10. Oktober 2012 · Quelle: Störungsmelder

Mit Hitler-Gedenk-Tour zum Europameistertitel

Cottbus - In den letzten Jahren wurden mehrfach Fälle von Neonazis im Bezug auf den regionalen Sport in Südbrandenburg aufgedeckt. Nun gibt es erneut einen Fall, der für einen Skandal sorgt.

Und wieder beim Kick­box-Team Cot­tbus 09 e.V. (KBTC). Der frisch gekürte Europameis­ter im Kick­box­en Mario Schulze soll 2011 an ein­er Mal­lor­cafahrt teilgenom­men und dabei ein T‑Shirt getra­gen haben, das sich pos­i­tiv auf Adolf Hitler bezog.

Aus diesem Grund bekam er einen Straf­be­fehl wegen Volksver­het­zung, welchen er akzep­tierte. Der KBTC stellt sich vor seinen Sportler. Dem Vere­in reicht die Aus­sage, dass Schulze das besagte T‑Shirt nicht getra­gen, son­dern es nur im Kof­fer ver­staut hat­te.

Am Abend des 06.10.2012 fand in Cot­tbus der Europameis­terkampf von Mario Schulze statt. Bei einem Sieg winkt das Profigeschäft für den den Kämpfer und auch für den Vere­in bedeutet dies Mehrein­nah­men, TV-Über­tra­gun­gen, große Kämpfe und mehr Zulauf. Das Prob­lem mit einem recht­en Kämpfer ist zeitlich daher unpassend für den Vere­in. Neben dem Vere­in stellt sich auch der Geschäfts­führer des Vere­ins “Manne e.V.”, Eike Schwarz, vor den Sportler. Für den Vere­in arbeit­et Schulze als freier Mitar­beit­er im Bere­ich des Anti-Gewalt-Train­ing und leit­et dort Train­ing­sein­heit­en.

Schwarz meint, dass sich Schulze ent­ge­gen der Gruppe, mit der er unter­wegs gewe­sen sei, ver­hal­ten habe, in dem er das T‑Shirt nicht trug, son­dern nur bei sich hat­te und dass eben dieses Ver­hal­ten Respekt ver­di­ent. Ein Sprech­er der Staat­san­waltschaft Dres­den indes betont, dass aus der Akte klar her­vorge­ht, dass Schulze in ein­er Gruppe von 18 Lausitzer Sportlern am Flughafen auf dem Weg von Dres­den nach Mal­lor­ca wegen des Tra­gens des Shirts aufge­fall­en sei und dass daraufhin die Per­son­alien der Reisenden über­prüft wur­den. Erst beim Rück­flug, als die T‑Shirts beschlagnahmt wer­den soll­ten, war auch das von Schulze im Kof­fer ver­staut. Für die poli­tis­che Spitze der Stadt reicht dies schein­bar nicht aus. Sie boykot­tieren Schulzes‘ Kampf und wollen erst sehen, dass es keinen „Hauch von recht­sradikaler Infil­tra­tion gibt“, so der Beige­ord­nete Lothar Nicht. Mario Schulze sel­ber dis­tanzierte sich von Neon­azis und sein Vere­in pflichtete ihm bei und beze­ich­nete ihn „als Vor­bild, der täglich Werte wie Tol­er­anz und Demokratie lebe“ Allerd­ings sieht das der Ver­fas­sungss­chutz, welch­er die Stadt Cot­tbus kurz vor dem Kampf auf Anfrage auf Schulze und dessen Kon­tak­te hin­wies.

Unab­hängig vom Tra­gen besagten T‑Shirts fiel Schulze als Teil­nehmer ein­er Geburt­stags­feier seines ehe­ma­li­gen Kick­box-Kol­le­gen Markus Walzuck auf. Dieser war bere­its Anfang des Jahres wegen Kon­tak­ten in die rechte Szene aus dem Vere­in geflo­gen. Diese Feier mit 40 weit­eren Per­so­n­en wurde von der Polizei nach Anwohnerbeschw­er­den wegen laut abge­spiel­ter Neon­az­imusik aufgelöst. Bei der anschließen­den Über­prü­fung der Per­son­alien fiel sein Name auf, sowie die Namen von mehreren Per­so­n­en der recht­en Szene aus Cot­tbus und dem Umland, weshalb der Ver­fas­sungss­chutz dies als rechte Par­ty deklar­i­erte.

