26. Mai 2021 · Quelle: Kein Raum der AfD!

Ein AfD-Parteitag und ein toter Neonazi

In Biesdorf beginnt der Zeltaufbau, bewacht von "German Security" aus Falkensee. Verbindung zu OK und Neonaziszene, insb. zur militanten Bruderschaft "Hammerskins", die auch den NSU unterstützte.

In Bies­dorf begin­nt der Auf­bau des Zelts für den AfD-Parteitag. Das von der Sen­atsver­wal­tung für Finanzen ver­mi­etete Grund­stück wird von der Fir­ma „Ger­man Secu­ri­ty“ aus Falkensee bewacht, die enge Verbindun­gen zur organ­isierten Krim­i­nal­ität und zur Neon­aziszene hat, ins­beson­dere zur mil­i­tan­ten Brud­er­schaft „Ham­mer­skins“, die auch den NSU unter­stützte. Die AfD greift gerne und regelmäßig auf die Dien­ste der Fir­ma zurück.

Clubs, Stadt­feste, Einkauf­szen­tren, Sportevents, Städte und Gemein­den – die Kun­den­liste von „Ger­man Secu­ri­ty“ aus Falkensee kann sich sehen lassen. Die 2003 von Chris­t­ian Hecht gegrün­dete Fir­ma ist ein etabliert­er Play­er im Sicher­heits­gewerbe in Bran­den­burg und Berlin. Mit regelmäßi­gen Klein­spenden an Vere­ine im Havel­land wird das Image aufgebessert, was auch nötig ist, denn immer wieder wer­den neon­azis­tis­che Bezüge und die ras­sis­tis­che Arbeitsweise der Fir­ma deut­lich, so z.B. als 2016 bei ein­er Par­ty im Oranien­burg­er „Oranien­werk“ zwei syrische Geflüchtete mit den Worten „nur für Deutsche“ abgewiesen wurden.

Weitaus mehr öffentliche Aufmerk­samkeit bekam „Ger­man Secu­ri­ty“ im Sep­tem­ber 2017, als man den Schutz für eine AfD-Kundge­bung mit Björn Höcke in Pots­dam stellte. Beobachter*innen erkan­nten unter den Mitar­beit­ern vor Ort den Pots­damer Neon­azi Gabor Grett, der den „Freien Kräften Pots­dam“ zugerech­net wurde und sich heute im Umfeld der Neon­azi­partei „Der Dritte Weg“ bewegt. 2008 posierten Grett und Kam­er­aden mit Hit­ler­gruß, Base­ballschläger und Macheten. Dank antifaschis­tis­ch­er Inter­ven­tio­nen ver­lor Grett eine Rei­he von Sicher­heits-Jobs, bei „Ger­man Secu­ri­ty“ wurde er aber freilich mit offe­nen Armen emp­fan­gen. Kein Einzelfall, wie sich noch zeigen wird.#

Gabor Grett bei der Höcke-Kundgebung am 9.9.2017 in Potsdam. Foto: RechercheNetzwerk Berlin

Gabor Grett bei der Höcke-Kundge­bung am 9.9.2017 in Pots­dam. Foto: Recherch­eNet­zw­erk Berlin

Gabor Grett (r.u.) mit Hit­ler­gruß, seine Kam­er­aden mit Waf­fen. Foto: arpu / Anti­farecherche Potsdam/Umland

Für die AfD in Bran­den­burg und Berlin ist „Ger­man Secu­ri­ty“ ein ver­lässlich­er und regelmäßiger Part­ner. Neben der Pots­damer Höcke-Kundge­bung wurde die Fir­ma bspw. am 7.11.2018 für eine Ver­anstal­tung mit dem Berlin­er „Flügel“-Chef und Abge­ord­neten Thorsten Weiß im „Casa Toro Negro“ in Nauen ange­heuert. In Berlin greift der Bezirksver­band Mitte von Beat­rix von Storch regelmäßig auf die Fir­ma zurück – zulet­zt wurde am 27.3.2021 ein Info­s­tand in der Müller­straße im Wed­ding von zwei „Ger­man Security“-Mitarbeitern bewacht. Auch das Bezirk­samt Span­dau wird zu den Kun­den gezählt, was auf die Zuständigkeit für Facil­i­ty Man­age­ment des AfD-Stad­trats Andreas Otti zurück­zuführen sein dürfte. Und nun die Lan­desparteitage bzw. Wahlver­samm­lun­gen in Bies­dorf: ein durchge­hen­der Ein­satz über mehrere Wochen, der nach Ein­schätzung von Beobachter*innen einen mit­tleren fün­f­stel­li­gen Betrag in die Kasse spülen dürfte. Geld, das dann wieder teil­weise für PR-Aktio­nen mit Vere­inen ver­wen­det wird, die regelmäßig auf Face­book doku­men­tiert werden.

