9. Oktober 2012 · Quelle: Antifaschistisches Pressearchiv Brandenburg/Havel und Potsdam (Mittelmark)

Gedenkkundgebung für Rolf Schulze

Am 20. November 2012 jährt sich der Todestag von Rolf „Rolli“ Schulze zum 20. Mal und wir wollen dem Opfer (neo)nazistischer Gewalt würdig gedenken.

Aber wer war Rolf Schulze?
Wenig ist über ihn bekan­nt. Er war ein stadt­bekan­nter Obdachlos­er in Zossen und ist wieder­holt Opfer von Gewalt­tat­en (neo)nazistischer Skin­heads gewe­sen. Am Abend des 7. Novem­ber 1992 war er auf dem Schöne­felder Bahn­hof, als er auf die drei beken­nen­den (Neo)nazis Thomas S., Daniel K. und Mar­co W. traf. Diese kamen ger­ade aus ein­er Dis­cothek und gin­gen mit Messern und Base­ballschlägern bewaffnet „auf Patrouille“. Sie woll­ten „Pen­ner ver­scheuchen“ und „Frust ablassen“. Sie lock­ten den Woh­nungslosen in ein zuvor gestohlenes Auto und fuhren zum
Kolpin­see bei Lehnin (Pots­dam-Mit­tel­mark). Dort angekom­men begann das langsame Ster­ben von Rolf Schulze. Er wurde durch Tritte und Schläge ver­let­zt. Dann holten die Täter eine rund 5 kg schwere Propan­gas­flasche aus dem Auto und schlu­gen damit auf ihr Opfer ein. Als näch­stes zer­rten sie den wehrlosen Mann in den See und hiel­ten seinen Kopf zwis­chen drei und fünf Minuten unter Wass­er. Schlussendlich über­gossen sie Rolf Schulze mit Ben­zin und zün­de­ten ihn an. Der Gerichtsmedi­zin­er kon­nte cir­ca 30 Ver­let­zun­gen, darunter Prel­lun­gen, Quetschun­gen und Platzwun­den im Kopf­bere­ich fest­stellen.

Die Iden­ti­fizierung des Opfers nahm einige Tage in Anspruch und die Täter blieben flüchtig. Erst eine Woche
später kon­nte der erste, Ende Novem­ber der zweite Täter gefasst wer­den. Anfang Dezem­ber, nach ein­er bun­desweit­en Fah­n­dung, stellte sich der dritte Jugendliche.

Die zwei 18jährigen und der 16jährige waren in der (neo)nazistischen „Nation­al­is­tis­chen Front“ in Lud­wigs­felde und in der Wehrsport­gruppe „Schöne­felder Sturm“ organ­isiert und sind schon etliche Jahre im (neo)nazistischen Milieu aktiv. Sie wur­den zu sieben und neun Jahren nach Jugend­strafrecht verurteilt. Nach dem Prozess ver­lieren sich ihre Spuren und es ist nicht bekan­nt, ob sie noch poli­tisch aktiv sind.

Dem Opfer Rolf Schulze wurde seit seinem Tod wenig medi­ale Beach­tung geschenkt. Das soll sich dieses Jahr ändern, so ist am 20. Novem­ber um 18 Uhr auf dem Mark­t­platz in Lehnin eine Gedenkkundge­bung geplant. Des Weit­eren gibt es am 29. Okto­ber um 20 Uhr im Haus der Offiziere (HdO), im Rah­men der „Antifaschis­tis­chen Aktionswochen“, organ­isiert von der Bran­den­burg­er Antifa, in Brandenbug/Havel eine Infor­ma­tionsver­anstal­tung des „Antifaschis­tis­chen Presse- und Recherc­hearchivs Brandenburg/Havel und Pots­dam-Mit­tel­mark“ zu diesem Ver­brechen mit dem Titel „Rolf Schulze – ein (fast) vergessen­er Mord“.

Unser Ziel auf lange Sicht ist es, ein regelmäßiges Gedenken durchzuführen und eine Gedenk­tafel zu ini­ti­ieren, denn wir vergessen die Opfer (neo)nazistischer Gewalt nicht.

Nie­mand ist vergessen!

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