28. Januar 2010 · Quelle: Soziale Unruhe Blankenfelde

Antifaschistisches Gedenken an die Opfer des Holocausts in Zossen

Nazis blamierten sich / Polizei verhielt sich skandalös

Am Abend des 27. Jan­u­ar 2010 wurde auf dem Zossen­er Mark­t­platz anläßlich des 65. Jahrestages der Befreiung des KZ Auschwitz trotz eisiger Kälte eine gut besuchte antifaschis­tis­che Gedenkkundge­bung mit etwa 150 Teilnehmer_innen durchge­führt. Im Anschluss fand in ein­er nahen Lokalität noch ein Vor­trag eines Holo­caust-Über­leben­den statt, dem viele Per­so­n­en inter­essiert bei­wohn­ten. Der ursprüngliche Vor­trag­sort wurde wenige Tage zuvor Opfer eines recht­sex­trem motivierten Bran­dan­schlages eines durch seine „Kam­er­aden“ aufges­tachel­ten 16jährigen Faschos.

Unter den Teilnehmer_innen der Gedenkkundge­bung befan­den sich neben bürg­er­lich-antifaschis­tis­chen Ini­tia­tiv­en wie „Zossen zeigt Gesicht“ auch cir­ca 40 autonome Antifas und linksradikale Jugendliche die durch Sprechchöre, Fah­nen und Trans­par­ente zur Vielfalt des Gedenkens beitru­gen und eigene, kämpferische Akzente set­zten. Getrübt wurde die Ver­anstal­tung durch die Präsenz von rund 15 Neon­azis, die von der Polizei sehr nah an den Kundge­bung­sort her­an gelassen wur­den, während der Ver­lesung der Namen von Holo­caustopfern aus Zossen und Umge­bung wieder­holt „Lüge, Lüge, Lüge!“ „Alles Lüge!“ skandierten und sich auch son­st tatkräftig bemüht­en, die Kundge­bung durch Rufen von beschränk­ten faschis­tis­chen Parolen, pfeifen mit Trillerpfeifen (erst wollte men­sch wohlwol­lend ver­di oder die IG met­al ver­muten) und all­ge­mein schlechtem Benehmen zu stören. Zu Fün­fzehnt von mehreren dutzend Bullen geschützt und flankiert von Coca-Cola-Wer­bung wirk­ten die Dro­hun­gen („Wir kriegen euch Alle!“) der verblende­ten Kids jedoch eher lächer­lich als bedrohlich.

 

Die Polizei inter­ve­nierte zu keinem Zeit­punkt, obwohl mehrfach der Hit­ler­gruß gezeigt, der Holo­caust geleugnet und somit Volksver­het­zung began­gen wurde. Die Neon­azis braucht­en im Gegen­satz zu den antifaschis­tis­chen Ini­tia­tiv­en nicht ein­mal eine eigene Kundge­bung anmelden, son­dern kon­nten ohne Beein­träch­ti­gung und unter mas­sivem Polizeis­chutz die Kundge­bung auf dem Mark­t­platz über mehrere Stun­den belästi­gen. Auf der anderen Seite wur­den linke Jugendliche die am Rande friedlich protestierten mit Platzver­weisen und Anzeigen wegen Ver­stößen gegen das Ver­samm­lungs­ge­setz bedeckt! Dieses ein­seit­ige Vorge­hen der Polizei hal­ten wir für einen Skan­dal, und poli­tisch gese­hen für ein völ­lig falsches Sig­nal. Der Presse­bericht der Polizei sug­geriert während dessen das die Nazis (die trotz Parolen wie „Nation­al­sozial­is­mus – Jet­zt!“ nicht als solche benan­nt wer­den) Bestandteil der Kundge­bung gewe­sen seien, und ihre nur etwas vom Kon­sens abwe­ichende „Mei­n­ung“ zum Besten gegeben hät­ten (Zitat: „Etwa 130 Teil­nehmer nah­men an den Ver­anstal­tun­gen teil. Unter ihnen befan­den sich etwa 30 Per­so­n­en, die ver­sucht­en, ihrer Mei­n­ung abseits der Demon­stran­ten mit Sprechchören und Trillerpfeifen Nach­druck zu ver­lei­hen“) . Hier­mit lügt die Polizei sich ganz offen­sichtlich ihre Ein­sat­zle­git­i­ma­tion zusam­men, ver­harm­lost und vertei­digt die geisti­gen Nach­fahren der Täter und Mörder von damals auf eine unerträgliche Weise! Außer­dem ist nicht nachvol­lziehbar warum die durch Fotos ein­wand­frei beleg­bare Zahl von 15 Neon­azis auf das dop­pelte hochge­spielt wurde. Sind die eige­nen Kol­le­gen, die tapfer den braunen Mob beschützten, den Zossen­er Beamten doch nicht ganz kosch­er?

 

Den Opfern des deutschen Faschis­mus kon­nte jeden­falls nicht in angemessen­er Weise gedacht wer­den, die Nazis präsen­tierten sich mal wieder als Gefan­gene ihrer Dummheit, der antifaschis­tis­che Wider­stand wurde ein weit­eres Mal staatlich krim­i­nal­isiert.

 

Schande über die Polizei — Den Nazis die ewige Feind­schaft — Heute ist nicht aller Tage – wir kom­men wieder – keine Frage!

 

Die Ver­nich­tung des Nazis­mus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Auf­bau ein­er neuen Welt des Friedens und der Frei­heit ist unser Ziel. (Schwur von Buchen­wald)

 

Gruppe soziale Unruhe Blanken­felde

www.myspace.com/sub_bme

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