13. Oktober 2006 · Quelle: pusztapunk.tk

Arme kleine Deutsche

POTSDAM — Der Ring Christlich Demokratis­ch­er Stu­den­ten (RCDS) fiel unlängst wieder neg­a­tiv auf: Ihr Spitzenkan­di­dat bei den let­zten Wahlen zum Studieren­den­par­la­ment an der Uni Pots­dam ste­ht gle­ichzeit­ig auf der Lan­desliste der recht­sex­tremen Deutschen Volk­sunion (DVU). Der RCDS an der Uni Pots­dam bewegt sich seit Jahren in der Grau­zone zwis­chen kon­ser­v­a­tiv­en Ide­alen und der „Neuen Rechten“

Bemerkenswert ist hin­sichtlich des RCDS Pots­dam nur eines: Immer wieder kam es zu Skan­dalen, und immer wieder ging es um Rechte und Recht­sex­treme, die im RCDS ein poli­tis­ches Betä­ti­gungs­feld gefun­den haben. Dieses The­ma ist aktueller denn je – schließlich sitzt der RCDS Pots­dam mit drei Abge­ord­neten im Studieren­den­par­la­ment der Universität.

Die „Gaudea­mus-Affäre“

Ende 1999 lässt der Rek­tor der Uni Pots­dam die Aus­gabe 3/1999 der RCDS-Zeitung „Gaudea­mus“ ver­bi­eten und an allen Uni­ver­sität­skom­plex­en ein­sam­meln. Grund hier­für: Eine ganz­seit­ige Anzeige der „Jun­gen Frei­heit“, dem Zen­tralor­gan der „Neuen Recht­en“. Als „Neue Rechte“ beze­ich­net man gemein­hin die Schnittstelle zwis­chen Recht­sex­trem­is­mus und recht­skon­ser­v­a­tiv­en Kreisen. Der Ver­fas­sungss­chutz des Lan­des Nor­drhein-West­falen sah bei der „Jun­gen Frei­heit“ sog­ar den „Ver­dacht auf Anhalt­spunk­te ver­fas­sungs­feindlich­er Bestre­bun­gen“. Des Weit­eren fand sich in der besagten Aus­gabe des „Gaudea­mus“ Wer­bung für die „Lands­man­nschaft Bran­den­burg“, eine schla­gende Stu­den­ten­verbindung – fälschlicher­weise oft als Burschen­schaft beze­ich­net. Merk­würdi­ger­weise warb auch das recht­sex­treme „Nationale Infotele­fon“ zu Wei­h­nacht­en 1999 für die Lands­man­nschaft. Auch eine Probe-Abo-Karte für die Ver­triebe­nen­pos­tille „Ost­preußen­blatt“ war dem Gaudea­mus beigelegt. An dieses Ver­bot schloss sich eine lang­wierige Debat­te an: Die „Junge Frei­heit“ organ­isierte Kla­gen gegen die Uni Pots­dam und ini­ti­ierte eine Postkarte­nak­tion gegen Rek­tor Loschelder. Selb­st im Land­tag war der RCDS Pots­dam Thema.

Von der Pan€pa-Jugend zum Uni-Shop

2000 ent­stand dann aus dem RCDS her­aus der „Bund freier Stu­den­ten“, eine mit Verbindungsstu­den­ten durch­set­zte Liste. Auch Sören Kup­ke, der für den RCDS im Studieren­den­par­la­ment saß und ein Prak­tikum bei der „Jun­gen Frei­heit“ absolvierte, schloss sich dieser Liste an. Kup­ke wurde zu dieser Zeit auch zum Geschäfts­führer eines Lan­desver­ban­des der von „Pan€pa-Jugend“ gewählt. Die „Pan€pa Union“, deren Jugen­dor­gan­i­sa­tion Kup­ke ange­hörte, wurde zur Schaf­fung eines „Staaten­bun­des und Zol­lvere­ins zur Ret­tung Europas, der abendländis­chen Kul­tur und der weißen Rasse“ gegrün­det und fordert ein Deutsch­land in den Gren­zen von 1937. Sören Kup­ke ist heute übri­gens Leit­er des uni­ver­sität­seige­nen Fanar­tikelver­sandes „Uni-Shop“.

