4. Mai 2005 · Quelle: Tagesspiegel / MAZ

Verwechslung — Polizei nahm Brandenburger Kollegen fest

(Tagesspiegel) So pein­lich ist ein Polizeiein­satz sel­ten: Gestern Mit­tag raste ein
Spezialein­satzkom­man­do (SEK) nach Licht­en­berg. Anrufer hat­ten Alarm
geschla­gen, nach­dem sie schwarz ver­mummte Per­so­n­en mit Gewehren auf dem
Dach des Kraftwerks Klin­gen­berg und auf dem Bahn­hof Rum­mels­burg
beobachtet hat­ten. Doch es waren nur Kol­le­gen des Bran­den­burg­er SEK, die
dort übten. Die “Übung” wurde been­det. “Wir waren nicht informiert”,
hieß es bei der Berlin­er Polizei. Unter der Hand wur­den schwere Vor­würfe
gegen die Bran­den­burg­er erhoben. Glück­licher­weise sei nichts passiert.

Die Berlin­er Polizei war von ein­er realen — möglicher­weise
ter­ror­is­tis­chen — Bedro­hung aus­ge­gan­gen. Nach dem Hin­weis eines Bürg­ers
unter dem Notruf 110 waren Funkstreifen zum Ort gefahren, die den
Hin­weis bestätigten: Ver­mummte mit so genan­nten Lang­waf­fen mit
Zielfer­n­rohren — also Waf­fen von Schw­erkrim­inellen, Auf­tragskillern und
Ter­ror­is­ten. Da keine Übun­gen angemeldet waren, begann ein großer
Polizeiein­satz. Die Umge­bung wurde abges­per­rt, neben dem Berlin­er SEK
wurde auch das Präzi­sion­ss­chützenkom­man­do alarmiert. Mit ihren
Spezial­gewehren tre­f­fen diese Beamten ihre Ziele aus großer Ent­fer­nung.
Auch der für Bah­nan­la­gen zuständi­ge Bun­des­gren­zschutz erfuhr von der
Übung erst, nach­dem sich ver­schreck­te Fahrgäste auch dort gemeldet hat­ten.

Mehrere durch Schutzschilde gesicherte SEK-Teams stürmten gegen 11.30
Uhr das Bah­n­gelände. Nach laut­en Rufen “Halt Polizei” ließen die
Bran­den­burg­er die Waf­fen sinken. Die Beamten wur­den über­rumpelt und
fest­ge­set­zt. Die Fes­t­nahme währte nur kurz — bis die Bran­den­burg­er ihre
Dien­stausweise aus den Taschen geholt hat­ten.

Schön­bohms Polizei in Berlin ent­waffnet

Über­raschen­des Ende ein­er Geiselübung

(MAZ) EBERSWALDE/BERLIN Polizis­ten ein­er Bran­den­burg­er Spezialein­heit sind bei
ein­er Geiselübung in Berlin gestern von einem Großaufge­bot der Berlin­er
Polizei über­wältigt und ent­waffnet wor­den. Der Sprech­er des
bran­den­bur­gis­chen Lan­deskrim­i­nalamtes (LKA), Toralf Rein­hardt, bestätigte
den Vor­fall, der sich kurz nach elf Uhr auf dem Betrieb­s­bahn­hof Rum­mels­burg
ereignet hat­te. Einen ver­gle­ich­baren Vor­gang gab es bish­er nicht. Laut
Rein­hardt führte ein “bedauer­lich­es Verse­hen des LKA Bran­den­burg” zu dem
Zwis­chen­fall. Die seit Jahren übliche und prak­tizierte Unter­rich­tung der
zuständi­gen Polizeibehör­den sei dieses Mal unterblieben. Es seien bere­its
Vorkehrun­gen getrof­fen wor­den, um ein solch­es “Verse­hen zu ver­mei­den” und
sich bei Berlin zu entschuldigen.

Nach Infor­ma­tio­nen aus Sicher­heit­skreisen hat­ten etwa zehn mit Gewehren -
aber ohne Muni­tion — aus­gerüstete Bran­den­burg­er SEK-Beamte, die äußer­lich
nicht als Polizis­ten erkennbar waren, gegen 10.30 Uhr mit der Übung ein­er
Geisel­nahme begonnen. Per Notruf alarmierte daraufhin ein mis­strauis­ch­er
Pas­sant die Berlin­er Polizei.

Um 11.15 Uhr wur­den das Train­ing jäh unter­brochen. “Halt, Polizei! Leg­en sie
die Waf­fen nieder!” dro­hte es aus dem Megaphon. 130 Berlin­er Beamte, die vom
Ern­st­fall aus­gin­gen, ent­waffneten in vier Minuten ihre Bran­den­burg­er
Kol­le­gen und nah­men sie kurzzeit­ig fest. Bis der Vor­fall dann auf Chefebene
gek­lärt wurde, verg­ing allerd­ings noch eine weit­ere Stunde.

Eine Gefahr für Polizis­ten oder Pas­san­ten soll dem Vernehmen nach bei dem
Vor­fall nicht bestanden haben.

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