11. April 2012 · Quelle: iNFORiOT

Die “Spreelichter” auf dem Seziertisch

Analyse der "Unsterblichen"-Aktionen aus Südbrandenburg ist erschienen

 

INFORIOT Die “Unsterblichen”-Aktionen des Süd­bran­den­burg­er Neon­azi-Net­zes um die Web­seite “Spreelichter” hat in den ver­gan­genen Monat­en für einiges medi­ale Inter­esse gesorgt. Bei geheim vor- und im Inter­net nach­bere­it­eten Nacht­demos ver­bre­it­en die Neon­azis ihre The­sen vom “Volk­stod”, den “die Demokrat­en” gezielt organ­isieren wür­den.

Das Bran­den­burg­er “Mobile Beratung­steam” (MBT) hat nun einen 24-seit­i­gen Artikel vorgelegt, der die Spreelichter-Aktio­nen umfassend darstellt und analysiert. Der Beitrag ist online auf der Home­page des MBT Cot­tbus ver­füg­bar. Eine Print­ver­sion soll bald im Rah­men des Buch­es “Ein­blicke IV” des MBT-Trägers “Demos” erscheinen.

Bere­its im Herb­st des ver­gan­genen Jahres war im “Antifaschis­tis­chen Infoblatt” ein zusam­men­fassender Beitrag zu den “Unsterblichen” erschienen. Der Vorteil der MBT-Veröf­fentlichung ist sein Umfang. Autor Daniel Krüger hat aus­re­ichen Platz, um zum Beispiel die Quellen der Spreelichter-Texte angemessen würdi­gen zu kön­nen.

Anschaulich wird deut­lich gemacht: Bei den “Spreelichtern” dominiert das Cut&Paste. Zu aktuellen Kom­mentaren wer­den Texte und Mate­r­i­al aus Region­alzeitun­gen (ohne Quel­lenangabe) genutzt und zu ein­er völkischen Inter­pre­ta­tion zurecht­ge­bo­gen. Die his­torischen Beiträge speisen sich indes zu nicht gerin­gen Teilen aus einem schlicht­en, aus der Naz­izeit stam­menden Sekundär­band über den Nazi­ide­olo­gen Alfred Rosen­berg.

Lei­der bleibt ein Aspekt im MBT-Text weit­ge­hend unbeachtet: Die Frage, warum Neon­azis das Mit­tel der unangemelde­ten Nacht­de­mo wählen. Wozu betreiben die Neon­azis diesen immensen Aufwand und nehmen ein Repres­sion­srisiko in Kauf (es gab im Jan­u­ar umfan­gre­iche Razz­ien)? Und das, obwohl die Aktio­nen sich nicht von selb­st ver­ständlich machen, son­dern medi­al ver­mit­telt wer­den müssen?

Wagen wir eine These: Die antifaschis­tis­che Protest­poli­tik der let­zten Jahre dürfte dafür zu einem sehr wesentlichen Teil ver­ant­wortlich sein. Immer mehr Nazidemon­stra­tio­nen wer­den durch Block­adeak­tio­nen stark behin­dert oder sog­ar ganz ver­hin­dert. Es ist also kein Wun­der, son­dern ein Erfolg von antifaschis­tis­chen Aktio­nen, wenn die Neon­azis sich nun heim­lich verabre­den müssen, wenn sie auf die Straße gehen wollen. Mit diesen neuen, defen­siv aus­gerichteten aber ver­gle­ich­sweise solide gestal­teten For­men, wie sie die “Spreelichter” repräsen­tieren, umzuge­hen, ist eine neue Her­aus­forderung, der sich die antifaschis­tis­che Bewe­gung stellen muss.

 

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