17. Mai 2013 · Quelle: Antifa Westbrandenburg

Lehnin ist bunt statt braun“

Erfolgreiche Demonstration unter dem Motto „Gegen rechte Gewalt und rechte Umtriebe“

 

Für Son­ntag den 12. Mai riefen die Partei DIE LINKE, die Linksjugend.SOLID und die Antifa West­bran­den­burg zu ein­er Demon­stra­tion in Lehnin auf. Grund hier­für war der Aufzug von rund 20 bis 30 teil­weise ver­mummter (Neo)nazis am Abend des 08. Mai, dem Tag der Befreiung.

(Neo)nazistischer Spon­tanauf­marsch am 8. Mai

Sie zogen gegen 23 Uhr von der Bahn­hof­sstraße kom­mend über den Mark­t­platz in die Emstaler Straße und dann zum Mark­grafen­platz. Dort been­de­ten sie ihren unangemelde­ten Aufzug. An der Spitze des Auf­marsches hiel­ten zwei Demonstrationsteilnehmer_innen ein Trans­par­ent mit der Auf­schrift „Licht und Schat­ten – Gedanken ein­er neuen Zeit“. Des Weit­eren führten sie Fack­eln bei sich, war­fen Böller und hin­ter­ließen zahlre­iche Fly­er mit unter­schiedlichen Auf­schriften, so u. a. „Gedanken ein­er neuen Zeit“ und „Die Demokrat­en beerdi­gen das deutsche Volk“. Auf dem Park­platz ein­er Bank und eines Super­mark­tes in der Emstaler Straße und auf dem Mark­grafen­platz (Bus­bahn­hof) schmierten sie zahlre­iche Graf­fi­tis mit dem Ver­weis auf ihre Inter­net­seite („lichtschatten.info“) und die (neo)nazistische Parole „Frei Sozial & Nation­al“. Nach dieser Blitza­k­tion, welche nur wenige Minuten dauerte, ver­schwan­den die Demonstrationsteilnehmer_innen unerkan­nt (1).

Obwohl zahlre­iche Lehnin­er Anwohner_innen die Polizei umge­hend informierten braucht­en sie nach Augenzeug_innen cir­ca zwei Stun­den bis zu ihrem ein­tr­e­f­fen und kon­nte lediglich die liegenge­bliebe­nen Fly­er und die Graf­fi­tis doku­men­tieren. Mit­tler­weile sind die Ermit­tlun­gen jedoch so weit fort­geschrit­ten, dass die Polizei davon aus­ge­ht, dass die Demonstrationsteilnehmer_innen aus Pots­dam, Töplitz und Werder (Hav­el) stam­men sollen, Fes­t­nah­men gab es bish­er jedoch keine (2).

Auf der Inter­net­präsenz der (Neo)nazis fan­den sich wenige Tage nach dem ille­galen Aufzug Bilder der Aktion und ein dazuge­höriger Text. In diesem ver­leug­nen sie die Ver­brechen ihrer geisti­gen Vorväter und diskred­i­tierten die Befreier vom Hitlerfaschismus. 

Die Auf­machung und der Inhalt der (neo)nazistischen Inter­net­präsenz sowie das Vorge­hen der (Neo)nazis lassen ein­deutig Par­al­le­len zum im Früh­jahr 2012 ver­bote­nen Net­zw­erk „Wider­stand Süd­bran­den­burg“, welch­es auch unter dem gängigeren Namen „Spreelichter“ bekan­nt ist, erken­nen. Dort hieß eine Parole „Die Demokrat­en brin­gen uns den Volk­stod“, bei „lichschatten.info“ lautet sie „ Die Demokrat­en beerdi­gen das deutsche Volk“. Des Weit­eren zeich­neten sich die „Spreelichter“ auch durch unangemeldete Aufmärsche in ver­schiede­nen Städten aus. Diese wur­den nachträglich durch Videoauf­nah­men und Fotos im Inter­net glo­ri­fiziert. Es muss davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass es in Zukun­ft weit­ere solche Demon­stra­tio­nen in Pots­dam-Mit­tel­mark, den angren­zen­den Land­kreisen und kre­is­freien Städten geben wird. Dass das Treiben der (Neo)nazis jedoch nicht unbeant­wortet bleibt zeigten zahlre­iche Lehniner_innen am Son­ntag den 12. Mai.

