9. Mai 2006 · Quelle: Junge Welt

Stasiopfer des Tages: Jörg Schönbohm

»Stoppt das Treiben der Stasi-Kad­er« titelte die Frank­furter All­ge­meine Son­ntagszeitung. Da hat Bran­den­burg nicht lange gefack­elt und den ersten Schritt gemacht. Es traf Hans Rent­meis­ter, den Gen­er­alsekretär des Inter­na­tionalen Sach­sen­hausen-Komi­tees. Der war nicht unbe­d­ingt Kad­er der Staatssicher­heit der DDR (MfS), aber er hat dort gear­beit­et. Erst in der Kreis­di­en­st­stelle Berlin-Licht­en­berg, später als Jurist an der Hochschule des MfS in Pots­dam und dann bis zur Auflö­sung in der Zentrale. 

Die aus­lösende Mel­dung im Spiegel kann nur als Retourkutsche für Rent­meis­ters Auftritt bei ein­er Gedenkver­anstal­tung im KZ Sach­sen­hausen ver­standen wer­den. Dort hat­te der Antifaschist Bran­den­burgs Innen­min­is­ter Jörg Schön­bohm öffentlich zurecht­gewiesen. Der wollte am Ort des faschis­tis­chen Ter­rors partout und »aus­drück­lich« jenen gedenken, die dort nach 1945 von der sow­jetis­chen Armee als Kriegsver­brech­er interniert waren. Rent­meis­ter nan­nte das Gedenken an die »Mörder, Peiniger und Quäler unser­er Kam­er­aden« zuviel verlangt. 

Während selb­st in der SPD-Land­tags­frak­tion Rück­tritts­forderun­gen gegen Schön­bohm aufka­men, tat sich die die Stiftung Bran­den­bur­gis­che Gedenkstät­ten schw­er mit der Kri­tik. Anders im Fall Rent­meis­ter. Am Sam­stag kündigte sie per Fax die Zusam­me­nar­beit mit dem Antifaschis­ten, dessen Vater im KZ Sach­sen­hausen saß, auf. Die Mit­teilung über seine Arbeit für das MfS war ihnen zuviel. Prompt set­zte das antikom­mu­nis­tis­che Trom­melfeuer nach: Der Leit­er der Gedenkstätte Hohen­schön­hausen in Berlin, Huber­tus Knabe, fand, Rent­meis­ter habe sich dis­qual­i­fiziert, weit­er für die Häftlinge des KZ Sach­sen­hausen zu sprechen. Die bran­den­bur­gis­che CDU-Bun­destagsab­ge­ord­nete Kathe­ri­na Reiche ver­stieg sich zu dem Satz: »Jeden Demokrat­en macht es fas­sungs­los, das Ver­mächt­nis der NS-Opfer in solchen Hän­den zu sehen.« Und CDU-Frak­tion­schef Thomas Lunacek meinte, für die Opfer der Konzen­tra­tionslager müsse es unerträglich sein, von einem früheren Stasi-Mitar­beit­er repräsen­tiert zu wer­den. Wirk­lich unerträglich ist hinge­gen, daß sich Knabe, Lunacek, Reiche & Co anmaßen, im Namen ehe­ma­liger Häftlinge zu sprechen, und Jörg Schön­bohm als spätes Opfer der Stasi in Schutz genom­men wird. 

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