14. Juli 2015 · Quelle: Libertären Aktion Frankfurt (Oder), des Utopia e.V. , Autonomen Antifa Frankfurt (Oder)

Deutschland führt Krieg und ihr feiert die Bundeswehr?!

Protest anlässlich eines Auftritts des Bundeswehrstabsorchesters auf dem Frankfurter Stadtfest. Gemeinsame Pressemitteilung der Libertären Aktion Frankfurt (Oder), des Utopia e.V. und der Autonomen Antifa Frankfurt (Oder)
Am 12.07.2015 gegen 12 Uhr trat auf der Mark­t­platzbühne des Stadt­festes das Stab­sor­ch­ester der Bun­deswehr auf. Inter­pretiert wur­den unter anderem Märsche von Johann Got­tfried Piefke, ehe­ma­liger Musikdi­rek­tor des 3. Armeeko­rps der preußis­chen Armee. Piefke ver­lebte die meiste Zeit seines Lebens in Frank­furt (Oder). Die Ver­anstal­tung wurde gle­ich zu Beginn durch einen vier­tel­stündi­gen bun­ten Protest von 20 Aktivist*innen mit Trillerpfeifen, Trans­par­enten und Schildern begleit­et. Dort war zu lesen: „Preußen, nein danke!“, „Krieg ist doof“ und „Deutsch­land führt Krieg und ihr feiert die Bun­deswehr?!“ Auf­grund des unsan­ften Ein­schre­it­ens der Secu­ri­ty des Bun­ten Her­ings sowie einiger älter­er Herrschaften musste unsere kleine Insze­nierung lei­der vorzeit­ig abge­brochen wer­den. Wir ver­fol­gten mit der Aktion das Ziel, eine kri­tis­che Auseinan­der­set­zung mit der Geschichte der eige­nen Stadt, sowie ihrer poli­tisch-mil­itärischen Per­sön­lichkeit­en und der Bun­deswehr im Hier und Jet­zt anzuregen.
Auf entsprechen­den Fly­ern, die wir im Pub­likum des Konz­erts verteil­ten, wiesen wir auf den Werde­gang Piefkes hin. So legten wir dar, dass Johann Got­tfried Piefke Begrün­der einiger unsäglich­er tra­di­tioneller Marschkom­po­si­tio­nen  ar, die auch zum Stan­dard­reper­toire der Wehrma­cht gehörten, wie beispiel­sweise „Preußens Glo­ria“. Der Glo­ri­fizierung eines Mannes, welch­er als Teil ein­er Armee am Mor­den unzäh­liger Men­schen beteiligt war, erteil­ten wir eine voll­ständi­ge Absage. Von den anwe­senden, größ­ten­teils älteren Besucher_innen wur­den wir daraufhin beschimpft und mehrmals kör­per­lich ange­grif­f­en. Neben diesen untrag­baren Reak­tio­nen auf einen friedlichen Protest fra­gen wir auch: Welchen päd­a­gogis­chen Wert haben die kriegsver­her­rlichen­den Auf­führun­gen von Bun­deswehrstab­sor­ch­ester und der vor­weg marschieren­den Frank­furter Fan­faren­garde für Men­schen, die sich ger­ade in der Haupt­phase ihrer Entwick­lung befind­en, also beispiel­sweise auf anwe­sende Kinder? Etwa das Beweihräuch­ern von Krieg, Mord und Vertrei­bung als Heldentum?
Ent­ge­gen der Beschwörun­gen von Bühne und Pub­likum ist Musik nie unpoli­tisch; erst recht nicht, wenn sie einger­ahmt wird vom groß angelegten Wer­ben der Bun­deswehr für moralis­che Legit­im­ität („Wir. Dienen. Deutsch­land.“) Bei Piefkes Kom­po­si­tio­nen han­delt es sich nicht nur um Tra­di­tio­nen der Wehrma­cht, son­dern um Zer­e­monielle, die neben eini­gen anderen naht­los durch die Bun­deswehr über­nom­men wur­den und auch heute noch Bestand haben. Die Bun­deswehr besitzt den offiziellen Sta­tus ein­er Vertei­di­gungsarmee. Vertei­di­gung bedeutet für die Bun­deswehr und die deutsche Poli­tik, den afrikanis­chen Kon­ti­nent zu kolonisieren und Hil­fe im Auf­bau autoritär­er Regime zu leis­ten. Vertei­di­gung bedeutet für die Bun­deswehr, 5000 Soldat_Innen für die NATO
abstellen zu kön­nen. Vertei­di­gung bedeutete für die Bun­deswehr, das afghanis­che Kun­dus zu bom­bardieren und den Koso­vo zu belagern. Die Bun­deswehr ist wed­er eine Vertei­di­gungsarmee, noch hat sie, eben­so wie der deutsche Staat, ihre Ver­gan­gen­heit angemessen aufgear­beit­et und abgelegt.
Der Utopia e.V., die Lib­ertäre Aktion Frank­furt (Oder) sowie die Antifaschis­tis­che Aktion Frank­furt (Oder) stellen sich außer­dem entsch­ieden dage­gen, der Bun­deswehr und somit der Wer­bung für Krieg und Mil­i­taris­mus den öffentlichen Raum zu über­lassen, so wie es im Rah­men des diesjähri­gen Stadt­festes geschehen ist. Die Bun­deswehr als patri­ar­chale Insti­tu­tion lehrt Drill,
Gehor­sam und Unterord­nung. Ein patri­ar­chales Ver­hal­ten beschreibt eine in seinem Ursprung männlich geprägte Ver­hal­tensweise, die durch das Ausüben des Rechts des Stärk­eren gekennze­ich­net ist. Es lehrt also Dinge, die in kein­ster Weise dazu führen wer­den, Gle­ich­heit und Gle­ich­berech­ti­gung unter den Men­schen auf diesem Plan­eten zu erzeu­gen. Doch daran – davon sind wir fest überzeugt – ist uns ja allen gelegen…

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