Antifaschis­tis­che Kundgebung …

Ins­ge­samt 60 bis 70 Per­so­n­en nah­men an ein­er Kundge­bung mit anschließen­der Demon­stra­tion in Lehnin teil. Als erstes hielt der Göhls­dor­fer Land­tagsab­ge­ord­nete Andreas Bernig einen Rede­beitrag, in dem er erk­lärte, dass „Lehnin nicht braun, son­dern bunt ist“ und man den Recht­en zeigen wolle, „dass wir ihnen nicht unsere Straßen und Plätze über­lassen.“ Des Weit­eren ver­wies er darauf, dass „der 8. Mai als Jahrestag des Endes des Zweit­en Weltkrieges eine Nieder­lage für die Recht­en sei, aber für alle Demokrat­en und friedliebenden

Men­schen ein Tag der Befreiung ist“. Anschließend fol­gte der Rede­beitrag der Antifa West­bran­den­burg. In diesem wurde eben­falls auf die Bedeu­tung des 08. Mai einge­gan­gen und auch auf die anderen (neo)nazistischen Ver­anstal­tun­gen an diesem Tag aufmerk­sam gemacht. So zum Beispiel in Berlin-Karl­shorst, Königs Wuster­hausen und Dem­min (Meck­len­burg-Vor­pom­mern). Des Weit­eren ver­wies der Red­ner auf den am 07. Novem­ber 1992 von drei (Neo)nazis ermorde­ten Rolf Schulze hin. Die bru­tale Tat spielte sich am nahe gele­gen Kolpin­see ab, einem bekan­nten (neo)nazistischen Tre­ff­punkt der 90er Jahre (3).

… und Demon­stra­tion am 12. Mai

Nach Beendi­gung des zweit­en Rede­beitrags set­zten sich die Kundgebungsteilnehmer_innen in Bewe­gung und zogen durch Lehnin. An der Spitze des Demon­stra­tionszuges wurde ein Trans­par­ent mit der Auf­schrift „Nie­mand ist Vergessen – Rolf Schulze am 07.11.92 von Neon­azis in Lehnin ermordet“ getra­gen und antifaschis­tis­che Parolen gerufen. Des Weit­eren verteil­ten Per­so­n­en am Rande des Aufzuges Fly­er an Passant_innen. Nach­dem die Demon­stra­tion wieder an ihrem Aus­gang­sort ange­langt war, wurde sie aufgelöst und die Teilnehmer_innen macht­en sich auf den Weg nach Hause. Einige Antifaschist_innen macht­en sich noch mit abwaschbar­er Sprühkrei­de daran, die noch nicht ent­fer­n­ten (neo)nazistischen Parolen sym­bol­isch zu ent­fer­nen. Hier­bei kam es noch zu einem Wort­ge­fecht mit lokalen Polizist_innen und dem Leit­er des Ord­nungsamtes. Diesem wurde klar gemacht, dass es nicht hin­nehm­bar ist, dass diese Parolen noch immer im Zen­trum von Lehnin vorzufind­en sind. Der Leit­er des Ord­nungsamtes ver­sprach daraufhin, sich gle­ich am Mon­tag darum zu küm­mern. Anschließend wur­den noch einige (neo)nazistische Fly­er einge­sam­melt, welche eben­falls noch an der Marschroute der (Neo)nazis zu find­en waren.

Zusam­men­fassend kann die Kundge­bung als auch die Demon­stra­tion als ein klar­er Erfolg gew­ertet wer­den, denn zu den Demonstrationsteilnehmer_innen gehörten mehrheitlichen Bürger_innen aus Lehnin und den umgeben­den Dör­fern. Auch die Aus­sage von Andreas Bernig MdL, dass „jede angemeldete Demon­stra­tion schon im Vor­feld die demokratis­che Öffentlichkeit auf den Plan gerufen und ein Aufzug dann stark eingeschränkt oder ver­hin­dert hätte“, macht deut­lich, dass (Neo)nazis in Lehnin kein leicht­es Spiel haben. 

Fotos:

 

http://www.flickr.com/photos/presseservice_rathenow/sets/72157633479497234/

http://www.flickr.com/photos/neysommerfeld/sets/72157633479708436/

Tex­tquellen:

(1) http://rbb-online.de/nachrichten/politik/2013_05/Nazis_erschrecken_Buerger_mit_Blitz_Demo_in_Lehnin.html , 09.05.2013

(2) http://www.pnn.de/pm/750381/, 11.05.2013

(3) http://pressearchivwestbrandenburg.wordpress.com/todesopfer/rolf-schulze/

 

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