Bere­its Anfang des Jahres warnte der bran­den­bur­gis­che Ver­fas­sungss­chutz vor der Unter­wan­derung des Kampf­s­ports in Bran­den­burg durch Neon­azis. Fest­gestellt wurde, dass Neon­azis „den Kampf­s­port für Agi­ta­tio­nen“ nutzen und gle­ichzeit­ig ein neon­azis­tis­ches „Kampf­s­port­m­i­lieu her­aus­bilden“ wollen. Ein Beispiel ist hier der regionale Skan­dal um den deutschen Kick­boxmeis­ter Markus Walzuck.

Schon die Ein­lauf­musik, ein Lied der Recht­srock­band „Blitzkrieg“, hätte auf­fall­en müssen. Doch erst als im Jan­u­ar 2012 ein Gerichtsver­fahren gegen ihn wegen Volksver­het­zung lief, horcht­en die lokale Poli­tik und die Vere­in­swelt auf. Auf einem Flughafen wurde er 2010 nach ein­er Mal­lor­careise mit anderen Sportlern aus der Lausitz aufge­grif­f­en, da er T‑Shirts bei sich hat­te, auf denen pos­i­tiv Bezug auf Adolf Hitler genom­men wurde.

Cot­tbus‘ Bürg­er­meis­ter Szy­man­s­ki grat­ulierte ihm noch Ende des Jahres 2011 zum Meis­ter­ti­tel, obwohl er schon zu dem Zeit­punkt als Neon­azi bekan­nt war. Beim Zweitli­ga­fußbal­lk­lub FC Energie Cot­tbus hat­te der Kick­box­er bis Sep­tem­ber 2011 ein Sta­dion­ver­bot, wegen „recht­sex­tremer Hand­lun­gen im Sta­dion“.

Der KBTC reagierte und Walzuck musste gehen. Inzwis­chen hat er eine Klei­dungs­marke namens „Label 23“ etabliert. Beliebt ist die Klei­dung im Hooli­gan­m­i­lieu, bei Neon­azis und Kampf­s­portlern.

Als das Kick­box-Team im Mai 2011 eine Vere­ins­fahrt nach Israel durch­führte, nah­men Walzuck und ein weit­er­er Sport­skam­er­ad an dieser Fahrt nicht teil. Hin­ter­grund waren die ihm nachge­sagten und inzwis­chen bestätigten Kon­tak­te zur neon­azis­tis­chen Szene. Die weit­ere Per­son, die nicht mit­fuhr, ist bis­lang unbekan­nt.

Doch Neon­azis find­en auch in ihrer neon­azis­tis­chen Erleb­niswelt die Möglichkeit, dem Kampf­s­port zu frö­nen. Das Neon­azinet­zw­erk „Spreelichter“ organ­isierte eigene Kampf­port­turniere in Süd­bran­den­burg. Im Novem­ber 2011 kur­sierte hier­für ein Video im Inter­net, welch­es aufrief, sich beim „Kampf­s­port­turnier des Wider­stands 2011“ anzumelden. Das Net­zw­erk der Spreelichter erlitt Anfang des Jahres einen schw­eren Schlag, da es zur inzwis­chen ver­bote­nen „Wider­stands­be­we­gung in Süd­bran­den­burg“ gehörte. Objek­te die unter anderem durch­sucht wur­den, waren eine Art Vere­inssitz der „Spreelichter“ in Cot­tbus sowie die Woh­nung von Walzuck.

Laut den Recherchen der Lausitzer Rund­schau gibt es indes Hin­weise, dass neben dem deutschen Meis­ter Walzuck und dem frischge­back­e­nen Europameis­ter Schulze einen weit­eren Sportler beim KBTC gibt, welch­er direk­te Kon­tak­te in die Neon­aziszene hat.

Beobachter weisen seit Jahren auf eine gefährliche Mis­chung aus Hooli­gan­is­mus und Neon­aziszene in der Lausitz. Gab es bis­lang meist nur bei den Fans des örtlichen Fußbal­lvere­in Energie Cot­tbus Prob­leme, ste­ht jet­zt auch endgültig der Cot­tbusser Kick­box-Klub im Zugzwang. Er muss sich entschei­den, wie er mit Mit­gliedern umge­ht, die kein Geheim­nis aus ihrer Nähe zur recht­sex­tremen Szene machen.

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