19. November 2020 · Quelle: MAZ

Frauenschuhe erinnern vor dem Landtag an Femizide

Rathenow - Mehrere Aktionen erinnern daran, dass auch im Havelland Frauen immer wieder Opfer von Partnerschaftsgewalt werden. Allein 2019 registrierte die Polizei zwischen Falkensee und Rathenow 270 Fälle von gegen Frauen gerichteter Gewalt.

Psy­chis­che und kör­per­liche Gewalt treibt auch im Jahr 2020 Tausende Frauen in auswe­glose Sit­u­a­tio­nen. Viele von ihnen gehen in die totale Iso­la­tion, ste­hen am Ende vor dem finanziellen Ruin und nicht wenige lan­den im Krankenhaus.

Für 117 Frauen in Deutsch­land endete die Part­ner­schafts­ge­walt 2019 gar mit dem Tod. Das heißt, fast jeden drit­ten Tag tötet ein Mann hierzu­lande seine Part­ner­in oder Ex-Partnerin.

Um an all diese Frauen zu erin­nern und vor allem um auf das The­ma aufmerk­sam zu machen und die Gesellschaft dafür zu sen­si­bil­isieren, find­et seit 1981 jedes Jahr am 25. Novem­ber der Gedenk- und Aktion­stag zur Besei­t­i­gung von Gewalt gegen Frauen statt. Auch im Havel­land machen Stadt und Land­kreis und allen voran der Unab­hängige Frauen­vere­in seit Jahren darauf aufmerksam.

270 Fälle häuslicher Gewalt im Havelland in 2019

Dieses Mal set­zt der Land­kreis bere­its zwei Tage vorher ein Zeichen. Am Mon­tag, 23. Novem­ber, wird Lan­drat Roger Lewandows­ki (CDU) gemein­sam mit der Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragten des Land­kreis­es, Bian­ca Lange, und der Vor­sitzen­den des Unab­hängi­gen Frauen­vere­ins, Catrin Seeger, am Kreishaus in Rathenow die neue Fahne für den Gedenk- und Aktion­stag hissen.

Diese trägt den Schriftzug „Wir sagen Nein! zu Gewalt an Frauen!“ und wurde von der Organ­i­sa­tion UN Women und dem Vere­in Gle­ich­berech­ti­gung und Ver­net­zung eigens für den Aktion­stag entworfen.

Mit sein­er Beteili­gung erin­nert der Land­kreis daran, dass auch im Havel­land immer wieder Frauen Opfer ihres Part­ners oder Ex-Part­ners wer­den. Allein 2019 reg­istri­erte die Polizei zwis­chen Falkensee und Rathenow 270 Fälle häus­lich­er Gewalt.

Auch die Stadt Rathenow schließt sich wieder dem Gedenken an. Jörg Ziete­mann, stel­lvertre­tender Bürg­er­meis­ter, und die ehre­namtliche Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte der Stadt, Nan­cy Bublitz, tre­f­fen sich am 24. Novem­ber um 13.30 Uhr am Rathaus, um zusam­men mit Catrin Seeger die neue Fahne zu hissen.

Seeger leit­et seit fast 30 Jahren das einzige Frauen­haus im Havel­land und erfährt in ihrer täglichen Arbeit, was viele Frauen und ihre Kinder im eige­nen Zuhause erlei­den. Darüber wird sie in der Podi­ums­diskus­sion sprechen, die am Dien­stag, 24. Novem­ber um 18 Uhr stattfindet.

Auf­grund der aktuellen Lage haben die Organ­isatoren das Ganze als Online-Kon­ferenz vor­bere­it­et. Unter der Über­schrift „Gemein­sam gegen häus­liche Gewalt – Das Schweigen brechen!“ tauscht sich Catrin Seeger mit dem ehe­ma­li­gen Staatssekretär im Bran­den­bur­gis­chen Fam­i­lien­min­is­teri­um, Andreas Büt­tner (Die Linke), und der Lei­t­erin des Kinder- und Jugendtele­fons Pots­dam, Sabine Theuerkauf, aus. Die ehre­namtliche Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte der Gemeinde Briese­lang, Kathrin Neu­mann, mod­eriert die Veranstaltung.

