26. März 2012 · Quelle: Antifa Westhavelland

Antifaschistische Kundgebung in Potsdam-Grube

Protest bei Vermieter von Berliner „Thor Steinar Laden“ / Spontanaufmarsch von (Neo)nazis

Am ver­gan­genen Son­ntag protestierten unge­fähr 60 Men­schen im Pots­damer Ort­steil Grube gegen den dort wohn­haften Ver­mi­eter eines Berlin­er Bek­lei­dungs­geschäftes, welch­es NS ver­her­rlichende Klei­dung feil bietet.

Keine Geschäfte mit Neon­azis

Unter dem Mot­to „Keine Geschäfte mit Neon­azis“ wurde der Raumver­pächter aufge­fordert, das Geschäftsver­hält­nis mit der Ver­trieb­s­fir­ma des Mod­e­la­bels „Thor Steinar“ zu been­den und den mit „Tøns­berg“ betitel­ten Laden zu schließen.
In einem Rede­beitrag wurde auf die offen­bar bewusst gewählten kolo­nial­is­tis­chen, völkischen und pron­azis­tis­chen Motive in der Kollek­tion von „Thor Steinar“ hingewiesen und an das Gewis­sen des Ver­mi­eters appel­liert. Auch wenn diese Klei­dung bish­er nicht gegen gel­tendes Recht oder Verord­nun­gen der Bun­desre­pub­lik ver­stößt und sich an dem Geschäft mit „Thor Steinar“ in erstes Lin­ie bere­ichert wird, ist die Marke trotz­dem ten­den­z­iös und dient dem (neo)nazistischen Milieu als Iden­ti­fika­tions- und Pro­pa­gan­damit­tel.

Geteiltes Echo in Grube

Zur Diskus­sion stellte sich der Ver­mi­eter des Berlin­er Geschäftes jedoch nicht. Er soll zurzeit in Südost-Asien weilen. Auch die Ortsteilbewohner_innen hat­ten kaum Inter­esse an der Ver­anstal­tung. So lange „Thor Steinar“ nicht ver­boten sei, wäre ihnen die Angele­gen­heit egal. Sol­i­darisch­er mit dem Anliegen der Kundgebungsteilnehmer_innen in Grube, zeigten sich dage­gen zahlre­iche Passant_innen, die den Pots­damer Ort­steil mit dem Pkw fre­quen­tierten und der Auf­forderung zum „2 x hupen gegen Nazis“ nachka­men.

(Neo)nazistische Gege­nak­tiv­itäten

Über­haupt nicht ein­ver­standen mit der antifaschis­tis­chen Kundge­bung waren dage­gen offen­bar 20 (Neo)nazis der „Sek­tion Pots­dam“, die unter Polizeis­chutz unge­fähr 100m weit­er eine „Eil­ver­samm­lung“ unter dem Mot­to „Gegen linke Gewalt“ durchführten.(1.) Dabei wurde auch ein Ban­ner mit der Auf­schrift „Auf­muck­en gegen Links – antifaschis­tis­che Struk­turen aufdeck­en & zer­stören“, zwei Reich­skriegs­flaggen (1933–1935) und Klei­dungsstücke der Marke „Thor Steinar“ gezeigt. Darüber hin­aus waren bere­its im Mor­gen­grauen sym­bol­is­che Gal­gen an Bäu­men in Grube ange­bracht und später durch die Feuer­wehr im Auf­trage der Polizei wieder ent­fer­nt wor­den. Weit­er­hin war die unge­fähr 5km lange Strecke Zwis­chen Ort­saus­gang Pots­dam-Grube und der Bahn­hal­testelle in Pots­dam-Golm mit zahlre­ichen (neo)nazistischen Parolen besprüht, bemalt oder bek­lebt wor­den.

(Neo)nazipropaganda ent­fer­nt

Antifaschist_innen ent­fer­n­ten oder über­mal­ten die Losun­gen der (Neo)nazis auf dem Rück­weg aus Grube, da Ord­nungsamt und Polizei hier offen­bar keine Ver­an­las­sung sahen aktiv zu wer­den. Über­trieben war dage­gen die Reak­tion von Polizeibeamt_innen gegenüber einen jun­gen Mann, der den zahlre­ichen (Neo)nazistickern einen antifaschis­tis­chen Aufk­le­ber ent­ge­genge­set­zt hat­te. Von ihm wur­den pein­lichst die Per­son­alien fest­gestellt und weit­ere Aufk­le­ber abgenom­men.

Faz­it

Auch wenn die The­matik um den Berlin­er „Thor Steinar Laden“ in Pots­dam-Grube nur eine ger­ingfügige Außen­wirkung hat­te, offen­barten die Aktiv­itäten des (neo)nazistischen Milieus vor Ort, dass die Prob­lematik des (Neo)nazismus keine punk­tuelle Her­aus­forderung ist, son­dern vielfach­es Engage­ment in der Gesellschaft erfordert.
Sich hin­ter der derzeit­i­gen Geset­zes­lage zu ver­schanzen ändert die Wirk­lichkeit nicht, klar Stel­lung beziehen und aktiv zu wer­den schon eher.

Quelle:

(1.) http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12299989/60709/Linke-Rechte-Polizisten-Das-Dorf-als-Schauplatz-eines.html

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