15. März 2004 · Quelle: MAZ

Flaschen und Stühle auf Polizisten

NEURUPPIN Es ist jet­zt zweiein­halb Jahre her, dass der Witt­stock­er
Jugend­klub “Havan­na” ver­wüstet wurde. Die Schä­den sind mit­tler­weile in
Eige­nar­beit beseit­igt wor­den.

Trotz­dem ist der Vor­fall nicht erledigt. Seit dem 8. März ste­hen neun junge
Män­ner zwis­chen 18 und 28 Jahren unter anderem wegen Wider­stands gegen
Voll­streck­ungs­beamte und Land­friedens­bruchs vor dem Landgericht Neu­rup­pin.
Laut Anklage wur­den bei diesem Tre­f­fen der recht­en Szene in voller
Laut­stärke ver­botene CDs abge­spielt. Als die Polizei die Ver­anstal­tung
auflösen wollte, ver­bar­rikadierten Par­tygäste die Ein­gangstür und war­fen mit
Flaschen und Stühlen nach den Beamten. Dabei sollen die neun Angeklagten
kräftig mit­gemis­cht haben, so der Staat­san­walt. Zu diesen Vor­wür­fen woll­ten
sich die aus­nahm­s­los schon vorbe­straften Angeklagten am ersten
Ver­hand­lungstag nicht äußern. Gestern jedoch machte Christo­pher H. als
Erster den Mund auf.

“Es war eine Feier, wie die so sind”, erk­lärt der 19-Jährige: viele Leute,
Musik und Alko­hol. Szene­typ­is­che rechte Musik — es kön­nen auch die “Landser”
gewe­sen sein — wurde gespielt, sagt der Witt­stock­er. Er habe nur die
Ein­heimis­chen gekan­nt, aber es seien auch viele Gäste von außer­halb da
gewe­sen. Den Hit­ler­gruß habe er gezeigt, das sei richtig. Aber das sei nicht
seine Idee gewe­sen, er habe nur mit­gemacht.

“Auf ein­mal war das Licht aus”, erzählt Christo­pher H. Flaschen und Stüh­le
flo­gen durch den Raum. Einige standen am Fen­ster und schnappten nach Luft.
Er selb­st habe seine Bier­flasche nur wegge­wor­fen, um zwei Stre­i­thähne
auseinan­der zu brin­gen. Dass draußen die Polizei stand, habe er nicht
gese­hen, nur gehört. Und auch wer die Bar­rikaden gebaut und mit Gegen­stän­den
gewor­fen hat, wisse er nicht: “Die Leute waren ver­mummt, hat­ten kurze Haare.
Die sahen alle gle­ich aus.”

Völ­lig unbeteiligt an der Ran­dale war nach eige­nen Angaben Enri­co S. Statt
mitzu­machen habe er die Leute aufge­fordert, die Bar­rikaden abzubauen und
keine Flaschen aus dem Fen­ster zu schmeißen. Eine Bier­flasche habe er selb­st
nur gewor­fen, um dieser Auf­forderung Nach­druck zu ver­lei­hen, sagte der
26-Jährige. Eigentlich wollte er draußen nur mit der Polizei reden. Doch
statt ein­er Antwort habe ihm ein Beamter Pfef­fer­spray in die Augen gesprüht.
Ungläu­big schüt­telte die Staat­san­wältin den Kopf: “Sie gehen fre­undlich auf
den Polizis­ten zu und der sprüht direkt mit Pfef­fer­spray?”

Am 22. März wird der Prozess mit Zeu­gen fort­ge­set­zt.

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