21. Mai 2011 · Quelle: Inforiot

Feuerlöscher-Attacke auf Nazidemo

Spremberg: Sabotageaktionen gegen NPD-Aufzug / 120 Rechte marschierten

INFORIOT Auf­grund ein­er Sab­o­tageak­tion kon­nte eine Neon­azi-Demon­stra­tion am Sam­stag in Sprem­berg (Spree-Neiße) nur mit mas­siv­er Ver­spä­tung stat­tfind­en.

Oben­drein wurde der NPD-Aufzug zu einem späteren Zeit­punkt aus einem leer ste­hen­den Haus in eine Feuer­lösch­er-Nebelschwade gehüllt.

An der recht­en Demo nah­men 120 Per­so­n­en teil. An ver­schiede­nen Protes­tak­tio­nen beteiligten sich ins­ge­samt mehrere hun­dert Men­schen.

Keine deutsche Pünk­tlichkeit

Offen­bar war ein Zug mit anreisenden Neon­azis vor der Ankun­ft gestoppt wor­den. Es hieß, es sei ein Baum­stamm auf die Gleise gelegt wor­den, der die Weit­er­fahrt ver­hin­dert hätte. Dadurch verzögerte sich der Beginn der recht­en Demon­stra­tion um über zwei Stun­den: anstatt um 12 Uhr ging es erst 14.15 Uhr vom Sprem­berg­er Bahn­hof aus los.

Die 120 Neon­azis liefen von dort einen großen Bogen vom Bahn­hof in die Innen­stadt, in ein Neubauge­bi­et und dann zurück Rich­tung Bahn­hof. Mit dem Aufzug unter dem Mot­to “Arbeit statt Abwan­derung! Gegen Glob­al­isierung und Kap­i­tal­is­mus” wollte die NPD den Start­punkt für eine “Antiab­wan­derungskam­pagne” in Sprem­berg set­zen.

Unter den Teil­nehmerIn­nen befan­den sich NPD-Aktive sowie “Kameradschafts”-AnhängerInnen, die vor allem aus der Region und aus dem restlichen Land Bran­den­burg kamen.

Het­zerische Parolen

Die NPD behauptet bei anderen Gele­gen­heit­en gerne, dass sie selb­st “demokratisch” sei. In Sprem­berg hinge­gen waren die meist­gerufe­nen Parolen offen demokratiefeindlich und pron­azis­tisch: “Wer hat uns ver­rat­en? Die Demokrat­en! Wer macht damit Schluss? Nationaler Sozial­is­mus!” wurde eben­so skandiert wie “BRD heißt Kapit­u­la­tion! Ruhm und Ehre der deutschen Nation!”

Als Red­ner­In­nen trat­en Ron­ny Zasowk (NPD-Kreis­chef Lausitz), Arne Schim­mer (NPD-Land­tagsab­ge­ord­neter in Sach­sen) und Bea Koch (Region Neu­rup­pin und Osthavel­land) auf. Als Ein­peitsch­er für die Parolen fungierte der JN-Aktivist Pierre Dorn­brach. Auf­fal­l­end viele ein­heimis­che Neon­azis tru­gen T‑Shirts mit der Auf­schrift “Nationaler Wider­stand Sprem­berg”.

Antifa set­zte auf dezen­trale Aktio­nen

Antifas aus Sprem­berg hat­ten im Vor­feld zu dezen­tralen Protes­tak­tio­nen aufgerufen. In der Innen­stadt war eine spür­bare Präsenz von Antifas vorhan­den. Und auch direkt an der Route der Neon­azis kam es immer wieder zu laut­en Protest­bekun­dun­gen.

Unternehmens-Fest am Mark­t­platz

Am Mark­t­platz in Sprem­berg fand der­weil ein “Tag des offe­nen Unternehmens” statt, der ein Zeichen “gegen Extrem­is­mus” set­zen sollte. Bis auf wenige Plakate wurde dieses Anliegen jedoch kaum ver­mit­telt.

