23. September 2005 · Quelle: Berliner MoPo

Anschlag mit Molotowcocktail

Werder — Es ist eine bren­zlige Sit­u­a­tion gewe­sen, wie sie der türkische Wirt Fahret­tin Altun­soy (40) aus Berlin öfter erlebt. Gäste in seinem City-Café in Werder (Pots­dam-Mit­tel­mark) fan­gen Stre­it an; eine Zeit­lang toleriert man die Radau-Brüder; dann bit­tet man sie vor die Tür — und die Sache ist erledigt. Anders an diesem Abend, Ende Dezem­ber 2004. 

“Mein Café war voll, mehr als 30 Gäste waren hier”, erin­nert sich Altun­soy. In der einen Ecke, gle­ich am Fen­ster, feierten vielle­icht 13 junge Leute einen Geburt­stag. In der anderen Ecke, in der Nähe der Tür, saßen Stephan L. (19), Daniel K. (23) und Wern­er G. (44).

Eigentlich woll­ten die drei an diesem Abend in ihre Lieblingskneipe, doch die war geschlossen. Also gin­gen sie ins City-Café. “Plöt­zlich gab es Stre­it zwis­chen der Geburt­stagsrunde und den drei Män­nern”, erin­nert sich der Wirt. Schließlich griff Fahret­tin Altun­soy ein: Er bat die drei Män­ner aus dem Lokal. Daniel K. dro­hte mit Karateschlä­gen. Stephan L., der in Werder als Recht­sradikaler gilt, set­zte noch drauf: “Du bekommst heute noch einen Kopf­schuß!” Es gab eine kurze Rangelei, doch die Sit­u­a­tion beruhigte sich. Das Trio ver­schwand. Wirt Altun­soy ging wieder hin­ter seinen Tresen. 

Knapp 30 Minuten später zer­split­terte die große Fen­ster­scheibe des Cafés mit einem laut­en Knall. Eine 0,3er-Becks-Bierflasche, prä­pari­ert als Molo­tow­cock­tail, flog in den Gas­traum. “Die Flam­men schlu­gen hoch. Bei einem Gast bran­nten die Haare. Er löschte sie mit seinen Hän­den. Ein junges Mäd­chen hielt sich mit schmerzverz­er­rtem Gesicht die Ohren zu. Alle waren in Panik”, erzählt der Gastronom. 

Sein Brud­er Hay­dar (30) und weit­ere Gäste nah­men die Ver­fol­gung der mut­maßlichen Täter auf. 

Altun­soy rief unter­dessen die Polizei. In der Bran­den­burg­er Straße hiel­ten die Ver­fol­ger zwei junge Män­ner fest — Daniel K., der eigentlich in der Mozart­straße wohnt, und Stephan L., der mit sein­er Schwest­er zusam­men­lebt und zulet­zt in ein­er Drück­erkolonne arbeit­ete. Die Polizei nimmt bei­de fest. Stephan L. soll die Brand­flasche gewor­fen haben, wird den Türken erk­lärt. Am frühen Mor­gen stür­men die Beamten auch die Woh­nung von Wern­er G. im Kugel­weg. Er hat eine Platzwunde am Hin­terkopf und Rip­pen­prel­lun­gen. Warum, sagt er zunächst nicht. G. soll das Geschehen von der gegenüber­liegen­den Straßen­seite aus beobachtet haben. 

Seit dem 30. Dezem­ber sitzen die drei Män­ner in Unter­suchung­shaft. Die Staat­san­waltschaft wirft ihnen unter anderem ver­sucht­en Mord vor. 

Eigentlich wollte Fahret­tin Altun­soy den Vor­fall nicht an die große Glocke hän­gen — um dem Image der Stadt nicht zu schaden, auch um den bei­den jun­gen Tätern nicht die Zukun­ft zu verbauen. 

Doch dann zeigten ihn die mut­maßlichen Brand­s­tifter wegen schw­er­er Kör­per­ver­let­zung an. Der Wirt mußte zur erken­nungs­di­en­stlichen Behand­lung aufs Revi­er. “Ich habe mich gefühlt wie ein Ver­brech­er”, beklagt Altun­soy, “und von der Stadt gab es kein­er­lei Reak­tion oder Unter­stützung.” Jet­zt will er, daß die Täter hin­ter Git­ter bleiben. 

Der Prozeß begin­nt heute um 10 Uhr im Saal 015 des Landgerichts in Potsdam.

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