25. März 2020 · Quelle: PNN

Potsdams Vermieter zeigen Kulanz

Potsdam - In der Coronakrise will Potsdams Wohnungswirtschaft Mietern entgegenkommen. Gezahlt werden muss trotzdem - aber später.

In der Coro­n­akrise will Pots­dams Woh­nungswirtschaft Mietern ent­ge­genkom­men. Gezahlt wer­den muss trotz­dem — aber später.

Flat­tert einem uner­wartete Post vom Ver­mi­eter ins Haus, mag es manchem im Magen unan­genehm kribbeln. Doch das Schreiben, das die Mieter eines Wohn­blocks in der Kas­tanien­allee vor weni­gen Tagen beka­men, dürfte die Adres­sat­en erle­ichtert aufat­men lassen haben. „Der Eigen­tümer des Haus­es“, heißt es darin, mache sich „Sor­gen um unsere Mieter“, die wom­öglich in finanzielle oder gar exis­ten­zielle Schwierigkeit­en kom­men kön­nten. Betrof­fene kön­nten damit rech­nen, dass ihnen „von Fall zu Fall großzügig“ Hil­fe und Unter­stützung gewährt werde.

Ver­sandt hat dieses Schreiben die Hausver­wal­tung Lub­itz. Dem Berlin­er Unternehmen gehört die Immo­bilie mit rund 80 Woh­nun­gen in Pots­dam. „Wir woll­ten in diesen Zeit­en ein Zeichen set­zen, dass unsere Mieter sich nicht sor­gen müssen“, sagte Fir­menin­hab­erin Michaela Lub­itz den PNN. Wer wegen der Coro­n­akrise in finanzielle Nöte gerät, dem könne die Miete ges­tun­det, wom­öglich sog­ar tem­porär erlassen wer­den. Die Res­o­nanz sei sehr pos­i­tiv gewe­sen. „Viele Mieter haben sich bei uns bedankt“, so Lub­itz.

Auch die Pro Pots­dam bietet Hil­fe an
So wie Lub­itz, die zu den vie­len kleineren Ver­mi­etern der Stadt gehört, zeigen in der Coro­n­akrise auch viele größere Woh­nung­sun­ternehmen Ent­ge­genkom­men gegenüber ihren Mietern. Die kom­mu­nale Pro Pots­dam, mit aktuell exakt 17 622 Woh­nun­gen quan­ti­ta­tiv der Branchen­primus der Stadt, erk­lärte am Dien­stag in ein­er Pressemit­teilung, sie ste­he zu ihrer „sozialen Ver­ant­wor­tung“.

Wer infolge der Coro­na-Epi­demie in finanzielle Schwierigkeit­en ger­ate, solle sich „aktiv“ melden, damit ihm geholfen wer­den könne, sagte Unternehmen­schef Jörn-Michael West­phal. Ab April sollen die Mieter monatlich über ihren Mietkon­to­stand informiert wer­den, das stan­dar­d­isierte Mah­n­ver­fahren bei Mietschulden werde „bis zu ein­er Einzelfal­lk­lärung unter Berück­sich­ti­gung staatlich­er Hil­fen wie beispiel­sweise Wohn­geld“ aus­ge­set­zt. Das gle­iche Prozedere gelte auch für die Mieter der 288 Gewer­beein­heit­en der Pro Pots­dam.

Miete wird nicht erlassen
Was das im Einzelfall bedeutet, präzisierte Pro-Pots­dam-Sprecherin Anna Win­kler auf Nach­frage. Die Miete könne ges­tun­det oder aus­ge­set­zt wer­den, gezahlt wer­den müsse sie dann aber später. Denn: Dro­hende Mietrück­stände kön­nten auch den Unternehmensver­bund tre­f­fen. Man benötige die Ein­nah­men für Zins- und Tilgungszahlen für Kred­ite, die für Neubaut­en und Sanierun­gen aufgenom­men wur­den, für die Bezahlung von Handw­erks­be­trieben und die Begle­ichung der Betrieb­skosten wie Wass­er, Strom, Fer­n­wärme und Abfal­l­entsorgung, sagte West­phal.

Der Pro-Pots­dam-Chef sprach sich für die Ein­rich­tung eines „Sich­er-Wohnen-Fonds“ aus, den bere­its der Deutsche Mieter­bund und der Bun­desver­band deutsch­er Woh­nungs- und Immo­bilienun­ternehmen (GdW) gefordert hat­ten. Ein solch­er, vom Bund aufgelegter Fonds soll Mietern und Ver­mi­etern, die in der Coro­n­akrise in Not ger­at­en, aus der Klemme helfen. Bis­lang ist ein solch­er Fonds allerd­ings nicht geplant.

Karl Marx” hat erste Anfra­gen
Pots­dams größte Genossen­schaften, die „Karl Marx“ mit rund 6600 Woh­nun­gen und die PWG 1956 mit derzeit genau 4166 Woh­nun­gen, ergreifen ähn­liche Maß­nah­men wie die Pro Pots­dam. Es gebe bere­its erste Anfra­gen von Mietern, die von Kurzarbeit betrof­fen sind, sagte „Karl Marx“-Vorstand Bodo Jablonows­ki den PNN. In allen Fällen werde man ver­suchen, Lösun­gen zu find­en. „Nie­mand wird seine Woh­nung ver­lieren“, ver­sprach Jablonows­ki. Auch er machte indes deut­lich, dass die Miete ges­tun­det oder aus­ge­set­zt, nicht aber erlassen wer­den könne.

Eben­so sieht es PWG-Vor­stand Matthias Plu­dra. Man könne den Mietern Auf­schub, aber keinen Erlass gewähren. Dazu verpflichte schon der Gle­ich­be­hand­lungs­grund­satz der Genossen­schaft. Man bemühe sich aber um jed­wede Hil­fe für die Betrof­fe­nen. Sor­gen, wegen aus­bleiben­der Mieten selb­st in finanzielle Not zu ger­at­en, machen sich bei­de Genossen­schaften nicht: Den Großteil der Mieter macht­en Senioren aus, deren Renten wohl sich­er sind.

Sem­mel­haack pocht auf Rechte
Pots­dams größter pri­vater Ver­mi­eter, Sem­mel­haack, dessen Bestand nach eige­nen Angaben derzeit Woh­nun­gen „im niedri­gen vier­stel­li­gen Bere­ich“ umfasst, ist „im Einzelfall“ auch „jen­seits geset­zlich­er Härte­fall­regelun­gen grund­sät­zlich bere­it, indi­vidu­elle Vere­in­barun­gen zu tre­f­fen, sofern eine für bei­de Seit­en trag­bare Lösung real­is­tisch erscheint“, sagte ein Sprech­er den PNN. Er ver­wies allerd­ings auch auf mögliche Bun­desregelun­gen „für nach­weis­lich und konkret von der Coro­n­akrise getrof­fene Mieter“. Bis eine solche Regelung greife, so der Sprech­er, „müssen wir derzeit grund­sät­zlich weit­er­hin auf der Ein­forderung unser­er Recht­sansprüche beste­hen“.

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