14. Januar 2019 · Quelle: PNN

Schwierige Wohnungssuche für Flüchtlinge

Ger­ade für Flüchtlinge ist es fast unmöglich, eine bezahlbare Woh­nung auf dem anges­pan­nten Pots­damer Markt zu find­en. Das zeigt auch das Beispiel von Sami Al Faiad.

Sami Al Faiad hat Arbeit, doch eine eigene Wohnung hat er bisher vergeblich gesucht. 
Sami Al Faiad hat Arbeit, doch eine eigene Woh­nung hat er bish­er verge­blich gesucht. Foto: Andreas Klaer

Pots­dam — Der Syr­er Sami Al Faiad hat schon eine wahre Odyssee der Woh­nungssuche hin­ter sich, seit er 2015 nach Deutsch­land kam. Der 31-jährige Flüchtling wohnte schon in ein­er Flüchtling­sun­terkun­ft, in mehreren Wohnge­mein­schaften und immer wieder auf der Couch. Schon seit März 2018 ist er nun wieder auf der Suche, um endlich eine eigene Bleibe in Pots­dam oder Berlin zu find­en. Doch auf dem pri­vat­en Woh­nungs­markt etwas leist­bares zu find­en, ist für ihn offen­bar unmöglich. Und damit ste­ht er bei Weit­em nicht alleine da. Ger­ade für Flüchtlinge ist es extrem schw­er, auf dem umkämpften Woh­nungs­markt etwas zu find­en.

Er hat einen Ausbildungsplatz, doch keine feste Bleibe

Dabei ist Sami noch in ein­er ver­gle­ich­sweise kom­fort­ablen Sit­u­a­tion. So kann er zum Beispiel einen Aus­bil­dungsplatz vor­weisen: er lernt beim Steigen­berg­er Hotel Pots­dam den Beruf des Restau­rant­fach­manns, hat dort auch eine Über­nah­mezusage für Ende des Jahres. Außer­dem hat er eine deutsche Fre­undin, eine Kun­stlehrerin in Berlin, die ihm bei der For­mulierung von E-Mails oder Behör­dengän­gen hil­ft – auch wenn er schon sehr gut Deutsch spricht. Bei ihr ist er zur Zeit auch offiziell gemeldet, doch eigentlich ist die Woh­nung zu klein für zwei Bewohn­er. So schläft Sami ein paar Tage die Woche bei ihr, ein paar Tage die Woche bei seinem Brud­er, der eben­falls eine kleine Woh­nung in Berlin hat.

Schon 2011 ist Sami mit sein­er Mut­ter und seinen Geschwis­tern wegen des Krieges aus der ost­syrischen Stadt Deir ez-Zor in den Libanon geflo­hen. Dort schlug er sich drei Jahre lang durch, ohne Rechte, ohne Ver­sicherung, als Ange­höriger ein­er unbe­liebten Min­der­heit, wie er erzählt. In Syrien hat er als Stick­er gear­beit­et, stolz zeigt er die kun­stvoll verzierten Kissen, Vorhänge und Überdeck­en, die er einst fer­tigte. Im Libanon fand er einen Job in einem Hotel, doch offiziell gemeldet war dieser nicht.

In Berlin abgezockt

Im Som­mer 2015 machte sich Sami auf nach Deutsch­land, wurde zunächst in Berlin-Kauls­dorf unterge­bracht und zog nach einem Jahr mit seinem Brud­er in eine Wohnge­mein­schaft in Pren­zlauer Berg. Doch dort wur­den die bei­den offen­sichtlich Opfer eines Aus­beuters: 800 Euro mussten sie für ein kleines Zim­mer abtreten, das sie sich teil­ten. Außer­dem gab es immer wieder Ärg­er mit dem Lebenspart­ner des Ver­mi­eters, der das zweite Zim­mer der Woh­nung bewohnte. Während sein Brud­er, der mit­tler­weile Psy­cholo­gie an der Uni­ver­sität Pots­dam studiert, durch eine Bekan­nte an eine kleine Woh­nung kam, zog Sami zur Unter­mi­ete zu einem Paar nach Schöneberg – doch auch dort lief es nicht gut. Bei dem 72-jähri­gen Mann und der 65 Jahre alten Frau habe er kein­er­lei Pri­vat­sphäre gehabt, berichtet Sami. Er habe keinen Besuch emp­fan­gen dür­fen, seine Post wurde geöffnet.

