30. April 2007 · Quelle: Antifa Bad Freienwalde

Eure Repression kennt keine Grenzen, unsere Solidarität auch nicht

Bad Freien­walde ist schon lange keine Stadt mehr, in der ein Kli­ma der
gesellschaftlichen Tol­er­anz herrscht. Faschis­tis­che Über­griffe und
Nazipro­pa­gan­da sind Real­ität. Inner­halb des let­zten Jahres wur­den
unzäh­lige Men­schen beschimpft, gejagt, zusam­mengeschla­gen oder ihre
Konz­erte und Par­tys von bewaffneten Schlägertrup­pen heimge­sucht. Einen
Sam­melpunkt der recht­en Szene bildet das “Jugend‑, Kultur‑, Bürg­er- und
Bil­dungszen­trum- Offi” in Bad Freien­walde, hin­ter dieser Adresse ver­birgt
sich ein sich selb­stver­wal­tendes Zen­trum, dass von Neon­azis sowie von
ehe­ma­li­gen oder zukün­fti­gen NPD- und ehe­ma­li­gen MHS- (Märkisch­er
Heimatschutz) Mit­gliedern genutzt wird.

Mit dem Haus in der Berlin­er Straße hat sich die regionale und
über­re­gionale Naziszene einen Freiraum geschaf­fen, der sich ein­er gewis­sen
Rel­e­vanz nicht erwehren kann. Das Objekt dient zum Infor­ma­tion­saus­tausch,
zur Ver­net­zung, zur Fes­ti­gung rechter Struk­turen und zur Poli­tisierung von
Jugendlichen. Prob­lema­tisch ist darüber hin­aus die Lage der
Berlin­er Straße, weil sich daneben die Räum­lichkeit­en der Bad Freien­walder
Alter­na­tive e.V. befind­en, die von linken und alter­na­tiv­en Jugendlichen
selb­st ver­wal­tet wer­den. Ehe­mals galt dieser Ort als von linken und
alter­na­tiv­en Jugendlichen geprägt. Men­sch hat sich dort wohlge­fühlt.
Seit­dem der rechte Tre­ff­punkt im Offi existiert, haben sich die
neon­azis­tis­chen Gewal­texzesse auf die Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V.
und auf die Stadt ver­lagert und treten dort ver­mehrt auf. Die unver­hoh­lene
rechte Mil­i­tanz, die kon­tinuier­liche Präsenz der Faschis­ten im Stadt­bild,
macht es notwendig, endlich zu han­deln. Die Stad­to­beren von Bad
Freien­walde sind dies­bezüglich unfähig, bzw. unwillig. Ihr
antifaschis­tis­ches Engage­ment beschränkt sich darauf, eine all­ge­mein
schwammige gegen Nazis Hal­tung zu pos­tulieren, die sich noch im sel­ben
Atemzug mit kon­se­quentem Antifaschis­mus entsol­i­darisiert. Während sich
Neon­azis ungestört aus­to­ben kön­nen, konzen­tri­ert sich der
Repres­sion­sap­pa­rat auf das Schreck­ge­spenst “Antifa Bad Freien­walde” und
“Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V.”. So wer­den zwei Antifaschis­ten
diskri­m­iniert, nach­dem sie sich gegen einen Offi-Mitar­beit­er aus­ge­sprochen
hat­ten, dessen geäußertes Gedankengut ein­deutig als nation­al­is­tisch und
faschis­tisch wieder erkan­nt wurde.

