12. Juli 2004 · Quelle: Venceremos

100 gegen Wochatz

(pol­di-on-tour auf Indy­media) Heute demon­stri­erten 100 AntifaschistIn­nen in Sprem­berg, um auf den neuer­lichen Skan­dal des dort ansäs­si­gen CDU-Rech­saussen Egon Wochatz aufmerk­sam zu machen. Wieder ein­mal hat­te Wochatz das jährliche Tre­f­fen ehe­ma­liger Sol­dat­en der Waf­fen-SS-Divi­sion “Frunds­berg” mit Jung­nazis besucht — während in Frankre­ich der D‑Day gefeiert wurde. Die örtliche Bevölkerung ist solcher­lei Aktiv­itäten von Wochatz nicht nur gewöh­nt, son­dern teilt auch dessen Geschichts­bild, welch­es die Ver­brechen der Deutschen im Nation­al­sozial­is­mus beschönigt.

Das Bran­den­burg­er “Bünd­nis gegen Geschicht­sre­vi­sion­is­mus” hat­te anlässlich des neuer­lichen Out­ings des Ex-Bürg­er­meis­ters Egon Wochatz kurzfristig zu ein­er Demon­stra­tion aufgerufen.

So erwartete die ver­schlafene Kle­in­stadt mit ihren in den Cafes ver­sam­melten Bürg­erIn­nen die angekündigte “les­son in his­to­ry” an diesem son­ni­gen Son­ntag-Nach­mit­tag. Gegen 15 Uhr ver­sam­melten sich äußerst unangepasst wirk­ende Leute auf dem Mark­t­platz und entroll­ten Trans­par­ente. In Bezug­nahme auf den von Wochatz geplanten Gedenkstein mit dem SS-Mot­to “Unsere Ehre heißt Treue” hiess es auf einem Trans­par­ent “Eure Ehre heisst Treue, unsere Antwort heisst Dres­den” — ein Zitat des US-Gen­er­als Pat­ton.

In einem Rede­beitrag wurde auf das ver­quere Geschichts­bild der Bürg­erIn­nen einge­gan­gen, während diese sich das kom­men­tar­los anhörten, anscheinend völ­lig über­rumpelt vom Anblick des bun­ten Treibens am son­st so öden Son­ntag-Nach­mit­tag. Von Leg­en­den war die Rede, mit denen sich die Bevölkerung den Nation­al­sozial­is­mus schönre­det: Die SS-Divi­sion “Frunds­berg” habe ihnen damals die Ret­tung vor der Kapit­u­la­tion ver­sprochen und daher bis in die let­zten Kriegstage hinein enorm ver­lus­tre­ich gegen die Rote Armee gekämpft. Was ander­norts Luftkriegsle­gen­den sind, die die Deutschen von Tätern zu Opfern machen; hier ist es die “helden­hafte” Waf­fen-SS-Divi­sion. Was ein Skan­dal daran sein soll, wenn Wochatz der SS einen Gedenkstein set­zen will, ver­ste­ht hier nie­mand.

Laut­stark und mit cool­er Musik set­zt sich nun eine Demon­stra­tion in Bewe­gung. “Geschicht­sre­vi­sion­is­ten, CDU — Sprem­berg Kack­nest, we hate you!”. Für die inter­essierten Rent­ner an der Demostrecke hiess es “Stal­in­grad war wun­der­bar, Naziopa blieb gle­ich da!”. Fröh­lich, ein wenig krachend und knal­lend und hin und wieder von der Route abwe­ichend lief die Demo ein Mal durch die Innen­stadt.
Die Zwis­chenkundge­bung fand wieder an einem Cafe statt und brav hörten sich die Bürg­erIn­nen ihre “les­son” an. Dies­mal ging es um die CDU, welche so eini­gen Nazis ein demokratis­ches Podi­um bietet. Die ver­meintliche Auf­gabe der CDU, Rech­saussen bis Nazi-Strö­mungen zu inte­gri­eren, kann trotz der hohen Wahlergeb­nisse für Nazi­parteien bei den säch­sis­chen Kom­mu­nal­wahlen, als über­erfüllt gel­ten. Dies wurde mit zahlre­ichen fin­steren Zitat­en aus der säch­sis­chen CDU gezeigt.

Zurück am Mark­t­platz löste sich die Demo nach einigem Hin und Her auf, nicht ohne zu rufen “Wir kom­men wieder, keine Frage!” und die Angereis­ten ver­liessen fro­hen Mutes das scheus­sliche Kack­nest.

venceremos.antifa.net

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