21. Mai 2002 · Quelle: Märkische Allgemeine

Antirassistisches Pfingstcamp der JungDemokraten / Junge Linke

NIEDERGÖRSDORF Knapp 100 Jugendliche schlu­gen an den Pfin­gst­ta­gen in der Nähe der Niedergörs­dor­fer Kart­bahn (Ort­steil Altes Lager/Flugplatz) ihre Zelte auf. Zur Teil­nahme an dem “anti­ras­sis­tis­chen Camp” war von den “Jungdemokraten/Junge Linke” ein­ge­laden wor­den. Zu den von der Niedergörs­dor­fer Ver­wal­tung befürchteten Zusam­men­stößen mit gewalt­bere­it­en Recht­sradikalen kam es nicht. 

Der friedliche Ein­druck, der sich den Besuch­ern beim Gang durch das Zelt­lager ver­mit­telte, wurde lediglich durch die lär­menden Gokarts beein­trächtigt, die nur einen Stein­wurf ent­fer­nt ihre Run­den dreht­en. Doch die Motorengeräusche nah­men die jun­gen Leute notge­drun­gen in Kauf, dafür war ihnen der Platz zum Zel­ten ver­gle­ich­sweise preiswert über­lassen worden. 

Die Tage began­nen jew­eils mit einem Plenum. Anschließend fan­den sich Gle­ich­gesin­nte in the­ma­tis­chen Arbeits­grup­pen zusam­men. Dort wurde beispiel­sweise über die Frage disku­tiert, was eigentlich unter “Extrem­is­mus” zu ver­ste­hen sei. Der Rest des “anti­ras­sis­tis­chen Camps” bestand im gemein­samen feiern und Musik hören beziehungsweise machen. 

Aus der Jüter­boger Region waren weniger als zehn Jugendliche der Ein­ladung in das Camp gefol­gt. Der Rest der Teil­nehmer rekru­tierte sich aus dem Pool der Jungdemokraten/Junge Linke, die ein einge­tra­gen­er Vere­in sind und eini­gen Aus­län­dern. Die Organ­isatoren informierten darüber, dass ihr Vere­in in Bran­den­burg etwa 600 Mit­glieder habe. Aktiv­itäten wie das Camp wür­den aus Mit­glieds­beiträ­gen und mit staatlichen Zuschüssen für Bil­dungsar­beit finanziert. Die jun­gen Linken sagten, dass sie von Parteien unab­hängig seien. 

Von dem Camp dürfte die bre­ite Öffentlichkeit kaum etwas bemerkt haben. Selb­st auf der Kart­bahn wusste kaum jemand, wer da seine Zelte aufgeschla­gen hat­te. Somit dürfte die poli­tis­che Außen-Wirkung der Pfin­gstver­anstal­tung ger­ing sein. 

Immer­hin: Am Pfin­gst­sonnabend gelang es den jun­gen Linken mit ein­er pro­vokan­ten Kundge­bung die Aufmerk­samkeit des einkaufend­en Volkes auf sich zu lenken. Auf dem Park­platz vor dem Jüter­boger Reichelt-Markt wurde kurzzeit­ig eine Fahrspur abges­per­rt. Aut­o­fahrer und Pas­san­ten beka­men Flug­blät­ter in die Hand gedrückt. Über Laut­sprech­er verkün­dete ein Demon­strant, dass ab sofort die Freizügigkeit der Bürg­er eingeschränkt werde. Jed­er Deutsche unter­liege jet­zt der “Res­i­den­zpflicht”, die bis­lang nur für Asyl­be­wer­ber gilt. Er dürfe nicht mehr ohne Genehmi­gung der “Inlän­der­be­hörde” seinen Land­kreis verlassen. 

Die meis­ten Jüter­boger ignori­erten das Polit-Spek­takel, mit dem die Demon­stran­ten “ras­sis­tis­che Schika­nen” für Nicht-Deutsche anprangern wollten. 

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