Essen­stände boten Imbisse an, ver­schiedene Fir­men präsen­tierten ihre Tätigkeit und dazu gab es ein Kul­tur­pro­gramm von Volksmusik bis Spiel­mannszug. Auf dem “Tag des offe­nen Unternehmens” hiel­ten sich — bei ein­er gewis­sen Fluk­tu­a­tion — meist rund 70 Per­so­n­en auf.

Umzug von “Laut:Stark”

Eine Ini­tia­tive mit dem Namen “Laut:Stark gegen Nazis” hat­te indes zu einem Umzug durch Sprem­berg aufgerufen. Mit einem Zeitab­stand von ein­er hal­ben Stunde wurde zu den Klän­gen von Pop­musik auf der Neon­aziroute den Recht­en hin­ter­herge­laufen.

Die Ver­anstal­terIn­nen woll­ten “die gesellschaftliche Mitte” ansprechen und gegen Nazis, aber vor allem gegen “Extrem­is­mus und Gewalt, egal woher” demon­stri­eren: “Wo keine Nazis sind, sind auch keine Link­sex­tremen”. Ein Haup­tar­gu­ment gegen die NPD-Demo: “zahlre­iche aus­ländis­che Inve­storen und Unternehmer” seien “Garant und Rück­grat unser­er regionalen Arbeit­splätze”.

Anstatt der erhofften zwei bis dre­itausend Per­so­n­en nah­men am Umzug von “Laut:Stark” nur rund 150 Men­schen teil, die neben den bei­den Laut­sprech­er-LKWs zeitweise etwas ver­loren wirk­ten.

Somit waren die Protes­tak­tio­nen aus sehr unter­schiedlichen Motiv­en ges­tartet und voneinan­der ent­fer­nt durchge­führt wor­den. Ins­ge­samt kamen sicher­lich den­noch mehrere hun­dert Per­so­n­en zusam­men — die Neon­azis blieben in der Unterzahl.

Großes Polizeiaufge­bot

Die Polizei war mit einem per­so­n­en­starken Aufge­bot in Sprem­berg präsent und es standen zwei Räumpanz­er bere­it. Zu wievie­len Fes­t­nah­men oder Inge­wahrsam­nah­men es gekom­men ist, ist derzeit unbekan­nt. Laut ein­er Mel­dung der Lausitzer Rund­schau wur­den 17 Per­so­n­en nach einem Flaschen­wurf in der Innen­stadt in Gewahrsam genom­men. Über weit­ere mögliche Zwis­chen­fälle nach dem Demon­stra­tionsende ist derzeit nichts bekan­nt.

In Sprem­berg und der umliegen­den Region hat­te es in den ver­gan­genen Monat­en immer wieder, oft auch mas­sive Nazige­walt gegeben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

Um den Men­schen­fein­den etwas ent­ge­genset­zen zu kön­nen, gilt es, sich zu ver­net­zen, schon beste­hende Bünd­nisse zu stärken und neue zu knüpfen, ger­ade für die Zeit nach der Land­tagswahl. Die Mark­t­platzkonz­erte von Wan­nWennNicht­Jet­zt sind dafür ein Ort.
Leipzig/Cottbus — Am heuti­gen Mor­gen, des 20.Februar 2019, haben wir in Form ein­er Kle­in­grup­pen-Aktion einen Bag­ger im Mit­teldeutschen Braunkohle Revi­er beset­zt
Vor 20 Jahren starb der 28-jährige Farid Guen­doul als Opfer ein­er ras­sis­tis­chen Het­z­jagd. In Guben wird am kom­menden Sam­stag, dem 16. Feb­ru­ar, um 10 Uhr, im Rah­men ein­er Gedenkver­anstal­tung an den jun­gen Algerier erin­nert.

Opferperspektive

Termine für Potsdam

NSUwatch Brandenburg

Termine für Berlin

Netzwerk Selbsthilfe

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot