6. Juni 2005 · Quelle: Diverse

Anschlag auf Jugendclub verhindert

Kon­fronta­tion in Prem­nitz (Brandenburg)/ Nazis woll­ten Club am See anzünden/ 16 Festnahmen 

Am ver­gan­genen Fre­itagabend lagen in der havel­ländis­chen Kle­in­stadt Prem­nitz (Brandenburg)wieder deut­lich spür­bare Span­nun­gen in der Luft, da sich die örtliche recht­sex­treme Szene zum ersten mal seit 2002 wieder am Jugend­club angekündigt hat­te, um diesen, ihren Ansagen zufolge, „platt zu machen“. 

Und tat­säch­lich, bere­its in den frühen Abend­stun­den sam­melten sich ca. 30 vor­wiegend jugendliche Recht­sex­trem­is­ten als auch einzelne bekan­nte Aktivis­ten der am 12.April 2005 durch das Bran­den­bur­gis­che Innen­min­is­teri­um ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft „Hauptvolk“ auf dem Prem­nitzer Marktplatz. 

Gegen 22 Uhr brach dann der Großteil der Recht­en von diesem Sam­melpunkt aus schließlich in Rich­tung Jugend­club auf. Kurz vor erre­ichen des Ziels schlug man sich dann aber in die Büsche am Prem­nitzer See, um ver­mut­lich über den von Bäu­men und Büschen flankierten Seerundweg schnell und rel­a­tiv unbe­merkt angreifen zu kön­nen. Da men­sch am Jugend­club aber gewarnt war, flo­gen diese Absicht­en recht schnell auf und zwei erste direk­te Angriffsver­suche ende­ten zunächst mit dem schnellen Rück­zug, der mit Eisen­stan­gen und Base­ballschlägern bewaffneten, Rechtsextremisten. 

Als sich die Gruppe der recht­en Angreifer nun­mehr zum drit­ten mal in der Mozart­straße zum Schlag formierte, wurde sie von der inzwis­chen von Anwohn­ern informierten Polizei gestellt. Dabei wur­den bei eini­gen Recht­sex­trem­is­ten neben den erwäh­n­ten Schlagge­gen­stän­den auch Molo­tow­cock­tails gefun­den. 16 rechte Angreifer wur­den daraufhin in Gewahrsam genom­men, wie der Rund­funk Berlin Bran­den­burg berichtet. Weit­er­hin soll es wohl am frühen Sam­stag­mor­gen eine Polizeirazz­ia gegen die rechte Szene in Prem­nitz gegeben haben, wobei mehrere Woh­nun­gen durch­sucht wur­den. Auch durch­sucht wurde die Gegend um den See, wo die Recht­sex­trem­is­ten offen­bar ein mit Molo­tow­cock­tails gefülltes Erd­de­pot angelegt hatten. 

Antifaschis­tis­che Grup­pen im Westhavelland

Über­fall in let­zter Minute verhindert

PREMNITZ Aufmerk­samen Zeitgenossen ist es zu ver­danken, dass im Prem­nitzer Jugend­club (Pre­ju) am See in der Nacht zum ver­gan­genen Sam­stag kein Desaster passiert ist. Mit einem Großein­satz, an dem Polizis­ten aus Rathenow und Nauen beteiligt waren, wur­den am Sam­stag gegen 4.30 Uhr 16 Jugendliche und junge Erwach­sene festgenom­men, die in dieser Nacht einen Bran­dan­schlag auf das Jugendzen­trum geplant hat­ten. Die Festgenomme­nen gehören der recht­en Szene an.

Rudi Son­ntag, Sprech­er im Polizeiprä­sid­i­um Pots­dam machte deut­lich, wie wichtig die Mel­dung mehrerer Anwohn­er aus Prem­nitz war. “Bürg­er hat­ten in der Nacht zum 4. Juni bei der Polizei angerufen und mit­geteilt, dass sich in Prem­nitz verdächtige Per­so­n­en in der Nähe des Jugendzen­trums aufhal­ten, die zudem ver­mummt waren.” Polizeibeamte des Schutzbere­ich­es Havel­land macht­en sich sofort auf den Weg. “In der Nähe des Jugendzen­trums trafen sie auf 16 Per­so­n­en im Alter von 15 bis 23 Jahren, die später auf Anord­nung der Pots­damer Staat­san­waltschaft vor­läu­fig festgenom­men wur­den”, beschrieb Polizeis­prech­er Son­ntag die Situation.

