11. Februar 2005 · Quelle: Tagesspiegel

Auf tiefster Stufe stehend”


Prozess zu recht­sex­tremem Gewal­texzess hat in Frank­furt begonnen.
Staat­san­walt: Täter quäl­ten ihr Opfer aus pur­er Lust

(Tagesspiegel, Frank Jansen) Frank­furt (Oder) — Was der Staat­san­walt vorträgt, klingt so grausig, dass
selb­st zwei altge­di­ente Jus­tizwach­meis­ter entset­zt auf die Angeklagten
blick­en. Mit fes­ter Stimme liest Jörg Tegge der Jugend­kam­mer des
Landgerichts Frnakfurt (Oder) vor, welche Tat den drei Män­nern und zwei
Frauen vorge­wor­fen wird. “Aus ange­maßter Rächer­rolle, aus auf tief­ster Stufe
ste­hen­der, men­schen­ver­ach­t­en­der, dumpfer recht­sex­trem­istis­ch­er Ein­stel­lung
und aus pur­er Lust” hät­ten Ron­ny B., David K. und Daniel K. am 5. Juni 2004
den 23-jähri­gen Gun­nar S. zweiein­halb Stun­den gequält und mit mehreren
Gegen­stän­den sex­uell mis­shan­delt. Ange­blich woll­ten die drei Män­ner das
Opfer wegen ein­er “ver­sucht­en Verge­wal­ti­gung” bestrafen — für die es
kein­er­lei Anhalt­spunk­te gibt. Ron­ny B. soll zur Tatzeit wegen der zuvor
kon­sum­ierten Alko­ho­li­ka und ander­er Dro­gen ver­min­dert schuld­fähig gewe­sen
sein.

Die bei­den Frauen hät­ten bei dem Gewal­texzess in ein­er Frank­furter Woh­nung
die drei Recht­sex­trem­is­ten, so der Staat­san­walt, “durch Beifall­skundge­bun­gen
und Gelächter” unter­stützt. Das von Daniel K. als “nicht arisch” beze­ich­nete
Opfer habe lebens­ge­fährliche Ver­let­zun­gen erlit­ten. Der Staat­san­walt wertet
die Tat­en unter anderem als gefährliche Kör­per­ver­let­zung, Verge­wal­ti­gung,
Frei­heits­ber­aubung und Nöti­gung. Den Frauen wird Bei­hil­fe vorge­wor­fen.

Das Opfer ist zum Prozes­sauf­takt nicht erschienen. Der Anwalt von Gun­nar S.
sagt, so einen Fall habe er noch nie erlebt. Sein Man­dant müsse weit­er­hin
ärztlich behan­delt wer­den und sei schw­er trau­ma­tisiert. Die meis­ten
Angeklagten wirken indes selb­st bei den schreck­lich­sten Details, die Tegge
schildert, unbeteiligt. Der wuchtige, 29 Jahre alte Ron­ny B. legt die Arme
auf den Tisch und fal­tet die Hände. Neben ihm sitzt, mit star­rem Blick, der
21-jährige Daniel K. Dann kommt David K., ein 23 Jahre alter, kräftiger
Glatzkopf, der etwas nervös vor- und zurück­wippt. Die 25-jährige Ramona P.
schüt­telt den Kopf und zieht die Augen­brauen hoch, als rede der Staat­san­walt
Blödsinn. In der zweit­en Rei­he sitzt Stephanie L., 20 Jahre alt. Sie blickt
trotzig vor sich hin. Andere Regun­gen sind in ihrem Gesicht nicht zu
erken­nen.

Ron­ny B. und der auch als NPD-Sym­pa­thisant aufge­fal­l­ene David K. sind
Inten­sivtäter, die seit den Neun­ziger­jahren in Frank­furt wüten. Die Liste
ihrer Delik­te liest sich wie das Inhaltsverze­ich­nis des Strafge­set­zbuchs:
Raub, gefährliche Kör­per­ver­let­zung, Dieb­stahl, Frei­heits­ber­aubung,
Sachbeschädi­gung, Nöti­gung, Belei­di­gung, Bedro­hung, vorsät­zlich­er
Voll­rausch, Trunk­en­heit am Steuer, Fahren ohne Fahrerlaub­nis, räu­berische
Erpres­sung und immer wieder Ver­wen­dung ver­fas­sungswidriger Kennze­ichen, zu
Deutsch: Hit­ler­gruß, Sieg-Heil-Gebrüll und Ähn­lich­es. Die Opfer waren
Aus­län­der, Linke, deutsche Durch­schnitts­bürg­er, Polizis­ten. Selb­st
mehrjährige Haft kon­nte die bei­den Recht­sex­trem­is­ten nicht stop­pen. Ron­ny B.
hat min­destens sechs Jahre gesessen, David K. unge­fähr drei Jahre. “Die sind
im Gefäng­nis noch härter gewor­den”, sagt ein Ermit­tler.

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