16. Mai 2015 · Quelle: Presseservice

Nauen: Proteste gegen erneuten Aufmarsch von Neonazis und Rassist_innen

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Unge­fähr 70 Men­schen haben am gestri­gen frühen Abend gegen einen erneuten Auf­marsch von Neon­azis und Rassist_innen protestiert. Schw­er­punk­te der Proteste war erneut der Platz vor dem Rathaus. Dort fand eine angemeldete Kundge­bung statt an der sich u.a. auch der Bürg­er­meis­ter von Nauen, der Vor­sitzende der Stadtverord­neten­ver­samm­lung sowie Abge­ord­nete und Vertreter_innen von vie­len Parteien und Ini­tia­tiv­en beteiligten. Den in Hör- und Sichtweite vor­beiziehen­den Neon­azis wur­den Schilder mit Auf­schriften wie „Refuges are wel­come here“ oder „Flucht ist kein Ver­brechen“ ent­ge­genge­hal­ten und die Marschier­er aus­gep­fif­f­en. Zu nen­nenswerten Zwis­chen­fällen kam es nicht. Die Polizei war mit unge­fähr 200 Beamt_innen im Ein­satz.
70 bei Rassist_innenaufmarsch
Die Neon­azis und Rassist_innen hat­ten sich gegen 19.00 Uhr am Nauen­er Bahn­hof ver­sam­melt. Ins­ge­samt nah­men ca. 70 Per­so­n­en an dieser Ver­anstal­tung teil. Unge­fähr 50 Per­so­n­en sind als Sympathisant_innen und Funk­tionäre von NPD, den „Freien Kräfte Neuruppin/Osthavelland“ und „Freien Kräfte Prig­nitz“ bekan­nt. Ein Großteil dieser Per­so­n­en war aus den Land­kreisen Ost­prig­nitz-Rup­pin, Prig­nitz und Ober­havel­sowie dem sach­sen-anhal­tinis­chen Land­kreis Sten­dal zugereist. Der Rest stammte aus dem Land­kreis Hav­el, ins­beson­dere aus Nauen und Ketzin/Havel. Vom Bahn­hof zog der Auf­marsch unter dem Mot­to: „Nauen schlägt zurück! Aus­län­derge­walt stop­pen!“ durch das gesamte Stadt­ge­bi­et. Ein NPD Funk­tionär aus Neu­rup­pin und ein autonomer Nation­al­ist aus Ketzin/Havel verkün­de­ten dabei via Mikro- oder Mega­fon, dass das Nauen kein Asyl­heim wolle. Bei ein­er Zwis­chenkundge­bung kamen weit­ere Neon­azis zu Wort. Sowohl Pierre Bod­din, als auch Mar­vin Koch, bei­de von den „Freien Kräften Neuruppin/Osthavelland“, sprachen sich gegen ver­meintlich „krim­inelle Aus­län­der“ und „Aus­län­derge­walt“ aus. Koch sprach dies­bezüglich auch davon, dass die Devise kün­ftig: „Auge um Auge und Zahn um Zahn“ laut­en werde. Eine dur­chaus ernst zunehmende Dro­hung. Koch wurde erst vor weni­gen Tagen vom Amts­gericht Pase­walk (Meck­len­burg-Vor­pom­mern) wegen Land­friedens­bruch­es zu ein­er Frei­heitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er soll im Herb­st 2013 unge­fähr 100 Neon­azis dazu anges­tiftet haben Polizeiket­ten zu durch­brechen und die Beamt_innen mit Flaschen und Steinen zu bew­er­fen.
Kneipen­schlägerei als Anlass
Hin­ter­grund des gestri­gen Auf­marsches soll übri­gens eine Schlägerei am 3. Mai 2015, gegen 00.30 Uhr, in einem berüchtigten Trinker_innentreff in der Nauen­er Garten­straße gewe­sen sein. Nach Infor­ma­tio­nen ein­er neon­azis­tis­chen Mobil­isierungs­seite für eine Großver­anstal­tung in Neu­rup­pin soll es in der Lokalität zunächst zu ein­er ver­balen Auseinan­der­set­zung gekom­men sein. Zwei Män­ner sollen dann eine Frau, die sich übri­gens gestern auch unter den Marschier­ern befand, nach draußen gez­er­rt und anschließend ver­prügelt haben. Bei den Tätern soll es sich, laut Anschuldigun­gen der Neon­azis, um „polizeibekan­nte Aus­län­der“ gehan­delt haben. Die Polizei bestätigte zwar in ein­er Pressemit­teilung vom 4. Mai 2015 die gewalt­tätige Auseinan­der­set­zung vor der Lokalität, stellte jedoch als mut­maßliche Schläger lediglich zwei angetrunk­ene „Havel­län­der“, 20 und 23, fest. Warum die Neon­azis in ihrer Schilderung von „Aus­län­dern“ sprechen ist bish­er unklar. Möglicher­weise ist Ras­sis­mus hier­für der Hin­ter­grund. Der Fall scheint jeden­falls ein willkommen­er Anlass zu sein, um den Protest gegen den geplanten Bau ein­er Gemein­schaft­sun­terkun­ft für Asyl­suchende noch ein­mal zu forcieren. Auch die Rolle der Frau, als mut­maßliche Betrof­fene der Gewalt­tat ist bish­er noch nicht abschließend gek­lärt. Sie soll mit Nauens Neon­aziszene sym­pa­thisieren und beteiligte sich bere­its vor dem Über­griff an mehreren Ver­samm­lun­gen mit ras­sis­tis­chen und geschicht­sre­vi­sion­is­tis­chen Inhal­ten im Ort. Während eines Auf­marsches im April trug die Frau beispiel­sweise auch ein Klei­dungsstück mit der Auf­schrift: „Asyl­be­trüger sind nicht willkom­men“. Auf ihrem öffentlich ein­se­hbaren Social­me­dia-Pro­fil befind­en sich zudem zahlre­iche Beken­nt­nisse zu neon­azis­tis­chen Parteien und Vere­ini­gun­gen sowie ver­her­rlichende Bild­nisse oder Sym­bole des Nation­al­sozial­is­mus.
Fotos: hier
 

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