16. Januar 2004 · Quelle: Antifa Infoblatt

Altbekannte aus der rechten Szene: Wiedersehen in Brandenburg

(Antifa Infoblatt) Zwei ehe­ma­lige Pro­tag­o­nis­ten der Bran­den­burg­er Naziszene geri­eten jew­eils unge­wollt wieder in die Medi­en. So wurde der 26-jährige ehe­ma­lige Vor­sitzende der »Kam­er­ad­schaft Ober­hav­el«, Karsten Giese, wegen ver­sucht­en Mordes und ver­suchter schw­er­er Brand­s­tiftung zur Fah­n­dung aus­geschrieben. Am 3. Sep­tem­ber 2003 wollte er mit einem bren­nen­den Brand­satz in der Hand einen türkischen Imbiss in Hen­nigs­dorf (Ober­hav­el) betreten – fünf Imbißgäste kon­nten jedoch die Tür zuhal­ten. Dank der Dop­pelver­glasung der Ein­gangstür bran­nten die ins­ge­samt zwei Brand­sätze lediglich auf der Straße ab. Zwar flüchtete der Angreifer, die Per­son­alien des ein­schlägig bekan­nten Neon­azis waren jedoch bere­its am Nach­mit­tag fest­gestellt wor­den, nach­dem er im Imbiss ran­daliert hat­te, einen Gast attack­ierte und vom Wirt vor die Tür geset­zt wurde. Als er schließlich mit den Brand­flaschen zurück­kam, erkan­nten ihn einige Gäste sofort wieder. Giese flüchtete, erschien aber wenige Tage später mit einem Kof­fer in der Hand bei der örtlichen Polizei­wache und stellte sich. Nach dem Ver­bot der »Kam­er­ad­schaft Ober­hav­el« 1997 stieg Giese zum Schatzmeis­ter der »Nationalen e.V.« auf. Als sich die vom jet­zi­gen NPD-Bun­desvor­standsmit­glied Frank Schw­erdt gegrün­dete bun­desweite Nazi­gruppe Ende 1997 auflöste, agierte Giese als deren »Liq­uida­tor«.

Ganz anders machte sein Ex-»Nationalen e.V.«-Kollege, Ulli Boldt, von sich reden. Während er noch 1995 zur Berlin­er- Abge­ord­neten­hauswahl auf der Lan­desliste für »Die Nationalen e.V.« antrat, fand man ihn im August 2003 auf der offe­nen Wahlliste der PDS zur Gemein­der­atswahl in Halbe. Der PDS hat­te er zuvor jedoch seine poli­tis­che Ver­gan­gen­heit und die Tat­sache ver­schwiegen, dass er in den 90er Jahren ver­sucht hat­te, das neon­azis­tis­che »Heldenge­denken « für gefal­l­enene Wehrma­chtssol­dat­en in Halbe anzumelden. Vor drei Jahren zog der Ver­sicherungskauf­mann und Jurist Boldt in das 1500-Ein­wohn­er Dorf Halbe. Dort arbeit­ete er als Unternehmens­ber­ater und ist in der frei­willi­gen Feuer­wehr sowie im örtlichen Fußbal­lvere­in aktiv. Ähn­lich umtriebig war auch sein Engage­ment für die Berlin-Bran­den­burg­er Naziszene. Ulli Boldt war Mit­glied der 1992 ver­bote­nen »Nation­al­is­tis­chen Front« (NF), hat­te von 1994 bis 1997 den Vor­sitz der neon­azis­tis­chen Schu­lung­sor­gan­i­sa­tion »Berlin­er Kul­turge­mein­schaft Preußen« (BKP), betrieb das »Nationale Infotele­fon-Berlin« und meldete zwei Hess-Gedenkmärsche in Oranien­burg und Frankfurt/Oder an. Als er 1996 das Infotele­fon nach zwei Jahren ein­stellte, hieß es auf der let­zten Ban­dansage: »die Zeit der Aufmärsche ist vor­bei, die Kraft wird nun für die Schu­lun­gen gebün­delt«. Seine gebün­delte Kraft für Schu­lun­gen set­zte er for­t­an im Vor­stand des »Jun­gen Weik­er­sheim« um – ein­er Art Jugen­dor­gan­i­sa­tion des »Stu­dien­zen­trum Weik­er­sheim«, der »Denk­fab­rik« für das Spek­trum zwis­chen Kon­ser­vatismus und Recht­sradikalis­mus. Nach öffentlichen Protesten wurde Boldt vom Stu­dien­zen­trum aus­geschlossen. Später grün­dete er die Junge Union (JU) Königs Wuster­hausen und machte sich zu deren Press­esprech­er. Als der CDU 1997 die Ver­gan­gen­heit ihres Parteim­it­gliedes offen­bart wurde, schloß sie ihn aus.1998 ver­ließ Boldt auf­grund antifaschis­tis­ch­er Aktio­nen gegen sein Eigen­tum und seine Per­son Königs Wuster­hausen. Auf Weisung der PDS-Kreis-Chefin wurde Boldt im August let­zendlich von der Wahlliste in Halbe gestrichen.


Dieser Text stammt aus der ger­ade veröf­fentlicht­en aktuellen Num­mer des “Antifaschis­tis­chen Infoblatts”. Ein kosten­los­es Probe­ex­em­plar der Zeitschrift kann über fol­gende Adresse ange­fordert wer­den:

Antifaschis­tis­ches Infoblatt

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