19. November 2020 · Quelle: MAZ

Unterstützungsangebot für Vergewaltigte

Neuruppin - Nur wenige Frauen erstatten nach einer Vergewaltigung Anzeige. Wenn sie es doch tun, dann oft erst spät. Ein Angebot der Ruppiner Kliniken in Neuruppin will nun Betroffene von sexualisierter Gewalt unterstützen.

Nach wie vor ist sex­uelle Gewalt ein Tabuthe­ma: für die Täter sowieso, aber auch für die Opfer und für deren Umfeld. Fach­leute gehen davon aus, dass nur wenige Frauen, die tat­säch­lich sex­uelle Gewalt erfahren, danach zur Polizei gehen. Die aller­meis­ten Gewalt­tat­en bleiben so unentdeckt.

2137 Fälle von sex­ueller Gewalt an Frauen wur­den im ver­gan­genen Jahr im gesamten Land Bran­den­burg angezeigt. 96 Fälle waren es im Kreis Ost­prig­nitz-Rup­pin, sagt Lydia San­drock vom Vere­in Opfer­hil­fe. Er berät Men­schen, die von ein­er Straftat betrof­fen sind, und ihnen hil­ft ihnen, mit dem Trau­ma zu leben.

Lydia San­drock geht davon aus, dass die Dunkelz­if­fer der nicht ent­deck­ten Tat­en riesig ist. „Frauen, die verge­waltigt wor­den sind, sind mit sehr vie­len Vorurteilen kon­fron­tiert und haben viele Klis­chees im Kopf“, weiß sie aus ihrer eige­nen Arbeit mit trau­ma­tisierten Frauen. „Viele fra­gen sich: ‚Habe ich das provoziert?’, ‚Was habe ich falsch gemacht?’; ‚Warum habe ich mich nicht mehr gewehrt?’.“

Viele Frauen wenden sich nach einer Vergewaltigung nicht an die Polizei

Nur etwa acht Prozent aller Verge­wal­ti­gun­gen wird tat­säch­lich bei der Polizei angezeigt, sagt Lydia San­drock. Diese Zahl legt eine Studie nahe, für die 2004 im Auf­trag der Bun­desregierung etwa 10 000 Frauen aus ganz Deutsch­land befragt wurden.

Die aller­meis­ten betrof­fe­nen Frauen kön­nen sich direkt nach der Tat nicht entschließen, Anzeige zu erstat­ten. Aus Scham, aus Angst vor dem Täter, aus ganz ver­schiede­nen Gründen.

Frauen, die sich doch entschließen kön­nen, sich bei der Polizei zu melden, tun das oft erst ein halbes bis anderthalb Jahre nach der Tat. Für die Ermit­tler und die Gerichte ein riesiges Prob­lem: Beweise für eine Verge­wal­ti­gung gibt es nach so langer Zeit in aller Regel nicht mehr.

Vertrauliche Spurensicherung ist seit 2015 in Neuruppin möglich

Seit 2015 gibt es im Land Bran­den­burg deshalb die Möglichkeit, dass sich Frauen und auch Män­ner, die Opfer sex­ueller Gewalt gewor­den sind, an ein Kranken­haus wen­den kön­nen, wo die Spuren der Tat zunächst ver­traulich gesichert wer­den, ohne dass die Klinik die Polizei einschaltet.

Vier Kranken­häuser beteili­gen sich an dem Pro­gramm, auch die Rup­pin­er Kliniken in Neu­rup­pin gehören dazu.

Wer sich mit dem Satz „Ich brauche drin­gend ein Gespräch mit ein­er Gynäkolo­gin“ oder „Ich brauche drin­gend ein Gespräch mit einem Urolo­gen“ in der Notauf­nahme meldet, wird dort ohne weit­ere Nach­frage sofort an eine ein­sprechende Ärztin oder einen Arzt weitergeleitet.

Im Kranken­haus wer­den die Opfer unter­sucht und eventuelle Spuren sichergestellt. Bis zu fünf Jahre später kön­nen diese dort nach einge­se­hen und aus­gew­ertet wer­den, sollte sich eine Frau später entschei­den, doch Anzeige bei der Polizei zu erstat­ten. Nur dann kann auf diese Spuren zurück­ge­grif­f­en werden.

Plakate sollen das Angebot bei Frauen bekannter machen

Mar­lies Grun­st, die Gle­ich­stel­lungs­beauf­tragte des Land­kreis­es Ost­prig­nitz-Rup­pin, wün­scht sich, dass mehr Frauen nach ein­er Verge­wal­ti­gung von dieser anony­men Spuren­sicherung Gebrauch machen. „Viele Frauen ken­nen diese Möglichkeit aber gar nicht“, fürchtet sie.

Mit ein­er großen Plakat-Aktion will der Land­kreis das ändern. Noch bis zum Ende des Jahres hän­gen in den Lin­ien­bussen in Ost­prig­nitz-Rup­pin Plakate, die über das anonyme Ange­bot informieren sollen.

Eine Auswer­tung, wie oft es die anonyme Spuren­sicherung in den ver­gan­genen fünf Jahren in Anspruch genom­men wurde, gibt es indes nicht. Auch Lydia San­drock kann keine Zahlen nen­nen. „Auch wir hät­ten gern welche, sagt sie. Doch selb­st die Zahlen sind streng vertraulich.

Wer Opfer eine Verge­wal­ti­gung oder ein­er anderen Gewalt­tat gewor­den ist, kann sich an Lydia San­drock wen­den. Die Bera­terin vom Vere­in Opfer­hil­fe ist unter der Tele­fon­num­mer 03391/51 23 00 oder über die Inter­net­seite www.opferhilfe-brandenburg.de zu erreichen.

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