Die Gruppe hat­te sich am See gesam­melt. Dort fan­den die Beamten mehrere Brand­sätze, einen Ben­zinkanis­ter und Baseballschläger.

Im Jugendzen­trum befan­den sich noch einige junge Leute. Noch in der Nacht wurde die Lei­t­erin des Schutzbere­ich­es Havel­land, Cer­stin Petersen-Schäfer, informiert. Sie beorderte umge­hend über 80 Polizeibeamte zur Aufk­lärung der Straftat nach Prem­nitz. Am Sam­stag wur­den in der Region Rathenow-Prem­nitz und in der Stadt Bran­den­burg ins­ge­samt 18 Woh­nun­gen durch­sucht. Rudi Son­ntag bestätigte, dass die Polizeibeamten bei der Suche fündig wur­den: “Wir haben zwei Brand­sätze, mehrere Ski­masken und Wollmützen mit Sehschlitzen, einen Base­ballschläger sowie rund 200 Aufnäher und Fly­er mit der Auf­schrift “Ich bin stolz ein Deutsch­er zu sein” aufgefunden.”

Der Polizeis­prech­er bestätigte, dass der große Teil der Jugendlichen und jun­gen Erwach­se­nen schon früher wegen Kör­per­ver­let­zungs- sowie rechter Pro­pa­gan­dade­lik­te aufge­fall­en war. 

Die Polizei geht davon aus, dass sich die 16 Per­so­n­en nach erhe­blichem Alko­holkon­sum verabre­det hat­ten, einen Bran­dan­schlag auf den Prem­nitzer Jugend­club zu bege­hen. Motiv für die Tat ist nach Überzeu­gung der Ermit­tler ein Racheakt. Am 27. Mai hat­ten Jugendliche aus der linken Szene, die regelmäßig Besuch­er im Prem­nitzer Jugend­club sind, zwei Geg­n­er aus dem recht­en Lager ver­prügelt und ver­let­zt. Die Ver­let­zten gehören zur Gruppe der Beschuldigten, die am Sam­stag den Über­fall geplant hatte. 

Die Ermit­tlungsak­ten wur­den zwis­chen­zeitlich vom polizeilichen Staatss­chutz der Krim­i­nalpolizei des Polizeiprä­sid­i­ums Pots­dam über­nom­men. Rudi Son­ntag kon­nte nicht bestäti­gen, dass zu der Täter­gruppe Per­so­n­en gehören, die Mit­glieder der kür­zlich ver­bote­nen recht­sex­trem­istis­chen Kam­er­ad­schaft “Hauptvolk” und deren Unter­gliederung “Sturm 27” waren oder sind.

Wegen gemein­schaftlich­er Verabre­dung zu einem Ver­brechen und Ver­stoß gegen das Waf­fenge­setz beantragte die Staat­san­waltschaft Pots­dam am Son­ntag zehn Haftbefehle.

Das Prem­nitzer Jugen­zen­trum wird vom Vere­in “Pre­ju e. V.” getra­gen. Vere­inssprech­er Siegfried Wend­land sah in einem ersten Kom­men­tar die Ereignisse nicht so drama­tisch, wie die Polizei. “Ich habe keine Erken­nt­nisse, dass für das Gebäude oder die Insassen konkrete Gefahr bestand.” Die Mitar­beit­er und Vertreter von “Pre­ju” e. V. wollen sich heute tre­f­fen, um die Ereignisse zu analysieren.

Der­weil machte Rudi Son­ntag noch ein­mal deut­lich, dass mutige Prem­nitzer in dieser Nacht Schlim­meres ver­hin­dert haben: “Wenn es der Gruppe gelun­gen wäre, die Brand­sätze zu zün­den, dann hätte es sehr gefährlich wer­den kön­nen.” wil/MAZ

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Beiträge aus der Region

09. Novem­ber 19.00 Uhr am Mah­n­mal für die Opfer des Faschis­mus in Potsdam
Aufruf zur Demo und Gedenkkundge­bung anlässlich des 10. Jahrestag der “NSU”-Selbstenttarnung am 04.11.21 ab 17 Uhr in Potsdam

Opferperspektive

Logo de rOpferperspektive Brandenburg

NSUwatch Brandenburg

Polizeikontrollstelle

Logo der Polizeikontollstelle - Initiative zur Stärkung der Grund- und Bürgerrechte gegenüber der Polizei

Netzwerk Selbsthilfe

Termine für Potsdam

Termine für Berlin

Suche

  • Kategorien


  • Regionen



Inforiot