10. Mai 2003 · Quelle: LR

Everything must be destroyed”: Streit um Plakat im “Glad-House”

(Lausitzer Rund­schau, Cot­tbus) Ein Kul­turstre­it ist um ein Plakat im Glad-House ent­bran­nt. Es wirbt mit dem
Plat­ten­ti­tel «Every­thing must be destroyed» (alles muss zer­stört wer­den) für die aktuelle Tour der Band «Uncle Ho» , und Glad-House-Chef Jür­gen Dulitz musste sich jet­zt im Kul­tur­auss­chuss gegen den Vor­wurf der
Gewaltver­her­rlichung wehren.

Seit mehr als zehn Jahren leit­et Jür­gen Dulitz das Glad-House in der Straße der Jugend. Nach so langer Zeit müsste man eine dicke Haut bekom­men — doch als Dulitz abends an der Bar vor dem Obenk­i­no sitzt, wirkt er gar nicht
dick­häutig. Eher ziem­lich irri­tiert.

Ein Plakat hat ihn aus der Bahn gewor­fen. Bess­er: der Stre­it um dieses Plakat. Denn als Jür­gen Dulitz das Poster in seinem Haus anbrin­gen ließ, hätte er nie damit gerech­net, dass es ihm Ärg­er brin­gen kön­nte. Klar, «Every­thing must be destroyed» ste­ht auf dem Plakat, aber hat die Band «Ton,
Steine, Scher­ben» nicht schon in den 70er-Jahren gerufen: «Macht kaputt, was euch kaputt macht» « Was ist mit der Textzeile «Wir geben dir Sex und Gewalt» , die von ein­er der größten Bands der Welt stammt, den «Rolling
Stones» » Stört sich daran heute jemand«

Der sich so viele Fra­gen stellen muss, bere­it­et sich auf eine Stel­lung­nahme im Kul­tur­auss­chuss vor. «Mir dro­ht die Stre­ichung mein­er Sub­ven­tio­nen», sagt Dulitz, und er sieht blass aus. «Das ist bit­ter­er Ernst. Ich kann doch
da nicht mit kul­tur­the­o­retis­chen Über­legun­gen kom­men.»

Bit­ter­er Ernst ist die Angele­gen­heit auch für den CDU-Stadtverord­neten Dr. Josef Horn­trich. Er erk­lärt im Kul­tur­auss­chuss, ihn hätte die Auf­schrift des Plakats «ver­stört» . Denn wer im Glad-House solche Sprüche liest, so lautet seine Schlussfol­gerung, dessen Hemm­schwelle gegenüber Gewalt kön­nte ja sinken. «Da muss man sich nicht wun­dern, wenn Warte­häuschen und Papier­stän­der zerk­lopft wer­den.» Über­haupt füge das Plakat dem Ruf des Glad-Hous­es Schaden zu — selb­st wenn die Aus­sage «nicht so gemeint» sei. «Am
Plakat hängt ja keine Erk­lärung» , sagt Horn­trich.

Dem Glad-House-Chef springt Kul­tur­amt­sleit­er Bernd War­chold zur Seite. Zunächst wird er grund­sät­zlich: Für das Haus an der Straße der Jugend gelte natür­lich das Cre­do der Gewalt­losigkeit. Dann ent­geg­net er Horn­trichs Aus­führun­gen mit einem nicht min­der destruk­tiv­en Zitat, das an deutschen
Schulen gelehrt wird — und aus dem «Faust» von Johann Wolf­gang von Goethe stammt: «Denn alles, was entste­ht, ist wert, dass es zu Grunde geht.»

Auch die Auss­chuss-Vor­sitzende Ute Schnei­der (SPD) glaubt nicht daran, dass ein solch­es Plakat zu Gewalt ans­tiftet. «Wenn man bei der Kul­tur so strenge Maßstäbe anle­gen wollte, müssten auch manche expres­sion­is­tis­chen Kunst­werke
ver­schwinden.» Die SPD-Stadtverord­nete Dr. Mar­ti­na Münch (SPD) wün­scht sich eben­falls mehr Tol­er­anz, und sie erk­lärt: «Pornografie stört mich mehr.»

Und der Glad-House-Chef» Kann aufat­men, da seine Sub­ven­tio­nen nicht gestrichen wer­den. Vor dem Kul­tur­auss­chuss räumt er allerd­ings ein: «Das Plakat ist
min­destens geschmack­los und dur­chaus strit­tig. Vom ersten Tag an herrscht jedoch Glad-House Übere­in­stim­mung darüber, was nicht geduldet wird: Bands, die Gewalt, Ras­sis­mus oder Sex­is­mus ver­her­rlichen, neon­azis­tis­che Sub­kul­tur
und Hooli­gan-Bands.»

Gar nicht ver­ste­hen kann man den Stre­it bei der Zen­trale von «Sony­mu­sic», der Plat­ten­fir­ma der Band «Uncle Ho» in Frank­furt am Main. «Das ist das erste Mal , dass wir mit einem solchen Vor­wurf kon­fron­tiert wer­den» , sagt
eine Mitar­bei­t­erin. «Die Musik­er haben nichts mit Gewaltver­her­rlichung am Hut.» Doch ihre Begrün­dung weist darauf hin, dass der Satz «Alles muss zer­stört wer­den» auch in ein­er Plat­ten­fir­ma für Sprengkraft sor­gen kann:
«Wir haben die Sin­gle mit gle­ichem Namen ja extra wegen des Golfkrieges zurück­ge­zo­gen.»

Siehe auch: www.gladhouse.de

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