Legale Struk­turen für mil­i­tante Neonazis

Eben­falls auf Face­book doku­men­tiert ist eine Trauer­anzeige für den „Mitar­beit­er, Fre­und und Kam­er­aden“ Mir­co Jäp­pelt, der Anfang 2021 im Alter von 56 Jahren das zeitliche seg­nete. Jäp­pelt ist Berlin­er Antifaschist*innen schon seit über 20 Jahren ein Begriff. Schon in der ersten Aus­gabe des Antifam­agazins „Fight Back“ 2001 wurde Jäp­pelt als Chef der NPD Pren­zlauer Berg / Mitte benan­nt. Ein undatiertes Foto zeigt ihn am Front­trans­par­ent auf ein­er Demon­stra­tion, die der „Blood & Honour“-Führungskader Thorsten Heise organ­isiert hat­te. Seine Schwest­er Clau­dia Jäp­pelt war eben­falls NPD-Funk­tionärin und hat­te zuvor mit der späteren Berlin­er NPD-Vizechefin Stel­la Palau den „Skingirl Fre­un­deskreis Deutsch­land“ (SFD) aufgebaut.

Trauer­anzeige von „Ger­man Secu­ri­ty“. Foto: Facebook

Mir­co Jäp­pelt (3.v.r.) am Front­trans­par­ent, Organ­isator Thorsten Heise (l.). Foto: Fight Back / antifa-berlin.info

Mir­co Jäp­pelt, der vor allem in der recht­en Hooli­gan­szene des Berlin­er Fußball Club Dynamo (BFC) organ­isiert war, unter­hielt seit den 1990ern gute Kon­tak­te in die Struk­tur der mil­i­tan­ten Neon­az­i­brud­er­schaft „Ham­mer­skins“. So besuchte er 1996 ein Konz­ert im Raum Anklam, das den Ham­mer­skins zugeschrieben wurde, und war 1998 Teil­nehmer ein­er Feier­lichkeit der Ham­mer­skins in der Nähe von Lüneb­urg. In der Nacht vom 6.3. auf den 7.3.1999  war er zudem an einem bru­tal­en Über­fall auf einen Jugend­club im ost­säch­sis­chen Gohrisch beteiligt. Ham­mer­skins aus Berlin und Sach­sen waren gemein­sam mit BFC-Hools dor­thin aufge­brochen, um eine Auseinan­der­set­zung eines ihrer Kam­er­aden mit Neon­azis von den „Skin­heads Säch­sis­che Schweiz“ (SSS) zu rächen – als diese nicht erschienen, sucht­en sie sich willkür­lich das Punkkonz­ert im Jugend­club als Angriff­sziel aus. Bei dem Angriff wur­den mehrere Jugendliche verletzt.

Zu den Kon­do­len­ten auf Face­book gehören alte Bekan­nte der Berlin­er Neon­aziszene wie Alexan­der Bahls, ehe­mals Schlagzeuger der Band „Spreegeschwad­er„, die sich in den 1990er Jahren im Milieu der Ham­mer­skins bewegte. Bahls selb­st gehörte später der Neon­azi-Gruppe „Van­dalen“ an. Let­zte Grüße gab es auch von Timo Eck­hardt. Er war ein­er enger Fre­und von Jäp­pelt, gehört bis heute zur recht­en Hooli­gan­szene Berlins. Mit Jäp­pelt und beteiligte er sich eben­falls an dem Über­fall im säch­sis­chen Gohrisch 1999. Vor weni­gen Jahren gehörte Eck­hardt zudem dem nahen Umfeld von Alexan­der Bahls und dessen Bek­lei­dungs­geschäft „Herz und Seele“ in Hellers­dorf an.

Die von „Ger­man Secu­ri­ty“ organ­isierte Trauer­feier soll am 26.6.2021 im Club­haus des „Lone’s MC“ in Dall­gow-Döberitz bei Span­dau stattfinden.

Foto: Alexan­der-Willibald Bahls. Foto: linksun­ten / antifa-berlin

Foto: Heiko For­manows­ki. Foto: Facebook

Präsi­dent des „Lone’s MC“ ist Heiko For­manows­ki, der um 2000 Mit­glied der Berlin­er Ham­mer­skins war. Zulet­zt kon­nte er auf der Jahres­feier der Neon­azi-Brud­er­schaft in 2003 in Berlin fest­gestellt wer­den, die let­ztlich durch das SEK aufgelöst wurde. Bilder der Feier zeigen ihn in einem Pullover, auf dem das Erken­nungsze­ichen der Ham­mer­skins gedruckt war: die gekreuten Häm­mer, dazu der Schriftzug „Ham­mer­skins Berlin“. For­manows­ki betreibt heute das Tat­toos­t­u­dio „Inkperi­um“ im Wes­t­end, wo er auch Naz­i­mo­tive sticht. Auch mit Timo Eck­hardt ist For­manows­ki befreundet.

Im Club­haus von For­manowskis „Lone’s MC“ fan­den in der Ver­gan­gen­heit bere­its ein­schlägige Ver­anstal­tun­gen statt. Etwa Konz­erte der recht­en Oi-Band „Bul­len­schub­ser“ aus Berlin und das kon­spir­a­tiv organ­isierte rechte Oi-Fes­ti­val „Oi! The New Old Breed“ im Juli 2019, mit Bands wie „Con­demned 84“ aus England.

Sebas­t­ian Kairies (l.), Vizepräsi­dent der „Schwarzen Schar“. Foto: Facebook

Neon­azis­tis­ches Tat­toomo­tiv, das im „Inkperi­um“ gestochen wurde. Foto: Inkperium

Eine weit­ere bemerkenswerte Bekan­ntschaft des „Ger­man Security“-Geschäftsführers Hecht tritt auf der Face­book­seite der Fir­ma nicht namentlich auf, son­dern nur unter dem pathoss­chwan­geren Mot­to „Tät­towierte gegen Krebs“ – Sebas­t­ian Kairies aus Wis­mar, Vizepräsi­dent des Out­law-MC „Schwarze Schar“, der 2014 ver­boten wurde. Die Mit­glieder der „Schwarzen Schar“ hat­ten nicht nur durchge­hend Neon­az­i­hin­ter­gründe, son­dern beg­in­gen neben Pros­ti­tu­tion und Dro­gengeschäften auch schw­er­ste Gewaltverbrechen.

Fol­gerichtige Zusammenarbeit

Per­so­n­en aus dem Ham­mer­skin-Milieu und andere Neon­azistruk­turen, mit denen „Ger­man Secu­ri­ty“ ver­ban­delt ist, sind für unzäh­lige Gewalt­tat­en bis hin zu Mor­den ver­ant­wortlich. So war der Berlin­er Ham­mer­skin Nor­man Züh­lke am Mord an Gün­ter Schwan­necke beteiligt und auch Thomas Ger­lach, langjährig aktiv­er Ham­mer­skin beim säch­sis­chen Ableger der Neon­azi-Brud­er­schaft, unter­hält Kon­tak­te in recht­ster­ror­is­tis­che Struk­turen. Er zählte zum Unter­stützungskreis des „Nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grund“ (NSU).

Die Verbindung der Berlin­er und Bran­den­burg­er AfD zu diesen Struk­turen, in denen die „Ger­man Secu­ri­ty“ einge­bet­tet ist, spricht Bände. Sie rei­ht sich ein in eine lange Liste, die bekräftigt, dass die Partei der par­la­men­tarische Arm gefes­tigter, mil­i­tan­ter und gar recht­ster­ror­is­tis­ch­er Neon­azi-Struk­turen ist und diese, am Beispiel des Sicher­heit­sun­ternehmens, finanziell unter­stützt. Diesen Arm gilt es zu brechen.

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