Die „Junge Frei­heit“ und der RCDS Pots­dam – eine Liebesbeziehung

Im Jahr 2002 saß Stef­fen Königer, bis 2004 Redak­teur der „Jun­gen Frei­heit“, im Vor­stand des RCDS Pots­dam. Dieser kan­di­dierte 1999 in Bran­den­burg für den recht­sex­tremen Bund freier Bürg­er (BfB) und ließ in der „Jun­gen Frei­heit“ sein­er Gesin­nung freien lauf: Reich­spräsi­dent Hin­den­burg, der Hitler zum Reich­skan­zler ernan­nte, erschien ihm als „ehren­wert“. Zum Volk­strauertag 2002 träumte er von den Briefen deutsch­er Sol­dat­en aus dem Zweit­en Weltkrieg: „Unbe­grei­flich, daß der Ver­ban­nung durch Goebbels nun die Ver­teufelung durch Thierse fol­gt.“ 2003 trat er wegen der Tol­er­anz der „Homo-Ehe“ aus der evan­ge­lis­chen Kirche aus.

Verbinder als RCDS-Vorsitzender

Im Juni 2002 wurde Hans-Wil­helm Dünn zum Vor­sitzen­den des RCDS Pots­dam gewählt. Dieser ist auch Verbindungsstu­dent und Mit­glied der schla­gen­den Sänger­schaft Borus­sia Berlin. Dünn ist heute Vor­sitzen­der der Jun­gen Union (JU) Pots­dams und der stel­lvertre­tender Vor­sitzen­der der JU Bran­den­burg. Ver­ant­wortlich zeich­net er für eine Aktion der JU Pots­dams im August dieses Jahres: Zum Jahrestag des Mauer­baus hat­ten die Jun­gu­nion­is­ten nichts besseres zu tun als eine blutver­schmierte Mauer vor der Lan­deszen­trale der Linkspartei.PDS aufzubauen und so die Opfer der SED-Dik­tatur lächer­lich zu machen.

Drei Sitze im Stu­Pa: Dank DVU-Aktivisten

Auf Lis­ten­platz eins bei den Wahlen zum Studieren­den­par­la­ment (Stu­Pa) stand beim RCDS in diesem Jahr Mar­tin Hoeck. Wie sich kurz vor den Wahlen her­aus­gestellt hat, ste­ht Hoeck auf der Lan­desliste der recht­sex­tremen „Deutschen Volk­sunion“ (DVU) und ist für die DVU-Frak­tion im Land­tag Bran­den­burg Nachrück­er. Der RCDS wusste bere­its vor den Wahlen von Hoecks Engage­ment bei der DVU… Hoeck erhielt 60 Stim­men bei den Wahlen und damit die mit Abstand meis­ten beim RCDS. Anders gesagt: Ohne Hoeck hätte der RCDS sich­er keine drei Sitze im Studieren­den­par­la­ment. Erst nach der Wahl bezog der RCDS Stel­lung zur Per­son­alie Hoeck und bemühte sich um Beschwichtigung.

Solange der RCDS mit Verbindungsstu­den­ten – ein Großteil der Verbindun­gen sind dur­chaus als akademis­che Weg­bere­it­er des Nation­al­sozial­is­mus anzuse­hen – durch­set­zt ist und eine offen­sichtliche Scharnier­funk­tion zwis­chen kon­ser­v­a­tiv­er Poli­tik und „intellek­tuellem“ Recht­sex­trem­is­mus darstellt, bringt er den demokratis­chen Kon­sens unter den Studieren­den an der Uni Pots­dam in Gefahr. 

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