14. Februar 2003 · Quelle: Kampagne gegen Wehrpflicht

Beweisvideos manipuliert (?)

Am 10.02. fand vor dem Amts­gericht Pots­dam der nun­mehr 6. Ver­hand­lungstag im Prozeß wegen
Übler Nachrede gegen den Kam­pagne-Aktivis­ten Lutz Boede statt. Noch immer geht es um Vor­würfe, die in den PNN gegen die Polizei erhoben wur­den, nach­dem sie das zuvor von
Hertha-Fans und Nazis ange­grif­f­ene Wohn­pro­jekt in der Babels­berg­er Bre­itschei­d­str. 6 am 25.8.01 gestürmt und regel­recht geplün­dert hatte. 

Nach­dem das Gericht inzwis­chen als wahr unter­stellt, daß die Polizei Musikan­la­gen zer­stört und das Haus ver­wüstet hat, dreht sich die Beweisauf­nahme nun vor allem um
die Frage, ob Polizis­ten auch Getränke und Bargeld gestohlen und in Pol­ster­mö­bel gepinkelt haben. 

Der 6. Ver­hand­lungstag war sich­er ein­er der bis­lang bizarrsten. Gle­ich 16 Polizis­ten drängten sich im Flur. Grund dafür war der Umstand, daß die Rich­terin den Antrag der Vertei­di­gung, eine Liste der einge­set­zten Polizis­ten erstellen zu lassen, zuvork­om­mend in eine pauschale Ein­ladung an alle einge­set­zten Beamten umgewandelt
hat­te. Die meis­ten Polizis­ten waren nicht ein­mal im Haus gewe­sen. Wer dies den­noch aus­sagte, wurde kurz und bündig gefragt: “Haben Sie Getränke getrunk­en, die Ihnen
nicht gehörten? Haben Sie Geld geklaut? Haben Sie in Pol­ster­mö­bel uriniert?” Nach den ein­hel­li­gen Vernei­n­un­gen hat­te die Rich­terin keine Fra­gen mehr. Die 16
Polizis­ten wur­den im Schnell­durch­lauf abgear­beit­et, weil “die Wache Babels­berg ihre Leute wieder zurück­braucht”. So blieb noch Zeit für eine zweite große Panne bei der Vor­führung der Videos. In den vorigen Ver­hand­lungsta­gen war ein offen­sichtlich geschnittenes Videoband gezeigt wor­den, das die von den Polizeiein­satzhun­dertschaften ange­fer­tigten Videos zeigen sollte. Die ver­meintlichen Orig­i­nalka­s­set­ten aus den Polizeikam­eras befan­den sich in der Akte. Die Richterin
war davon aus­ge­gan­gen, daß diese nur 1:1 auf eine große Kas­sette über­spielt wur­den, die ja bere­its vorge­führt wurde. Zu ihrer offen­sichtlichen Verblüf­fung zeigten die
nun auf Antrag der Vertei­di­gung ein­gelegten Videos nur Szenen von Bauar­beit­en im Ersat­zo­jekt in der Zep­pelin­straße, in das die Bre­iti inzwis­chen umge­zo­gen ist. 

Wie diese Auf­nah­men in die Akte gekom­men sind, blieb eben­so rät­sel­haft wie die Frage, wo denn die ungekürzten Orig­i­nalauf­nah­men geblieben sind. 

Der näch­ste und vielle­icht let­zte Ver­hand­lungstag find­et am Mittwoch, dem 19.02.03 9.30 Uhr statt. Hier wer­den noch zwei unab­hängige Zeug­in­nen, die die Fes­t­nahme vor
dem Haus beobachtet haben und der für die Durch­suchung ver­ant­wortliche Polizist
aus­sagen. Dann fol­gen die Abschlußplädoyers.

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