9. August 2012 · Quelle: Light me Amadeu

Engagement gegen Rassismus: Die Amadeu-Antonio-Straße ist überall!

Eigentlich sollte ab dem 12.08.2012, dem 50. Geburt­stag von Amadeu Anto­nio ein Stück der Eber­swalder Straße in Eber­swalde seinen Namen tra­gen. Sie wäre dann dort gewe­sen, wo sie unser­er Mei­n­ung nach hinge­hört. Mit 28 Jahren wurde Amadeu Anto­nio in dieser Straße Opfer bru­taler ras­sis­tis­ch­er Gewalt, vorher lebte er dort wie andere Ver­tragsar­beit­er in einem Wohn­heim – separi­ert.

Weil Ras­sis­mus, Diskri­m­inierung und Aus­gren­zung viele Men­schen täglich bet­rifft und unser demokratis­ches Zusam­men­leben erhe­blich belastet, starteten der Afrikanis­che Kul­turvere­in Palan­ca e.V. und die Barn­imer Kam­pagne „Light me Amadeu“ im April 2011 die Ini­tia­tive für die Straßenum­be­nen­nung. Damals war noch nichts bekan­nt von den Exeku­tio­nen der ras­sis­tis­chen Massen­mörder in Nor­we­gen und des „NSU“ in Deutsch­land, nichts vom Mis­ser­folg deutsch­er Sicher­heits­be­hör­den, wohl aber vom Erfolg und von den spal­ter­ischen Auswirkun­gen des Buch­es von Thi­lo Sar­razin.

Es geht uns auch um den Wech­sel der Blick­rich­tung, weg vom ver­ständ­nisvollen Schauen auf die Täter und ihre Motive, auf völkische Stim­mungen in Teilen der weißen Mehrheit, hin zur Per­spek­tive der Men­schen, die der Ras­sis­mus ver­let­zt, hin zum Blick auf die durch Vielfalt geprägte Real­ität und eine Zukun­ft, die nur mul­ti­kul­turell sein kann. Jede achte Eheschließung in Deutsch­land ist heute eine bina­tionale Verbindung. Jedes fün­fte Kind, das hier geboren wird, hat min­destens ein „aus­ländis­ches“ Eltern­teil.

Die Straßenum­be­nen­nung betra­cht­en wir als ein wichtiges Sig­nal der Stadt Eber­swalde, als eine würdi­gende Geste auch für das Leid der Fam­i­lie, aller Ange­höri­gen und Fre­unde von Amadeu Anto­nio, außer­dem als ein deut­lich­es Beken­nt­nis gegen den alltäglichen Ras­sis­mus und damit gegen Anknüp­fungspunk­te von Nazis und Recht­spop­ulis­ten.

Darum weisen wir nun mit Straßen­schildern, T‑Shirts, Aufk­le­bern usw. darauf hin: Wenn sie – noch – nicht dort ist, wo sie hinge­hört, zeigen wir, dass die Amadeu-Anto­nio-Straße über­all ist bzw. über­all da sein kann, wo sich Men­schen gegen Ras­sis­mus engagieren.

Straßen­na­men geben und ermöglichen Ori­en­tierung, weisen den Weg im direk­ten wie im über­tra­ge­nen Sinn. Für die Kul­tur und die Stim­mung in Kom­munen ist es nicht egal, ob die Opfer in Vergessen­heit ger­at­en oder sicht­bar erin­nert wer­den.

Die Erin­nerung an die Ver­brechen der Ver­gan­gen­heit hil­ft, ihre Ursachen und Auswirkun­gen zu reflek­tieren, um das Schweigen zu über­winden und ähn­liche Ver­brechen zu ver­mei­den.

Die zweite sym­bol­is­che Straßenum­be­nen­nung und die Aktion starten wir am Son­ntag, 12.08.2012 gegen 15.30 Uhr an der Kreuzung Eber­swalder-/Lichter­felder Straße. Im Anschluss an die Ver­anstal­tung der Stadt Eber­swalde zum 50. Geburt­stag um 14 Uhr im Fam­i­lien­garten und nach dem Gedenken an der Erin­nerungstafel für Amadeu Anto­nio in der Eber­swalder Straße 26 gegen 15.15 Uhr.

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