1. Oktober 2005 · Quelle: MAZ

Diskussion am Thema vorbei

Fürs Legal­isieren von Cannabis gibt es eben­so viele Argu­mente wie dage­gen. Das bewies die Podi­ums­diskus­sion am Don­ner­sta­gnach­mit­tag in der Wan­der­ausstel­lung “Sehn­Sucht”, welche ihre Türen auf dem Neustadt-Markt geöffnet hat. Etwa 50 inter­essierte Besuch­er, über­wiegend junge Men­schen, waren anwe­send. Doch die Ärzte, Psy­cholo­gen, Juris­ten und Sozialar­beit­er im Podi­um disku­tierten weit­ge­hend unter sich. Zwis­chen ihnen gin­gen die Mei­n­un­gen weit auseinan­der, es bilde­ten sich schnell zwei Parteien.

Während der Bernauer Amt­srichter Andreas Müller, der Bran­den­burg­er Street­work­er Torsten Michalek und der Leit­er ein­er Sucht­ber­atungsstelle in Pots­dam, Frank Prinz Schu­bert, dur­chaus für eine Legal­isierung von Cannabis plädierten, sprachen sich die Chefärztin der Lan­desklinik Mar­ti­na Arndt und Amt­sarzt Uwe Peters deut­lich dage­gen aus. Sie argu­men­tierten mit teil­weise schw­er­wiegen­den Fol­gen von über­mäßigem Cannabis-Kon­sum.

Diese Symp­tome seien auch beim Kon­sum von legalen Dro­gen wie Alko­hol und Nikotin zu find­en, kon­terte Müller.

Er hat­te sich bere­its 2002 beim Bun­desver­fas­sungs­gericht für eine Legal­isierung von Cannabis einge­set­zt, der Antrag wurde abgelehnt.

Unter anderem brachte Schu­bert den Ver­gle­ich mit der Schweiz und den Nieder­lan­den, wo der Cannabis-Kon­sum über 18 Jahre straf­frei ist, und dort sta­tis­tisch gese­hen nicht mehr Men­schen diese Droge kon­sum­ieren, als in Deutsch­land.

“Die Geset­ze in der Bun­desre­pub­lik müssen sich der Real­ität anpassen”, forderte Müller — schließlich kon­sum­ierten inzwis­chen zehn Mil­lio­nen Deutsche Cannabis. “Es ist unrecht, eine Sucht wie Nikotin-Kon­sum zu tolerieren und eine andere let­ztlich weit weniger gesund­heitss­chädi­gende Droge zu krim­i­nal­isieren.” Müller kri­tisierte zudem das Ver­hal­ten der Eltern: “Wenn Jugendliche sich am Woch­enende betrinken, wird das toleriert. Wenn sie kif­f­en, bricht für die Eltern meist eine Welt zusam­men.”

Alle Beteiligten liefer­ten sich eine heftige Diskus­sion, jede Partei behar­rte auf ihrem Stand­punkt.

Nur in ein­er Diag­nose waren sich die Teil­nehmer einig: Man darf das Kif­f­en nicht ver­harm­losen.

Eine Gruppe Experten will das Prob­lem mit Ver­boten und strafrechtlichem Ver­fol­gen von Cannabis-Kon­sumenten lösen. Andere wiederum wollen die weiche Droge legal­isieren, allerd­ings Jugendliche über die Risiken aufk­lären.

Trotz des inter­es­san­ten The­mas melde­ten sich nur wenige Zuhör­er selb­st zu Wort. Häu­figes Abschweifen und Ver­wen­den von vie­len Fachaus­drück­en unter den Disku­tan­ten im Podi­um dürfte die Lust zum Mit­disku­tieren erlahmt haben.

Aus diesem Grund kon­nte kein Aus­tausch zwis­chen den jun­gen Men­schen und den Experten stat­tfind­en. Dieser hätte die steife Diskus­sion aufge­lock­ert und neue Aspek­te auf­tauchen lassen.

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