19. Mai 2013 · Quelle: Inforiot

1000 bei Protest gegen Neonazi-Konzert in Finowfurt

Erfolgreicher Tag für Antifaschist_innen im Barnim: Verkehrsbehinderungen durch Blockade / Rechtsrock-Event vorzeitig von Polizei aufgelöst / Auch kein Platz für NPD-Kundgebungen in Bernau und Wandlitz

INFORIOT — Der 18. Mai war ein gelun­gener Tag für Antifaschist_innen im Barn­im. An drei Orten protestierten ins­ge­samt über 1000 Men­schen gegen neon­azis­tis­che Ver­anstal­tun­gen und nah­men so den Neon­azis die Bühne.

Etwa 70 Anwohner_innen stell­ten sich gegen eine Kundge­bung der NPD “gegen Asylmiss­brauch” in Bernau. In Wan­dlitz waren es 150 Men­schen, die ver­hin­derten, dass die NPD vor dem Flüchtlingswohn­heim Gehör fand. Gegen ein Neon­azikonz­ert in Finow­furt protestierten bis zu 1000 Men­schen. Die Anfahrtswege wur­den zum Teil block­iert. Das Recht­srock-Konz­ert wurde am Abend durch die Polizei aufgelöst.

Bernau — Kundge­bung­sort block­iert, laut­stark­er Protest

Kurzfristig hat­te die NPD für den Sam­stag­mor­gen drei Kundge­bun­gen im Kreis Barn­im angemeldet. Bei der ersten, am Ein­wohn­er­meldeamt in Bernau, wur­den die NPD-Aktivist_in­nen von 70 Men­schen laut­stark aus­ge­buht. Der Kundge­bung­sort der NPD war zudem durch Bernauer_innen blockiert.

Das Mot­to der Wan­derkundge­bun­gen war “Ein­mal Deutsch­land und zurück — Asylmiss­brauch stop­pen”, eine Kam­pagne, welche die NPD seit eini­gen Monat­en bun­desweit durch­führt. Im laut­en Protest gin­gen die Het­zre­den der NPD voll­ständig unter. Bernaus Bürg­er­meis­ter Hubert Hand­ke (CDU) beteiligte sich an den Protesten, zu denen das Bernauer Net­zw­erk für Tol­er­anz und Weltof­fen­heit aufgerufen hatte.

Wan­dlitz — Wohn­mo­bil auf Straße stehengeblieben

Die Tour der NPD ging weit­er nach Wan­dlitz. Auch dort stieß die neon­azis­tis­che Partei auf starken Gegen­protest. Während am Bahn­hof Wan­dl­itzsee etwa 90 Men­schen gegen die NPD demon­stri­eren, waren es am Flüchtlingswohn­heim sog­ar 150. Der Runde Tisch Wan­dlitz, der sich in den let­zten Wochen im Flüchtling­sheim engagierte, hat­te zu Protesten gegen die ras­sis­tis­chen Kundge­bun­gen aufgerufen.

Die Protestieren­den zeigten sich bunt und kreativ. Neben Gesän­gen mehrerer Chöre, Trillerpfeifen und Buh-Rufen, gab es auch Ver­suche, die Straße, auf der der NPD-Truck vom Bahn­hof in Rich­tung Flüchtlingswohn­heim fuhr, zu block­ieren. Eine Men­schen­block­ade wurde von der Polizei schnell aufgelöst. Ein zuvor ste­henge­bliebenes Wohn­mo­bil versper­rte der NPD jedoch für einige Zeit den Weg. Es dauerte einige Minuten und mehrfache Auf­forderun­gen durch die Polizei, bis der Besitzer das Fahrzeug zur Seite fuhr.

Finow­furt — Entschlossene Bünd­nis­demon­stra­tion verzögert Nazianreise

Die wohl wichtig­ste Nachricht des Tages: Zum ersten Mal seit sechs Jahren ist es gelun­gen, eine deut­lich­es Zeichen gegen die Recht­srock-Konz­erte auf dem Grund­stück von Neon­azi Klaus Mann in Finow­furt zu set­zen. Das Bünd­nis “Finow­furt Naz­ifrei” hat­te unter dem Mot­to “Den Nazis den Steck­er ziehen” zu ein­er Bünd­nis­demon­stra­tion aufgerufen. Um die 1000 Men­schen beteiligten sich daran, darunter Bürg­er­meis­ter Uwe Schoknecht und das lokale Bünd­nis “Bunte Schorfheide”.

Die Demon­stra­tion endete vor der Auto­bahn­brücke. Die B167, die auch durch Finow­furt führt, sowie die Auto­bahnz­u­fahrt wur­den dadurch versper­rt. Auf der Auto­bahn 11 kam es zu Verkehrs­be­hin­derun­gen — was die Anreise der Neon­azis beein­trächtigte. Die Polizei sper­rte bei­de Auto­bahnz­u­fahrten und leit­ete die anreisenden Neon­azis über Marien­werder zum Konz­ert­gelände. Viele Finowfurter_innen, andere Brandenburger_innen und Berliner_innen har­rten aus.

Polizei zieht den Stecker

650 Neon­azis sam­melten sich im Laufe des Nach­mit­tags auf dem Konz­ert­gelände. 13 Bands sowie eine Über­raschungs­band waren angekündigt. Über 20 Neon­aziver­anstal­tun­gen habe es in den let­zten sechs Jahren auf dem Gelände gegeben, berichtete das Berlin­er Apabiz im Vor­feld. Neon­azis hat­ten für je 30 Euro Karten erwor­ben um Szene­größen wie “Sleip­nir” und “Legion of Thor” zu sehen. Die Polizei kon­trol­lierte die anreisenden Neon­azis. Rei­hen­weise Autos aus Bran­den­burg, Sach­sen, Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Thürin­gen, Hes­sen, aber auch aus der Schweiz warteten an den Kontrollpunkten.

Im Vor­feld hat­ten die Konzertorganisator_innen ihre Gäste darauf hingewiesen, Waf­fen, waf­fenähn­liche Gegen­stände und ver­fas­sungswidrige Sym­bole zu Hause zu lassen. Bei ver­gan­genen Ver­anstal­tun­gen waren diese Grund für Ver­anstal­tungsauflö­sun­gen durch die Polizei. Vor­sor­glich stand an diesem Nach­mit­tag ein Wasser­w­er­fer der Polizei am Gelände.

Klaus Mann, Vor­sitzen­der der Partei “Die Rechte” in Bran­den­burg, hat­te sein Gelände der Berliner­in Gesine Hen­nrich zur Ver­fü­gung gestellt. Hen­nrich, ehe­mals Mit­glied des inzwis­chen ver­bote­nen Berlin­er “Front­bann 24”, pflegt, eben­so wie Mann, gute Kon­tak­te in die neon­azis­tis­che Kam­er­ad­schafts- und Recht­srock­szene. Als Ordner_innen — Selb­st­beze­ich­nung: “Staffel” — fungierten daher auch Aktivist_innen aus dem Front­bann 24 um Uwe Dreisch aus Berlin.

Im Vor­feld hat­te die Gemeinde Schorfhei­de ver­an­lasst, dass das Konz­ert um 22 Uhr enden musste. Laut Bünd­nisangaben wurde das Konz­ert jedoch schon gegen 21:25 Uhr durch die Polizei aufgelöst. Mehrfach sei es zu “Hit­ler­grüßen” gekommen.

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