30. Oktober 2006 · Quelle: Opferperspektive e.V.

»Dreckiger Jude, wir machen mit dir dasselbe wie mit Marinus!«

Am Mittwoch, den 1. Novem­ber 2006, find­et um 12.30 Uhr am Amts­gericht Pren­zlau, Saal 114, ein Prozess gegen einen Recht­sex­trem­is­ten statt. Dem 18-Jähri­gen wird eine Kör­per­ver­let­zung an einem 18-jähri­gen Punk vorge­wor­fen sowie Belei­di­gung und Ver­wen­den ver­fas­sungswidriger Kennze­ichen.

Im Juli let­zten Jahres war Kevin M. noch Punk, auf dem Kopf hat­te er einen pinken Iroke­sen-Haarschnitt. Grund genug für einen Schläger aus ein­er recht­en Dor­f­clique aus der Uck­er­mark, Kevin zu ver­fol­gen, zu beschimpfen und zu schla­gen. Kevin war mit sein­er Fre­undin auf eine Geburt­stags­feier gegan­gen, im Nach­barort Fli­eth. Irgend­wann am Abend tauchte eine rechte Clique aus dem Nach­bar­dorf War­nitz auf. Darunter der dama­lige Fre­und der Gast­ge­berin, der heute 18-jährige Stef­fen Sch., der Kevin von oben nach unten musterte. Für Kevin wurde die Lage immer unan­genehmer, er ver­ließ mit Fre­un­den die Feier. Stef­fen Sch. fol­gte ihm und pöbelte ihn wegen seines Ausse­hens an, belegte ihn mit Beschimp­fun­gen wie »Zecke« und »dreck­iger Jude«. Dann baute er sich vor Kevin auf und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht. Ein Fre­und von Kevin griff ein, der Angreifer kam zu Fall. Kevin und seine Fre­unde riefen die Polizei. Empört über die Anzeige, brüllte Stef­fen Sch. in Gegen­wart der Polizei »Sieg Heil« und betitelte Kevin als »Punk-Fotze«. »Wenn du noch mal in War­nitz auf­tauchst, machen wir das­selbe wie mit Mar­i­nus!« In der Uck­er­mark weiß man, was damit gemeint ist: der Mord an Mar­i­nus Schöberl aus dem nur wenige Kilo­me­ter ent­fer­n­ten Pot­zlow im Jahr 2002.

»Der Fall zeigt«, so Kay Wen­del, »wie rechte Dor­f­cliquen in ländlichen Gegen­den Bran­den­burgs operieren. Abwe­ich­ler von der recht­sex­tremen Norm wer­den als Geg­n­er betra­chtet und ange­grif­f­en. Die Gewalt­fan­tasien der Recht­en reichen dabei bis zum grausamen Mord. Dass nicht noch mehr Angriffe geschehen, liegt haupt­säch­lich daran, dass es in Gegen­den wie der Uck­er­mark immer weniger Punks gibt. Der alltägliche Druck ist zu stark. Bald haben die Recht­en keine ›natür­lichen Feinde‹ mehr. Dann wird der Land­strich wie Vor­pom­mern, mit NPD-Wahlergeb­nis­sen nahe 40 %.«

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