24. August 2006 · Quelle: Soligruppe Potsdam

6. Tag im Potsdamer Antifa-Prozess

Heute stand die Vernehmung des Neben­klägers an. Dieser gab an zunächst bei einem
Fre­und in Wald­stadt gewe­sen zu sein, dort erre­ichte ihn ein Anruf, dass im
Babels­berg­er Park Linke eine Fre­undin von ihm anpö­beln wür­den. Daraufhin begab sich
die Gruppe um Leszin­sky, Schiller, Glaser, Pecht und Oeltze zum Ort des angeblichen
Über­griffs, zum “kuck­en”. Unter­wegs trafen sie sich noch mit weit­eren Größen der
Pots­dam-Berlin­er Naziszene. Sie seien dann in eine Straßen­bahn gestiegen, in der es
zu ein­er Auseinan­der­set­zung mit Linken gekom­men sei, weit­er kon­nte er dies nicht
aus­führen, weil ihn der­ar­tiges nicht inter­essiere. Allerd­ings gab er noch an, dass
auch oben genan­nte Per­so­n­en mit in der Bahn saßen und er zunächst auch polizeiliche
Vor­ladun­gen bekom­men habe als Beschuldigter . Zusam­men sei er dann jedoch mit
Melanie Witassek und Cindy Prause aus der Bahn weg­ger­an­nt. Von diesen habe er sich
dann auf seinem Weg ins hap­py­hour 2 getren­nt und dann [wie so oft an diesem Abend]
“zufäl­lig” Mar­cus Schiller und Dan­ny Leszin­sky wieder­getrof­fen. Auf dem Nachhauseweg
dann, sei er dann von 5 ver­mummten Linken am Cafe Haider ver­fol­gt wor­den. Einer
hätte ihm mit einen Teleskop­schlag­stock zunächst auf den Ruck­sack und danach auf den
Kopf geschla­gen, er sei dann auf die Erde gefall­en und hätte dort noch weitere
Schläge oder Tritte erhal­ten. Hier­rauf kam es zu ver­mehrten Nach­fra­gen der Richterin
und der Anwälte, inwiefern der Neben­kläger in der recht­en Szene Pots­dams aktiv sei,
ob er die “Anti-Antifa-Pots­dam” kenne. Auf let­zteres führte er aus, dass er zwar
Men­schen kenne, die sich so nen­nen, aber nie­man­den der in dieser Rich­tung aktiv sei.
Darauf ange­sprochen, dass er gegenüber der Polizei angab, Fotos von Linken während
des Chamäleon-Prozess­es gemacht zu haben, zog er sich darauf zurück aus Langeweile
lediglich “Kam­er­aden” fotogra­phiert zu haben. Auch ste­he das Logo “AAP” auf dem
T‑Shirt welch­es er am Sam­stag auf der Rudolf-Hess-Ersatzde­mo in Berlin trug, nicht
für “Anti-Antifa-Pots­dam”, son­dern für “Antifaschis­tis­che-Aktion-Pots­dam”. Den
Wider­spurch mit dem Rück­e­nauf­druck seines Hemdes [Nationaler Sozial­ist] wollte er so
richtig nicht ein­se­hen. Desweit­eren gab er an, von Melanie Witassek erfahren zu
haben, dass sich Julia unter den TäterIn­nen befun­den haben soll, selb­st hat er
der­ar­tige Beobach­tun­gen nicht machen kön­nen. Außer­dem wur­den seine verschiedenste
Vorstrafen wegen Kör­per­ver­let­zung, Nöti­gung und Volksver­het­zung angesprochen. 

Nach dieser ca. viere­in­halb­stündi­gen Befra­gung wurde die Polizistin Karo­la Meinelt
als Zeu­g­in gehört. Diese gab an im Cafe Haider gesessen zu haben, von dort habe sie
beobachtet wie 5 Men­schen ver­mummt aus Rich­tung Hege­lallee die
Friedrich-Ebert-Straße herun­ter­liefen. Zwis­chen Ein­er und Dreißig Minuten später
[sie machte dazu ver­schiedene Angaben] sei dann der Neben­kläger um die Ecke gerannt
gekom­men und hin­ter ihm ca. 3–5 Ver­mummte. Diese hät­ten B. Oestre­ich zu Fall
gebracht und dann auf diesen eingeschla­gen. Trotz der Total-Ver­mum­mung habe sie
Julia und zwei weit­ere Angeklagte wieder­erkan­nt. Mit ihrer dama­li­gen Aus­sage bei der
Polizei kon­fron­tiert, nach der sich alle TäterIn­nen Son­nen­brillen aufge­set­zt hätten
und Julia sich nach der Tat umge­zo­gen hätte und erst dann eine Brille trug, wurde
sie allerd­ings auch in diesem Punkt zunehmend unsicher­er. Beim genauen Tatgeschehen
jedoch wichen ihre Angaben von denen des Geschädigten ab. Desweit­eren ergab sich,
dass auf ihr unbekan­ntem Weg Straßen­na­men in das Pro­tokoll ihrer Vernehmung gelangt
sind, die sie nicht ken­nt [da sie in Berlin bei der 24. EhU tätig ist]. Erklären
kon­nte sie der­ar­tige Abwe­ichun­gen nicht. 

Zwei weit­ere anwe­sende Zeu­gen kon­nten aus zeit­tech­nis­chen Grün­den nicht mehr
aus­sagen, wur­den aber für andere Ter­mine geladen.

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