Nach einem lan­gen hin und her, entschloss das Offi, den Mietver­trag mit
dem linken Vere­in zu been­den. Mehrere Jugendliche, fordern jet­zt
öffentlich, den Linken und Alter­na­tiv­en keine Räum­lichkeit­en mehr zur
Ver­fü­gung zu stellen. “Sie wer­den alles dafür tun, dass diese
Men­schen­rechtsver­let­zende Pro­pa­gan­dascheiße nicht mehr betrieben wird”.
Hieß es in ein­er Pressemit­teilung. Ihr verge­hen bestand wahrschein­lich
darin, sich Jahre­lang gegen Faschis­mus engagiert zu haben. Die betrof­fe­nen
gehören zu den ersten Men­schen aus der Stadt­bekan­nten Antifaszene, die
sich mit der­ar­ti­gen Ver­fol­gungsmit­teln kon­fron­tiert sahen. Die Pas­siv­ität,
bzw. die vor­sichtige Zurück­hal­tung gegenüber Recht­sex­trem­is­mus, wird auch
im Zusam­men­hang mit dem Offi deut­lich. So kon­nten sich die Antifa Bad
Freien­walde und die Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. lediglich dazu
durchrin­gen, den Besitzer des Haus­es, davon in Ken­nt­nis zuset­zen, dass
sich dort mil­i­tante Neon­azis aufhal­ten. Für den Bürg­er­meis­ter Ralf Lehmann
sind damit schon nahezu alle Maß­nah­men gegen den recht­en Tre­ff­punkt
aus­geschöpft. Er sieht keine wirk­liche Bedro­hung für die Linken und
Alter­na­tiv­en Bad Freien­walderIn­nen. Eine Schließung des Objek­ts durch die
Stadt erscheint bezüglich solch­es Nichtver­hal­tens unvorstell­bar. Nach
Vorschlag der Stadt Bad Freien­walde wird aber eine Umwand­lung des Recht­en
Zen­trums mit­tels eines Sozialar­beit­ers oder ein­er Sozialar­bei­t­erin in
Erwä­gung gezo­gen. Diese Maß­nahme kränkt allerd­ings gewaltig. Zu oft schon
sind die Herrschen­den dem Irrglauben erlegen, Recht­sex­trem­is­mus mit­tels
Akzep­tieren­der Jugen­dar­beit eindäm­men zu kön­nen. Denn ob nun mit
Street­work­er oder ohne, Neon­azis­tis­chen Aktiv­itäten wird mit der Dul­dung
rechter Tre­ff­punk­te immer Vorschub geleis­tet.

Desweit­eren wurde schon mehrmals der Jugend­ko­or­di­na­tor “Ulf Hoff­man”
beobachtet, wie er Neon­azis ansprach, um sie, sein­er Mei­n­ung nach, von der
Strasse zu holen und sie zu “ent­naz­i­fizieren”. Der Nazi Aktivist “Robert
Geb­hardt” kon­nte im Jahr 2006 sein Schu­la­b­schluss nach­holen, bei ihm ist
man mit dem gle­ichen Prinzip herange­gan­gen, doch dieser Ver­such war
verge­blich. Und auf genau diese Weise laufen die meis­ten Begeg­nun­gen
zwis­chen Mitar­beit­ern des SPI und mehr oder weniger überzeugten Nazis der
Umge­bung ab. Den Nazis wird dabei geholfen, sich zu organ­isieren (durch
zur Ver­fü­gung gestellte Tre­ff­punk­te, finanzielle Unter­stützung etc) und
dabei wird deren Gesin­nung vol­lkom­men ignori­ert. Doch Men­schen, die sich
gegen diese Igno­ranz und die durch das Wegse­hen gekennze­ich­nete Feigheit
wehren, wer­den diskri­m­iniert und verspot­tet. Arbeit wird auf ein­mal nicht
mehr anerkan­nt, Courage wird ins Lächer­liche gezo­gen, es wird erwartet das
men­sch Ide­ale und Prinzip­i­en ver­rät um sich dem all­ge­meinen
Gesellschaftssys­tem angenehm zu machen. Men­schen aber, die an diesen ihren
Ide­alen, Prinzip­i­en und Visio­nen fes­thal­ten, so wie jedes Mit­glied der Bad
Freien­walder Alter­na­tive e.V., wer­den dafür verurteilt! Diskri­m­inierung,
Dif­famierung und Ver­leum­dung sind wohl die „Schlachtwörter“, die sich
Neon­azis, Stadt und, das ist das schlimm­ste an der Geschichte,
antifaschis­tis­che Jugend­grup­pen auf die Fah­nen geschrieben haben. Es ist
ver­ständlich, dass die Nazis ein Prob­lem mit alter­na­tiv­en Jugendlichen
haben. Es ist auch ver­ständlich, dass diese Jugendlichen ein Dorn im Auge
der Stadt sind, da sie keinen guten Ein­druck auf Gäste des schö­nen
Kurstädtchens machen. Aber was ist das Prob­lem von eini­gen
Antifaschis­tenIn­nen der Stadt und der Umge­bung? Warum behar­ren diese auf
der Nut­zlosigkeit der Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V.?

