10. Februar 2016 · Quelle: Presseservice

Rathenow: Hass-Versammlung verliert weitere Sympathisant_innen

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Die per­son­elle Tal­fahrt des recht­sof­fe­nen „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“ hat sich auch am heuti­gen Ver­anstal­tungstag fort­ge­set­zt. Nah­men vor zwei Wochen unge­fähr 400 Per­so­n­en an der Bündler-Ver­samm­lung teil, waren es heute max­i­mal noch 300. Vor vier Wochen waren es noch 550. An ein­er Ver­anstal­tung des zivilge­sellschaftlichen Aktions­bünd­niss­es „Rathenow zeigt Flagge“, die sich gegen Frem­den­hass aussprach, beteiligten unge­fähr 100 Men­schen.
Zivilge­sellschaft: Feuer­tonne etabliert sich
Auch wenn die Ver­samm­lun­gen der Rathenow­er Zivilge­sellschaft auf dem August-Bebel-Platz nach wie vor deut­lich weniger Men­schen fre­quen­tieren als die des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“, hat sich dort doch ein klein­er, entschlossen­er Kern von Men­schen gebildet, der fest entschlossen scheint auch weit­er­hin für „Tol­er­anz, Men­schlichkeit und Näch­sten­liebe“ zu wer­ben. Sym­bol­isch dafür ste­ht u.a. die wär­mende Feuer­tonne, die statt plat­ter Het­ze zu gemütlichen Gesprächen ein­lud. Den­noch wurde aber auch heut nicht davor zurück­gescheut, mit Plakat­en und Trans­par­enten etwas deut­lich­er gegen Frem­den­hass zu protestieren. Eine direk­te, ver­bale Kon­fronta­tion mit Sympathisant_innen des „Bürg­er­bünd­nis Havel­land“ gab es jedoch nicht, da deren Aufzug weitab vom Bebelplatz, durch die Alt­stadt zog.
Vor­getäuschter Cyberan­griff auf Bürg­er­bünd­nis
Für Heit­erkeit sorgte hinge­gen bere­its am Nach­mit­tag ein schein­bar­er „Cyberan­griff“ auf zwei ver­meintliche Inter­net­do­mains des „Bürg­er­bünd­niss­es Deutsch­land“. Die anonym han­del­nden „Fre­unde der toten Kinder“ hat­ten sich um die Mit­tagszeit via Email dazu bekan­nt. Dem­nach seien die „Inter­net-Domains
bürgerbündnis-deutschland.de undbuergerbuendnisdeutschland.de […] dauer­haft auf die Web­seite der Tageszeitung Neues Deutsch­land ver­linkt“ wor­den. In dem „Beken­ner­schreiben“ heißt es als Recht­fer­ti­gung, dass der „anmaßende Name“ [Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land] den „recht­en Has­spredi­gern nicht wider­stand­s­los“ über­lassen werde. „Das wirk­liche deutsche Volk“habe nämlich„Herz und Ver­stand“ und sei „angesichts der human­itären Katas­tro­phe an Europas Außen­gren­zen für rechte Het­ze nicht zu haben“, so die „Fre­unde der toten Kinder“. Einen tat­säch­lichen Hack­eran­griff auf das „Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land“ hat es allerd­ings nie gegeben. Die von den „Fre­un­den der toten Kinder“ benan­nten Domain­swur­den­bere­its am 1. Feb­ru­ar 2016 von der Tageszeitung „Neues Deutsch­land“ ord­nungs­gemäß angemeldet. Die Adressen sehen­der Orig­i­nal-URL lediglich in der Schreib­weise zum Ver­wech­seln ähn­lich. Auch das „Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land“ hat inzwis­chen in einem sozialen Inter­net­net­zw­erk bestrit­ten, Opfer eines „Cyberan­griffs“ gewor­den zu sein. Den­noch scheint die Spaßgueril­la-Aktion der „Fre­unde der toten Kinder“ seine Wirkung nicht ver­fehlt zu haben. Das „Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land“, das bish­er mit Hys­terie und Desin­for­ma­tion für Unruhe in Rathenow und Umge­bung sorgte, war nun erst­mals sel­ber in die Defen­sive und damit unter Recht­fer­ti­gungs­druck ger­at­en.
Bürg­er­bünd­nis: Weniger Bürger_innen, mehr Hass
Das „Bürg­er­bünd­nis Deutsch­land“ scheint momen­tan ohne­hin geschwächt. Zwis­chen dessen Betreiber Nico Tews und dem Anführer des „Bürg­er­bünd­niss­es Havel­land“, Chris­t­ian Kaiser, soll es näm­lich zum Bruch gekom­men sein. Tat­säch­lich fehlte heute sowohl Tews als auch dessen Büh­nenkon­struk­tion. Stattdessen hat­te Kaiser ein neues Podi­um organ­isiert und maßge­blich durch die heutige Ver­anstal­tung geführt. Qual­i­ta­tiv blieb er allerd­ings unter dem ohne­hin schon niedri­gen Niveau. Seine Rede­beiträge wirk­ten dies­mal sog­ar noch plumper und unüber­legter als die von ver­gan­genen Ver­anstal­tun­gen. So stimmte er wieder Het­zti­raden gegen Flüchtlinge und Medi­en an und warb zudem offen für die extrem recht­en Zeitschriften „Com­pact“ und „Junge Frei­heit“. Der an den Anfang seines Rede­beitrages vor­ge­tra­gene Vor­satz wieder bürg­er­lich­er zu wer­den, um wieder mehr Bürger_innen zu ziehen, war damit schon kurze Zeit später obso­let. Auch der nächst Red­ner, ein Dr. Erler, machte aus seinen Sym­pa­thien zu recht­en Kreisen keinen Hehl. „Er wolle hier keine Wer­bung für die AfD machen“, so Erler, aber Frauke Petry, Björn Höcke und Alexan­der Gauland wür­den ihm schon sehr gut gefall­en. Auch die anderen bei­den Red­ner Ralf Maasch und Mar­tin Knaak aus Sten­dal sucht­en auch eher die Nähe zu recht­en und recht­sange­haucht­en, ver­schwörungs­the­o­retis­chen The­sen. Dem Bündler-Anhang kon­nte dies indes nur recht sein. Nicht weil jet­zt unbe­d­ingt mehr Rechte kom­men, son­dern weil sich die bürg­er­lichen Rei­hen immer weit­er licht­en. Gle­ich­bleibend hoch bleibt hinge­gen der Anteil bekan­nter Neon­azis aus Rathenow, Prem­nitz, Nauen, Ketzin/Havel, Pots­dam und Havel­berg sowie Abor­d­nun­gen recht­sof­fen­er, PEGI­DA-ähn­lich­er Ini­tia­tiv­en wie die „Bürg­er­be­we­gung Alt­mark“ oder „PO-GI-DA“.
Fotos: hier
 

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