Dann schien sich endlich etwas Länger­fristiges zu ergeben: Ein guter Fre­und bot ihm an, mit in seine Betrieb­swoh­nung in der Berlin­er Beussel­straße zu ziehen. Sami investierte Geld und Arbeit, strich die Wände und kaufte Möbel. Doch schon nach zwei Monat­en war klar, dass er auch dort wieder raus muss: Sein Fre­und hat­te die Arbeitsstelle gewech­selt und musste deshalb auch die Woh­nung ver­lassen. Seit März weiß Sami davon, der Auszug war zum 1. Juli. Seit­dem ist er ohne eigene Woh­nung, ohne Rück­zug­sort.

Ein weiteres Hindernis sei seine Herkunft

Jeden Tag durch­forste er die Ange­bote im Inter­net, sagt der Syr­er. Seine Möglichkeit­en sind beschränkt: Das Job­cen­ter übern­immt zwar wegen seines gerin­gen Aus­bil­dungs­ge­haltes die Wohnkosten. Diese dür­fen jedoch das Lim­it von 404 Euro nicht über­schre­it­en – auch nicht, wenn Sami sich selb­st bere­it­erk­lärt, einen Anteil wie etwa die Nebenkosten zu übernehmen. Ein weit­eres Hin­der­nis ist seine Herkun­ft, ist Sami überzeugt. „Bei den Woh­nungs­besich­ti­gun­gen sind teil­weise bis zu 100 Leute“, berichtet er und zeigt ein Video mit ein­er riesi­gen Men­schen­traube vor einem Miet­shaus. „Die meis­ten sind Deutsche und haben bessere Chan­cen als ich.“ Langsam ver­liert er die Hoff­nung, jemals etwas zu find­en. In Berlin habe er von Bekan­nten gehört, dass sie bis zu 3000 Euro an einen ille­galen Ver­mit­tler gezahlt hät­ten, um an eine Woh­nung zu kom­men. „So viel Geld habe ich nicht. Und auch wenn ich es hätte, würde ich das nicht machen.“

Mehr als 1000 Flüchtlinge leben in 14 Unterkünften

Das Prob­lem ist in Pots­dam bekan­nt – und auch die aktuellen Zahlen sprechen eine ein­deutige Sprache. So leben in den 14 Flüchtling­sun­terkün­ften, die es in der Stadt gibt, derzeit immer noch 1015 Per­so­n­en, wie es von der Stadt auf PNN-Anfrage heißt. Und das, obwohl die Zahl der Neuankömm­linge derzeit sehr ger­ing ist. So wur­den der Stadt im gesamten Jahr 2018 nur 139 Flüchtlinge zugewiesen, ger­ade mal ein Zehn­tel so viele wie 2015. Immer­hin: Seit 2017 über­steigt die Zahl der­jeni­gen, die aus ein­er Pots­damer Unterkun­ft ausziehen, die Zahl der Neuankömm­linge. Im ver­gan­genen Jahr etwa kon­nten rund 350 Men­schen eine eigene Woh­nung beziehen.

Doch viele hän­gen weit­er­hin in den Sam­melun­terkün­ften fest, teil­weise seit Jahren, ohne Pri­vat­sphäre, ohne Autonomie. Die Pots­damer wis­sen, wie schw­er die Woh­nungssuche in der Stadt ist. Und sie haben einen entschei­den­den Vorteil: Sie sind Pots­damer.

Beiträge aus der Region

Pots­dam – Die bran­den­bur­gis­che Polizei hat in diesem Jahr erneut eine Vielzahl von Medi­en als jugendge­fährdend zur Indizierung angezeigt.
Pots­dam — Am Sam­stagabend informierte ein Zeuge die Polizei, dass ein augen­schein­lich aus­ländis­ch­er Mann, von einem anderen Mann belei­digt wurde.
Eber­swalde — Der Prozess vor dem Arbeits­gericht um den Rauss­chmiss von Ex-Nazi Steve Schmidt als Archivar der Stadt Anger­münde endete am Mittwoch bere­its nach weni­gen Minuten.

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