21. Juni 2009 · Quelle: Inforiot

Eberswalde: 200 Menschen demonstrierten am Samstag gegen das DVU Sommerfest

Infori­ot — Unter dem Mot­to „Feste feiern ohne Nazis – der DVU den Steck­er ziehen“ demon­stri­erten am Nach­mitt­tag des 20. Juni, etwa 200 Men­schen in Eber­swalde gegen das Som­mer­fest der Deutschen Volk­sunion (DVU) und gegen die rechte Szene in der Region. Damit fol­gten sie dem Aufruf ver­schieden­er Grup­pen aus dem Nor­dosten Bran­den­burgs.

Ziel war es dem Som­mer­fest ein deut­lich­es Zeichen ent­ge­gen zuset­zen. „Wir wollen es nicht mehr hin­nehmen, dass Nazis hier ungestört feiern kön­nen, ohne das auch nur ein Bürg­er oder eine Bürg­erin Notiz davon nimmt“ so Melanie Jonas aus dem Vor­bere­itungskreis. „Wir wollen ihnen zeigen, dass wir keinen Bock auf sie haben“ — „Kein Bock“ heißt es auch im Aufruf zu Demon­stra­tion: „Kein Bock auf deutsche Bratwurst, kein Bock auf Naz­imucke und völkische Bräuche“.

Uns ist klar, dass wir das DVU Fest damit nicht ver­hin­dern, aber wir wollen den Anstoß für engagierte Men­schen im Ort geben, sich gegen Nazis zu posi­tion­ieren“ ergänzt Jan. Er geht in Eber­swalde zur Schule und spürt wenig vom dem selb­ster­nan­nten „Tol­er­an­ten Eber­swalde“. „Tol­er­anz heißt nicht, Nazis und ihre Ide­olo­gie zu tolerieren“, meint Jan. Auch ist er ent­täuscht, dass kaum Bürg­erin­nen und Bürg­er an der Demon­stra­tion teil­nehmen.

Und er hat nicht unrecht, wenige Bürger_innen nehmen Teil oder inter­essieren sich am Rande für den Protest. Eigentlich sind es nur Jugendliche, die auf der Straße sind.

Neben dem DVU Som­mer­fest ging es auch gegen die rechte Szene in Eber­swalde und Umge­bung und beson­ders gegen den Naziladen von Gor­don Rein­holz (ehe­ma­liger Kopf des Märkischen Heimatschutzes). Sein Geschäft sei Aus­gangspunkt für Nazi-Aktiv­itäten in und um Eber­swalde, hieß es in einem der Rede­beiträge. Enge Kon­tak­te pflege er auch zur Kam­er­ad­schaft Märkisch-Oder Barn­im.

In weit­eren Rede­beiträ­gen ging es u.a. um den von Nazis im Jahr 2000 in Eber­swalde ermorderten Fal­co Lüdtke. Auch über das NPD Gelände in Biesen­thal sowie die Verknüp­fung von NPD, DVU und Kam­er­ad­schaften in der Region wurde inforormiert. Die Schnittstelle zwis­chen Parteien und Kam­er­ad­schaften ist dabei Klaus Mann (DVU Vor­sitzen­der der Land­kreise Barn­im, Uck­er­mark und Ober­hav­el), hieß es.

Seit nun­mehr 10. Jahren organ­isiert die DVU zur so genan­nten Som­mer­son­nen­wende ein Fest. Fam­i­lien­fre­undlich mit Bratwurst, Kinder­schminken und Krem­ser­fahrt präsen­tiert sie sich als „Partei zum Anfassen“ (aus dem Aufruf der DVU). Unter den Gäste befind­en sich dabei vor allem Nazis der Parteien NPD und DVU sowie der Kam­er­ad­schafts- und Recht­srock­szene. Nicht sel­ten kommt es zu (gewalt­täti­gen) Auseinan­der­set­zung unter den Gästen.

Das Fest find­et zum 3. Mal auf dem Grund­stück von Klaus Mann in Finow­furt statt. Zuvor diente sein Grund­stück in Seefeld (Barn­im) als Ver­anstal­tung­sort. Weit abgele­gen und mit­ten im Wald kon­nten die Nazis von DVU, NPD und Kam­er­ad­schaften ungestört feiern.

Im let­zten Jahr gab es erst­mals Gegen­protest – etwa 40 Men­schen hiel­ten eine Kundge­bung ab und demon­stri­erten gegen das Fest in Finow­furt. In diesem Jahr wur­den wesentlich mehr Men­schen gegen die DVU aktiv: Mit Konz­erten und ein­er antifaschis­tis­chen Demon­stra­tion sollte auf das Nazi-Fest aufmerk­sam gemacht wer­den.

Wir sind zufrieden mit der Demon­stra­tion“ sagt Melanie nach Ende der Ver­anstal­tung. „Es gab gute Rede­beiträge, die Stim­mung war super und wir haben es ein Stück weit geschafft, das The­ma in die Öffentlichkeit zu tra­gen. Denn es gibt eine medi­ale Wahrnehmung, die es vorher eben nicht gab!“

Jedoch war es nicht ein­fach Konz­erte und Demon­stra­tion umzuset­zen: Das Konz­ert am Fre­itag mit „Trash­cor“, „Lin­gerie“ und „Sub to“ sollte ursprünglich in Finow­furt selb­st stat­tfind­en, musste allerd­ings nach Eber­swalde ver­legt wer­den. Auf dem Mark­t­platz in Eber­swalde war das Konz­ert jedoch eben­so wenig erwün­scht wie in Finow­furt und so musste es schlussendlich in der abgele­ge­nen „Chemis­chen Fab­rik“ stat­tfind­en. Auch die Polizei hat­te für die Demon­stra­tion am Sam­stag über­triebene Aufla­gen erteilt. Die Veranstalter_innen hat­ten zuvor dann Wider­spruch ein­gelegt und Recht bekom­men. Der Abend endete mit einem Konz­ert der Kaputt Krauts im Jugend­club Exil in Eber­swalde.

Weit­er Infor­ma­tio­nen: www.inforiot.de/ew

 

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