Landtag stellt 122 Schuhe aus Rathenow auf

Bere­its am näch­sten Tag wird Catrin Seeger mit ihrer Kol­le­gin Jana Rein­hardt von 10 bis 13 Uhr auf dem Märkischen Platz in Rathenow ste­hen und Infor­ma­tions­fly­er und Masken verteilen, um auch hier auf das brisante The­ma aufmerk­sam zu machen.

Zur sel­ben Zeit ste­hen vor dem Land­tag in Pots­dam jene roten Schuhe, die am 14. Feb­ru­ar auf der Treppe des Rathenow­er Kul­turzen­trums an die 122 Frauen erin­nerten, die 2018 von ihrem Part­ner oder Ex-Part­ner getötet wur­den. Land­tagspräsi­dentin Ulrike Liedtke (SPD) war von der Idee so begeis­tert, dass sie anlässlich des Gedenk­tages Catrin Seeger bat, die Schuhe zur Ver­fü­gung zu stellen.

Anstieg häuslicher Gewalt im Lockdown

All diese Aktio­nen sind wichtig, um ins­beson­dere in diesen Zeit­en der sozialen Iso­la­tion und der Ungewis­sheit ein Zeichen zu set­zen. Wir müssen jet­zt ganz beson­ders aufeinan­der auf­passen. Wir dür­fen nicht wegschauen und soll­ten unsere Nach­barn und Fre­unde noch mehr im Blick haben. Die Opfer­zahlen aus dem Zeitraum des ersten Lock­downs zeigen, wie sich die Krise auswirkt. Die Polizei verze­ich­nete 22 Prozent mehr Delik­te häus­lich­er Gewalt im Land Bran­den­burg als im Vor­jahreszeitraum“, macht Seeger deutlich.

Sie weiß, in vie­len Fam­i­lien liegen derzeit die Ner­ven blank. Umso länger die Krisen­si­t­u­a­tion andauert, umso stärk­er die Anspan­nung, so Seeger. Wie ernst es ist, zeigt auch die Sit­u­a­tion im havel­ländis­chen Frauen­haus, das seit Monat­en voll belegt ist. Hinzu kommt, dass jet­zt so kurz vor dem Wei­h­nachts­fest auch noch die Kinder­be­treu­ung in der Ein­rich­tung wegfällt.

Wir suchen drin­gend eine engagierte Sozialpäd­a­gogin, die sich um die Mäd­chen und Jun­gen in unser­er Ein­rich­tung küm­mert“, erk­lärt Catrin Seeger. Sie wird auch in diesem Jahr zusam­men mit ihrer Kol­le­gin dafür Sor­gen, dass die Bewohner­in­nen trotz allem ein paar besinnliche Wei­h­nachtsstun­den erleben und etwas zur Ruhe kom­men können.

Beiträge aus der Region

Nauen — Während eines Stadtrundgangs wiesen Mit­glieder des All­ge­meinen Behin­derten­ver­ban­des des Lan­des Bran­den­burg auf vielfältige Bar­ri­eren im öffentlichen Raum Nauens hin. 
Rathenow — Ein Mann, der in einem Einkauf­s­markt aufge­fordert wurde, eine Gesichts­maske aufzuset­zen, ist so aus­fäl­lig gewor­den, dass die Polizei gerufen wer­den musste. Und auch die bekam ihn kaum unter Kontrolle.
Elstal — Mit einem Mess­er bedro­hte ein Mann einen 25-Jähri­gen am Elstaler Bahn­hof, nach­dem dieser ihn auf die Maskenpflicht hingewiesen hatte.

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot