16. August 2005 · Quelle: MOZ

Fünf Cent je Bürger sichern das Asyl

Straus­berg (MOZ) Der Fortbe­stand des einzi­gen Frauen­haus­es in Märkisch-Oder­land gle­icht jedes Jahr ein­er Zit­ter­par­tie. Auch in diesem Jahr fürchtet der DRK-Kreisver­band Straus­berg, auf den Sach- und Betrieb­skosten nahezu allein sitzen zu bleiben. Angesichts knap­per Gemein­dekassen bleiben solche frei­willi­gen Auf­gaben zunehmend auf der Strecke.

Fünf Cent sind nicht viel. Fünf Cent pro Ein­wohn­er — ist beim DRK ein­mal aus­gerech­net wor­den — müssten aus den Kom­munen von MOL kom­men, um einen Teil der Kosten für den Betrieb eines Frauen­haus­es deck­en zu kön­nen. Dazu die jährlich vom Land gezahlte feste Summe und das Geld vom Land­kreis.

Doch so ein­fach ist das nicht. “Während das Land gemäß der Richtlin­ie zahlt und sich auch der Land­kreis beteiligt, müssen wir als DRK-Kreisver­band inzwis­chen jährlich 13 000 Euro selb­st zuschießen”, rech­net der Straus­berg­er DRK-Geschäfts­führer Frank Langisch vor. Das sei mehr als der Anteil des Kreis­es. Vor drei Jahren, als das DRK das Haus über­nahm, waren es 3000 bis 4000 Euro. Denn immer mehr Kom­munen messen in Zeit­en anges­pan­nter Kassen­lage ein­er solchen frei­willi­gen Auf­gabe nur eine unter­ge­ord­nete Bedeu­tung bei. Zahlun­gen bleiben zunehmend aus.

Dabei sind es keineswegs Unsum­men, auf die beim DRK Straus­berg jedes Jahr aufs Neue gehofft wer­den. “Die fünf Cent pro Ein­wohn­er wür­den für Straus­berg beispiel­sweise 1318,50 Euro bedeuten”, sagt Ravin­dra Gujju­la, der DRK-Kreisvor­sitzende. Wenn er lese, was ger­ade durch Spon­sor­ing alles abgesichert werde, dann seien doch auch hier­für Zuwen­dun­gen vorstell­bar. “Oder sind es diese Frauen nicht wert, dass ihnen Hil­fe zuteil wird?”

Hinge­gen ist es für einige Kom­munen trotz anhal­tender Geld­sor­gen zu höchst anerken­nenswert­er Nor­mal­ität gewor­den, kon­se­quent für die Zuflucht Suchen­den jährlich zwis­chen 250 und 500 Euro bei­seite zu leg­en. Fred­er­s­dorf-Vogels­dorf, Hoppe­garten, Alt­lands­berg, Neuen­hagen, Seelow und Letschin betra­cht­en es als notwendi­ge Kür, eine solche Ein­rich­tung vorzuhal­ten. Selb­st wenn es Frauen aus ihren Orten möglicher­weise gar nicht bet­rifft.

Genau das hat schon vor Jahren im Denken der poli­tis­chen Entschei­dungsträger oft eine vorder­gründi­ge Rolle gespielt: Der Nach­weis über die Auf­nahme von Frauen aus der eige­nen Kom­mune. “Ein falsches Denken”, appel­liert das DRK. Wer ver­mag schon zu sagen, aus welchem Ort von MOL Hil­febedürftige kom­men wer­den? “Wir sind jeden­falls das ganze Jahr über durchgängig belegt”, ver­weist Langisch auf die Sta­tis­tik der Ein­rich­tung mit vier Zim­mern für bis zu sieben Per­so­n­en — 2004 waren es 35 Frauen mit 21 Kindern.

Ein­deutig kon­träre Auf­fas­sun­gen in den Orten zur Zahlung sind dabei eher sel­ten. In Peter­sha­gen-Eggers­dorf beispiel­sweise sind im Haushalt 2004 wie auch 2005 ins­ge­samt 1000 Euro für die Betriebskosten/Unterbringung von REKIS, für Sucht­be­treu­ung und Ähn­lich­es eingestellt. “Auf den entsprechen­den Antrag hin wür­den wir das natür­lich prüfen”, sagt Käm­merin Hiltrud Ryborz. Der jährliche Bit­tbrief des DRK-Kreisver­ban­des, der im Vor­feld der Haushalt­s­pla­nung an die Kom­munen geht, reicht hier wie ander­swo offen­bar nicht. “Für die Rech­nung­sprü­fung brauchen wir im laufend­en Jahr nochmals die konkrete Anforderung”, so die Dop­pel­dorf-Käm­merin.

Ob es jedoch genügt, das Gelde­in­forderungs-Rit­u­al seit­ens des DRK zu verän­dern, ist angesichts der Geld­not in Gemein­dekassen anzuzweifeln. Wenn Sozialmin­is­terin Dag­mar Ziegler Ende August dem Haus einen Besuch abstat­tet, wird es daher auch um die Frage Pflich­tauf­gabe gehen. Oder eine noch weit­er abge­speck­te Vari­ante: eine Miet­woh­nung. Anonymität und Sicher­heit zu gewährleis­ten, wird damit aber noch schwieriger.

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