14. September 2002 · Quelle: berliner zeitung

Es ist ein Anfang. Und der ist wichtig”

EBERSWALDE. Vor zwölf Jahren bekam der Name Eber­swalde einen unan­genehmen Beik­lang. Er stand für den ersten Neon­azi-Mord an einem Aus­län­der nach der Wende. Am 25. Novem­ber 1990 trat­en drei Dutzend Recht­sex­trem­is­ten so bru­tal auf den Angolan­er Anto­nio Amadeu ein, dass er starb.
Zwölf Jahre später hängt im Gym­na­si­um Eber­swalde-Finow ein großes Wand­bild. Zu sehen sind eine schwarze und eine weiße Hand, die sich berühren — die Schule bege­ht ihren Ango­la-Tag. Ein Jahr, nach­dem fünf Jugendliche der Stadt nach Luan­da reis­ten, sind neun afrikanis­che Schüler zum Gegenbe­such gekom­men. Sie sollen erleben, wie sich Eber­swalde geän­dert hat. Dass die Stadt nun auch für Aus­län­der­fre­undlichkeit ste­ht. Auf dem Schul­hof ruft Schulleit­er Hart­mut Mahling: “Lasst uns gemein­sam glauben an eine bessere Welt.”
Die Schüler klatschen. Nie­mand von ihnen hat Ähn­lichkeit mit einem Skin­head. Ein Junge, der ein “Lons­dale” T‑Shirt — Lieblings­marke der Neon­azis — trägt, hat das Bek­lei­dungsstück mit einem Spruch verse­hen. “Laut gegen rechte Gewalt” ste­ht nun über dem Marken­na­men.
Seit vier Jahren engagieren sich Schüler und Lehrer für Ango­la, auch wegen des Mordes. “Es ist ver­dammt nötig, pos­i­tive Zeichen zu set­zen”, sagt der Schulleit­er. “Die Schüler ler­nen Tol­er­anz nur, wenn sie das Fremde haut­nah ken­nen ler­nen kön­nen.” Die afrikanis­chen Gäste tanzen und disku­tieren mit ihren Gast­ge­bern. Am Ende ihres zwei­wöchi­gen Besuchs begeg­nen sich viele wie Fre­unde. Der 16-jährige Domin­gos Mufa sagt: “Ich bin begeis­tert von der Gast­fre­und­schaft und wie sehr sich alle für uns inter­essieren.” Er ist ein afrikanis­ches Straßenkind und geht erst seit vier Jahren zur Schule. “Das ist meine einzige Chance”, sagt er. Er will Lehrer wer­den und freut sich, Deutsch­land gese­hen zu haben.
Dass nicht alle in Eber­swalde gast­fre­undlich sind, weiß ein ander­er Angolan­er zu bericht­en, der seit 1987 in Eber­swalde lebt. “Es ist noch nicht so weit, dass ich mich allein durch die Stadt traue”, sagt er. “Nur im Auto füh­le ich mich sich­er.” Aber solche Aktio­nen in den Schulen machen ihm Mut. “Es ist ein Anfang. Und der ist wichtig.”

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