26. Februar 2002 · Quelle: Beratungsstelle

Frankfurt (Oder): Schwere Verletzungen nach Angriff durch rechte Jugendliche

Pressemit­teilung

Am Abend des 22.02.2002 grif­f­en im Stadtzen­trum von Frank­furt (Oder) mehrere Dutzend offen­sichtlich rechts­gerichtete junge Men­schen Frank­furter Jugendliche an. Hier­bei kam es zum Teil zu erhe­blichen Ver­let­zun­gen. Ein junger Mann wurde von den Tätern so bru­tal zusam­mengeschla­gen, dass er ins Kranken­haus ein­geliefert wer­den musste. Einem weit­eren jun­gen Mann wurde u.a. mit ein­er Schreckschusspis­tole auf den Kopf geschla­gen. Andere kon­nten sich nur ret­ten, weil sie die Flucht vor den stark alko­holisierten Recht­en ergrif­f­en haben. Die Polizei reagierte aus Sicht der Betrof­fe­nen nur unzulänglich.

Bere­its seit etwa 19.30 Uhr kam es im Bere­ich Oderturm/Lennépassagen zu Ansamm­lun­gen von offen­sichtlich rechts­gerichteten Men­schen. Schon auf dem Weg dor­thin pöbel­ten diese andere Pas­san­ten an. Etwa 20.30 Uhr ent­deck­ten sie eine Gruppe alter­na­tiv­er Jugendlich­er am alten Kino. Mit Bier­flaschen in den Hän­den liefen die Recht­en ziel­stre­big auf die Gruppe zu. Dort angekom­men, fin­gen sie sofort an zu schub­sen und auf die noch Anwe­senden einzuschla­gen. Die Täter schreck­ten auch nicht davor zurück, ihre schon auf dem Boden liegen­den Opfer zu mal­trätieren. Immer wieder schlu­gen und trat­en sie auf die Jugendlichen ein.

Der Polizeinotruf reagierte auf die Hil­fer­ufe von Betrof­fe­nen, es wür­den mehrere Dutzend „Faschis­ten auf einige Jugendliche ein­schla­gen“, mit dem Kom­men­tar, dass nicht alle Glatzen Rechte wären.

Die Polizei, die kurze Zeit später mit eini­gen Beamten vor Ort war, ver­hielt sich nach Augen­zeu­gen­bericht­en auf­fal­l­end pas­siv und beschränk­te sich auf das Beobacht­en. Die Täter kon­nten sich zumeist unbe­hel­ligt weit­er im Tatort­bere­ich, rechte Parolen grölend, aufhal­ten.

Opfer und Zeu­gen, die inzwis­chen zur Anzeige­nauf­gabe auf der Polizei­wache erschienen waren, wur­den über eine Stunde allein­ge­lassen. Nur auf Betreiben eines sich nicht im Dienst befind­lichen Krim­i­nal­beamten began­nen die Vernehmungen dann endlich. Der Vernehmungs­beamte machte jedoch den Anschein, äußerst unwillig zu sein. Ein Jugendlich­er berichtete über seine Vernehmung, dass ihn der Vernehmungs­beamte wüst attack­iert habe. Auf die Aus­sage des Jugendlichen, ihn hät­ten „mehrere Faschis­ten“ u.a. mit ein­er Schreckschusspis­tole auf den Kopf geschla­gen, habe der Vernehmungs­beamte höchst unge­hal­ten reagiert. Er habe den Jugendlichen ange­herrscht, wie er „die Täter ein­fach als Faschis­ten beze­ich­nen“ könne, die sich prügel­nden „Idioten seien sowieso alle gle­ich“. Der Jugendliche ver­ließ daraufhin mit den anderen anwe­senden Zeu­gen die Polizei­wache. Zu ein­er Anzeige­nauf­gabe kam es auf­grund des Ver­hal­tens dieses Vernehmungs­beamten nicht mehr.

Die Beratungsstelle wird diesem Geschehen nachge­hen und eine Dien­stauf­sichts­beschw­erde bei der Polizei ein­re­ichen.

Die Beratungsstelle kri­tisiert den Umgang mit den Opfern. Dass die Ange­grif­f­e­nen auf der Polizei­wache offen­bar nicht ernst genom­men und ver­bal attack­iert wur­den, zeugt von man-gel­nder Ein­satzbere­itschaft und Unfähigkeit im Umgang mit Opfern. Auch hier muss die Arbeit der Polizei im Kampf gegen Recht­sex­trem­is­mus anset­zen. Opfer, die so unsen­si­bel behan­delt und attack­iert wer­den, wer­den davon abge­hal­ten in Zukun­ft solche Sachver­halte bei der Polizei anzuzeigen, oder auch nur als Zeu­gen zur Ver­fü­gung zu ste­hen. Dies führt dazu, dass Straftat­en im Dunkeln bleiben. Die Folge ist, dass die Täter staatliche Repres­sion nicht zu spüren bekom­men und sich in ihrem Han­deln bestärkt fühlen.

Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt

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