Oft mussten sich Mit­gliederIn­nen des Vere­ins Vor­würfe anhören, sie kön­nten
nur „saufen und kif­f­en wie auf Mal­lor­ca“ und wür­den so etwas wie
poli­tis­che Arbeit nicht ken­nen. Dabei haben diese Leute, die solche Lügen
ver­bre­it­en nicht annäh­ernd eine Ahnung davon, was sich im Gebäude des
Off­is, in dem sich auch die Räum­lichkeit­en der Bad Freien­walder
Alter­na­tive e.V. befind­en, hin­ter ver­schlosse­nen Türen abspielt! Keine
antifaschis­tis­che Gruppe außer der Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. und
der Antifa Bad Freien­walde besitzt die nöti­gen Ken­nt­nisse über Eini­gun­gen
zwis­chen Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. und SPI, um darüber urteilen zu
kön­nen, ob die Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. wirk­lich unpoli­tisch ist,
oder ob sie vielle­icht ein­fach nur nicht die Möglichkeit­en hat, die sie
gerne hätte. Denn das SPI nimmt bei der Pla­nung der eige­nen
Ver­anstal­tun­gen keine Rück­sicht auf den Vere­in gle­ich nebe­nan und was der
vielle­icht vorhat­te. Dann wird von diesem Vere­in Geld einge­fordert, dass
so schnell wie möglich, so unkom­pliziert wie möglich und jugendgerecht wie
möglich ver­di­ent wer­den muss. Manche mögen diese Art von Geld ver­di­enen
ein­fach nur „Par­ty machen“ nen­nen, doch das liegt nur daran, dass die
Leute, die es kri­tisieren, ein­fach nur nicht von einem anderen Stand­punkt
aus sehen wollen! Jugendliche haben die Gele­gen­heit soziale Kon­tak­te zu
knüpfen und zu pfle­gen.

Wer diese Gele­gen­heit wahrn­immt und wer nicht, ist dann den Per­so­n­en
selb­st über­lassen, aber es ist der Vere­in der diese Gele­gen­heit über­haupt
erst möglich macht. Jugen­dar­beit ist eines der Haup­tauf­gaben­felder der Bad
Freien­walder Alter­na­tive e.V. und wie sollte sie son­st noch prak­tiziert
wer­den? Von den bish­eri­gen Kri­tik­ern kamen bish­er nie pro­duk­tive
Vorschläge, was geän­dert wer­den sollte. Nein
, das Wort Kri­tik definiert
sich hier ganz neu. Zum Beispiel: Mit­gliederIn­nen des Vere­ins wer­den als
unter­drück­end und unmen­schlich betitelt und gle­ichzeit­ig als
„BFA-Schweine“ beze­ich­net. Wo also begin­nt nach Bad Freien­walder
Def­i­n­i­tion Unmen­schlichkeit? Diese Unmen­schlichkeit soll ange­blich eine
Schwäche der Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. sein, doch sind die
Kri­tik­er mit ihrem an den Tag gelegten Ver­hal­ten doch noch viel
unmen­schlich­er! Stelle men­sch sich das mal vor: Linke Jugendliche
belei­di­gen und verurteilen einen linken Vere­in, weil dieser ver­sucht sich
gegen das Sys­tem der vielfälti­gen Nazistruk­turen und den
gesellschaftlichen Wun­schzustän­den aufzulehnen. Die einzi­gen Men­schen, die
diese unl­o­gis­chen Gedankengänge noch logisch nachvol­lziehen kön­nen, sind
wohl die, die das unl­o­gis­chste und ein­seit­ig­ste Han­deln an den Tag leg­en.

Linke Struk­turen unter­stützen und nicht zer­schla­gen, Sol­i­dar­ität mit der
Bad Freien­walder Alter­na­tive e.V. !!

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