Schulden kom­men lassen son­st dro­ht eine Jugend­haft­strafe. Grund­sät­zlich ist das Gericht der Lin­ie gefol­gt: Für jede Tat, die der Angeklagte eingeräumt hat, wurde er verurteilt. Für jede Tat, die er bestrit­ten hat, wurde er freigesprochen.

Der Staat­san­walt dage­gen hat­te Jor­dan G. in allen Anklagepunk­ten für über­führt gese­hen. Dazu gehörten dann noch zwei gemein­schaftlich began­gene gefährliche Kör­per­ver­let­zun­gen und eine Nöti­gung, bei der er ver­sucht haben soll, einen Tatzeu­gen einzuschüchtern.

In seinem schriftlich aus­gear­beit­eten Schluss­wort hat der Angeklagte darauf hingewiesen, dass er sich in psy­chol­o­gis­ch­er Betreu­ung befind­et, um sein Gewalt­prob­lem zu lösen. Außer­dem trinke er seit ger­aumer Zeit keinen Alko­hol mehr. Er habe bere­it jew­eils 150 Euro an die bei­den Gewal­topfer überwiesen.

Das Gericht hat seine Entschei­dung Tatvor­wurf für Tatvor­wurf nachvol­lziehbar begrün­det. Der Richter ist allerd­ings einem Irrtum aufge­sessen als er behauptet hat, dass Jor­dan G. seit sein­er Ent­las­sung aus der Unter­suchung­shaft keine Straftat mehr began­gen hätte. Am vierten Prozesstag kam der 20-Jährige in ein­er Runen-Strick­jacke, die der Staat­san­walt sofort beschlagnah­men ließ. Auf der Jacke waren Tyr- und Leben­srune zu sehen. Bei­de Runen sind Kennze­ichen ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen: Reichs­führerschulen und Lebensborn.

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