11. November 2004 · Quelle: Junge Welt / ND

Wieder »Heldengedenken« in Halbe?

(Junge Welt, Andreas Sieg­mund-Schultze) Die Märsche von Alt- und Neon­azis im bran­den­bur­gis­chen Halbe kön­nten ähn­lich den Heß-Gedenkmärschen im bay­erischen Wun­siedel alljährliche braune Tra­di­tion erlan­gen. Anfang der 90er wurde der größte deutsche Sol­daten­fried­hof in Halbe zum Wall­fahrt­sort für alte und neue Nazis. Höhep­unk­te waren die Aufmärsche anläßlich des soge­nan­nten Volk­strauertages 1990 und 1991 mit mehreren tausend Teil­nehmern. In den darauf­fol­gen­den Jahren wur­den die Aufmärsche ver­boten. Im ver­gan­genen Jahr allerd­ings durften die Neo­faschis­ten ihren Marsch mit 700 Teil­nehmern am Tag vor dem Volk­strauertag wieder durch­führen. Für das geplante »Heldenge­denken« am kom­menden Sam­stag hat die Polizei ein Ver­bot beantragt. Ein Sprech­er des »Antifa-Bünd­nis gegen das nation­al­sozial­is­tis­che Heldenge­denken« äußerte gegenüber jW allerd­ings die Befürch­tung, daß Gerichte das Ver­bot noch aufheben wer­den.

Dafür spricht auch, daß die Vor­bere­itun­gen der Polizei auf Hoch­touren laufen. Dieses Jahr werde man »die bei­den Lager« mit mehr als 1200 Beamten auseinan­der­hal­ten, so die Press­es­telle der Polizei in Frankfurt/Oder auf jW-Anfrage. Die Polizei rech­net mit 600 bis 800 Neon­azis und 2 500 Gegen­demon­stran­ten. Die Strate­gie der Polizei ist klar: sollte es zum Auf­marsch kom­men, sollen die Recht­en marschieren dür­fen, Antifaschis­ten hinge­gen sollen sich mit Kundge­bun­gen auf dem Bahn­hofsvor­platz von Halbe zufriedengeben.

Nach jW-Infor­ma­tio­nen klagt das »Bünd­nis gegen das nation­al­sozial­is­tis­che Heldenge­denken« gegen diese Polizeiver­fü­gung, da es selb­st eine Demon­stra­tion durch Halbe durch­führen will. Zwei Kundge­bun­gen von PDS-Kreisver­bän­den wird es nach dem Willen der Polizei nur auf dem Bahn­hofsvor­platz (11 Uhr) geben, was die Ver­anstal­ter akzep­tierten.

Antifaschis­tis­che Ini­tia­tiv­en wollen am Sam­stag neben der erhofften Ver­hin­derung der Neon­azipro­voka­tion auch eigene Akzente set­zen. Sie wollen der Zwangsar­bei­t­erin­nen und Zwangsar­beit­er, Deser­teure der Wehrma­cht und der gefal­l­enen Sol­dat­en der Roten Armee gedenken, die eben­falls auf dem Fried­hof in Halbe beerdigt sind. Während allerd­ings der DVU das Able­gen eines Kranzes auf dem Vor­platz des Fried­hofs vom zuständi­gen Ord­nungsamt genehmigt wurde, darf eine Gedenkkundge­bung der Ver­fol­gtenor­gan­i­sa­tion VVN/BdA dort nicht stat­tfind­en. Nach Infor­ma­tio­nen des Berlin­er VVN/B­dA-Lan­desvor­sitzen­den Ron­ny Ziller werde man Kränze für Ver­fol­gte sowie Zwangsar­bei­t­erin­nen und Zwangsar­beit­er aber nicht neben Gebinde leg­en, die Naziver­brech­er ehren.

Bere­its im August hat sich eine Ini­tia­tive gegrün­det, die bis zum 60. Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 2005 ein Denkmal für Deser­teure der Wehrma­cht in Halbe erricht­en will.

Infos: www.redhalbe.de.vu

Antifa fährt auf jeden Fall nach Halbe


Polizei beantragte Ver­bot von Neon­azi-Auf­marsch / Gerichtliche Entschei­dung ste­ht noch aus

(Neues Deutsch­land, Hannes Heine) Bran­den­burg. Der »Fre­un­deskreis Halbe« bit­tet aus­drück­lich darum, »Restalko­hol zu ver­mei­den«. Außer­dem sollen rechtzeit­ig »Pflichtlieder« bekan­nt gemacht wer­den. Dabei han­delt es sich um interne Anweisun­gen unter Recht­sradikalen. Diese wollen am Woch­enende zu einem so genan­nten »Heldenge­denken« in Halbe auf­marschieren.

Der Sol­daten­fried­hof in dem 2500 Ein­wohn­er zäh­len­den Ort ist der größte Deutsch­lands. Bei Halbe tobte die let­zte große Kesselschlacht des Zweit­en Weltkriegs. Ein Großteil der 23000 sterblichen Über­reste auf dem Zen­tral­fried­hof von Halbe stammt von Wehrma­cht­sange­höri­gen und Waf­fen-SS-Leuten. Doch unter den
Toten befind­en sich auch Deser­teure und sow­jetis­che Zwangsar­beit­er.

»Bis zu 800 rechte Teil­nehmer« erwartet Peter Sal­en­der vom zuständi­gen Polizeiprä­sid­i­um Frankfurt/Oder. Bei Gegenkundge­bun­gen rech­net Sal­en­der mit etwa 2500 Demon­stran­ten. Ein antifaschis­tis­ches Bünd­nis und die PDS dür­fen in einiger Ent­fer­nung und unter stren­gen Aufla­gen ab 12 Uhr protestieren. »Während Faschis­ten aus ganz Deutsch­land des Naziregimes gedenken, wird Antifaschis­ten ger­ade noch der Bahn­hofsvor­platz zuge­s­tanden«, beschw­ert sich Markus Roth vom Antifa-Bünd­nis. Bis jet­zt ist der Nazi-Auf­marsch nicht ver­boten.

Das Polizeiprä­sid­i­um hat zwar ein Ver­bot beantragt. Gerichtliche Entschei­dun­gen darüber ste­hen aber noch aus. Egal, wie die Richter urteilen: Die Antifas wollen am Sonnabend in Halbe sein. »In jedem Fall wer­den wir Präsens zeigen«, kündigt Roth an.

Schon 2003 kon­nten sich erst­mals nach langer Zeit wieder 600 Recht­sex­treme unter­schiedlich­er Couleur in Halbe ver­sam­meln. Seit 1991 sind dort Kundge­bun­gen am Volk­strauertag ver­boten wor­den. Die Neon­azis um den Ham­burg­er Chris­t­ian Worch haben aus den Ver­boten gel­ernt und weichen wie 2003 wieder auf den Ter­min vor dem Volk­strauertag aus. Uni­formierun­gen und ver­fas­sungs­feindliche Sym­bole in den eige­nen Rei­hen wollen die Ver­anstal­ter aus tak­tis­chen Grün­den selb­st unterbinden.

Ein erneutes Ver­bot der Ver­anstal­tung fordern vor allem Opfer­ver­bände. Im August wandten sich zahlre­iche Wider­stand­skämpfer und NS-Opfer gegen die faschis­tis­che Wall­fahrt. Für die 57 Wehrma­chts­de­ser­teure, die eben­falls in Halbe liegen, forderten sie ein Denkmal (ND berichtete).

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