14. Februar 2003 · Quelle: MOZ

Fronten im Busfahrerstreik verhärten sich

Der Arbeit­skampf der Bus­fahrer des Eisen­hüt­ten­städter Per­so­nen­nahverkehrs (EPNV) nimmt ver­schärfte For­men an.
Die Geschäfts­führung hat den Arbeit­nehmern inzwis­chen eine Aussper­rung aus­ge­sprochen. Außer­dem erstat­tet die Geschäfts­führung Anzeige bei der Polizei, nach­dem ein Bus manip­uliert und fahrun­tüchtig gemacht wor­den ist. Die Streik­enden selb­st wollen heute vor das Rathaus marschieren und ihren Protest kund­tun.

Von Ver­söh­nung zwis­chen Gesellschaftern, Geschäfts­führung und Streik­enden ist keine Spur. Die Fron­ten sind ver­härtet. Wal­ter Dudek will als Geschäfts­führer des EPNV Anzeige bei der Polizei erstat­ten, nach­dem an einem EPNV-Bus, der durch ein Sub­un­ternehmen am Bus­bahn­hof abgestellt wor­den war, am Mor­gen mehrere Kabelverbindun­gen auseinan­derge­zo­gen und Relais gelöst wor­den waren. „Es beste­ht der Ver­dacht, dass am Bus manip­uliert wurde“, sagt Dudek. Die Gew­erkschaft betont, damit nichts zu tun zu haben.

Die ersten Busse von Pri­vat­fir­men befahren inzwis­chen wieder einige Lin­ien des EPNV, während dessen eigene Busse fast aus­nahm­s­los im Depot ste­hen. „Die EPNV-Busse kom­men hier nicht raus“, bestätigt Jens Gröger von der Gew­erkschaft ver.di und sig­nal­isiert wieder­holt seine Ver­hand­lungs­bere­itschaft. „Wir sind nicht die Block­ier­er“, sagt Gröger und kündigt an, mit den 40 Streik­enden heute gegen 10 Uhr vor das Rathaus ziehen zu wollen. Das Gew­erkschaft­sange­bot mit 9,5 Prozent weniger Net­toeinkom­men hält Gröger nach wie vor aufrecht. „Die Kol­le­gen sind bere­it, auf fünf Prozent ihrer Arbeit­szeit zu verzicht­en, was auch fünf Prozent weniger in der Brief­tasche aus­macht. Hinzu kom­men 4,5 Prozent weniger durch den Spar­ten­tar­ifver­trag – das sind effek­tiv 9,5 Prozent und das ist unser Ange­bot“, sagt Gröger.

Bei ihren Berech­nun­gen scheinen sich die strit­ti­gen Parteien nicht auf einen Nen­ner eini­gen zu kön­nen, denn auch Wal­ter Dudek als Geschäfts­führer hält zehn Prozent, ja selb­st 9,5 Prozent Verzicht für ver­hand­lungswürdig. „Aber die Gew­erkschaft rech­net Zusatzurlaube, die es gar nicht mehr gibt, in Geld um und kommt so zu anderen Ergeb­nis­sen“, sagt Dudek. Er hat inzwis­chen eine unbe­fris­tete Aussper­rung aus­ge­sprochen und wartet nun auf eine Reak­tion seit­ens der Gew­erkschaft.

Die Kun­den des EPNV zeigen bis­lang größ­ten­teils Ver­ständ­nis für die Kampf­maß­nahme. „Für die, die auf den Bus angewiesen sind, ist es natür­lich schlecht“, sagt Rita Arendt, find­et den Streik an sich aber schon in Ord­nung, wenn er denn angekündigt wor­den wäre. Rita Arendt nutzt die gut aus­ge­lastete City-Lin­ie 2, die sie am Don­ner­stag vom Bus­bahn­hof in den VII. Wohnkom­plex bringt. Viele andere, vornehm­lich ältere Frauen, steigen am Bus­bahn­hof zu und debat­tieren zuvor darüber, ob es nicht angenehmer gewe­sen wäre, sich zu dritt ein Taxi zu ordern. Am Steuer des MAN-Busses sitzt Unternehmerin Ange­li­ka Kus­satz. „Steigen Sie hier vorn aus, die hin­tere Tür streikt“, ruft sie fre­undlich den Fahrgästen zu, die den Bus ver­lassen wollen und sorgt angesichts der Wort­wahl für Heit­erkeit. Sie selb­st streikt nicht. Die Fir­menchefin, die mit ihren Mitar­beit­ern seit elf Jahren u.a. Behin­der­ten­trans­porte übern­immt und auch eine Lin­ie für den EPNV fährt, ist für ihren Angestell­ten einge­sprun­gen, der von den Streik­enden eingeschüchtert wor­den sein soll. Ver­ständ­nis für den Streik hat sie nur bed­ingt. „Natür­lich ist es ärg­er­lich, wenn man plöt­zlich weniger ver­di­ent, aber ich kann meinen Leuten auch keinen Tarif und schon gar kein Wei­h­nachts­geld zahlen.“ Auch darüber disku­tiert sie in den kurzen Pausen am Bus­bahn­hof mit den Gew­erkschaftsvertretern, die ihr ins Gewis­sen reden wollen. Doch streiken kommt für die Geschäfts­frau und Bus­fahrerin nicht in Frage: „Ich kann doch die EPNV-Geschäfts­führung jet­zt nicht hän­gen lassen. Dann bin ich raus aus dem Geschäft“, sagt sie.

Detail­lierte Infor­ma­tio­nen zum Fahrplan des EPNV gibt es unter der Rufnum­mer (03364) 40 26 11
Fre­itag, 14. Feb­ru­ar 2003 (08:39 Uhr)

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