6. Juli 2011 · Quelle: Opferperspektive

Ausländerbeauftragter verlässt Schwedt

Schwedt - Ibrahimo Alberto verlässt die Stadt wegen des jahrelangen Rassismus / Polenfeinde randalieren im Jugendklub "Flash Too"

Seit dem 30. Juni hat die Stadt Schwedt keinen Aus­län­der­beauf­tragten mehr. Der bish­erige Amtsin­hab­er hat den ehre­namtlichen Posten aufgegeben. Ibrahi­mo Alber­to ist nach Karl­sruhe in Baden-Würt­tem­berg ver­zo­gen. Dort tritt er eine Stelle als Kindergärt­ner an.

Der gebür­tige Mosam­bikan­er lebte seit 1981 in der DDR. 1990 zog er nach Schwedt. Hier kämpfte er viele Jahren um Gle­ich­berech­ti­gung und gegen Ras­sis­mus. Für sein Engage­ment wurde er unter anderem mit dem Preis »Botschafter für Tol­er­anz und Demokratie« aus­geze­ich­net. Zulet­zt arbeit­ete er als ehre­namtlich­er Mitar­beit­er im Jugend­klub »Flash Too«.

Die Opfer­per­spek­tive ken­nt und schätzt Ibrahi­mo Alber­to seit Jahren als wichti­gen Ansprech- und Koop­er­a­tionspart­ner. Sein Weg­gang ist ein großer Ver­lust für die Stadt Schwedt und auch für unsere Organisation.

Sein Umzug nach Baden-Würt­tem­berg ist nicht nur der besseren Sit­u­a­tion auf dem Arbeits­markt in West­deutsch­land geschuldet. Ibrahi­mo Alber­to war vor allem die ständi­gen ras­sis­tis­chen Anfein­dun­gen leid, denen er aus­ge­set­zt war. Immer wieder berichtete er der Opfer­per­spek­tive über ras­sis­tisch motivierte Beschimp­fun­gen und Über­griffe, die er auch bei der Polizei zur Anzeige brachte. Eine grundle­gende Verbesserung der Sit­u­a­tion in Schwedt trat aber nie ein.

Erst am ver­gan­genen Fre­itag, also schon in sein­er Abwe­sen­heit, kam es im Jugend­klub »Flash Too« zu einem bedrohlichen Vor­fall, berichtet Ibrahi­mo Alber­to. Eine pol­nis­chstäm­mige Mitar­bei­t­erin wurde von ein­er Gruppe Jugendlich­er ras­sis­tisch beschimpft und bedrängt. Eine pol­nis­che Fahne wurde von der Wand geris­sen und auf den Boden geworfen.

Jed­er Aufen­thalt in der Öffentlichkeit war für Ibrahi­mo Alber­to und seine Fam­i­lie mit einem Gefühl von poten­zieller Bedro­hung ver­bun­den. Diesen Druck hat er mit dem Umzug nun von sich und sein­er Fam­i­lie genom­men. Wir wis­sen, dass ihm diese Entschei­dung nicht leicht gefall­en ist, ger­ade weil er sich viele Jahre lang in der Stadt gegen ras­sis­tis­che Diskri­m­inierung und Gewalt engagiert hat.

Wir wün­schen Ibrahi­mo Alber­to ganz her­zlich das Beste für die Zukunft.

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