9. Oktober 2012 · Quelle: Inforiot

NW-Berlin goes Brandenburg Teil 2

Rund um Horst-Wessel-Geburtstag: Anschlag auf Flüchtlingsheim in Waßmannsdorf, Angriff und Schmierereien in Zossen, auch in Berlin Anschläge.

INFORIOT – Erst vor weni­gen Wochen berichtete Infori­ot über die Welle der Gewalt durch das Neon­azinet­zw­erk „Nationaler Wider­stand Berlin“ (NW-Berlin) im Bran­den­burg­er Umland. Erneut ist es in den let­zten Tagen zu Angrif­f­en und Schmier­ereien in Bran­den­burg gekom­men. Erst in der ver­gan­gen Nacht grif­f­en Nazis eine Flüchtling­sun­terkun­ft an und unterze­ich­neten mit „NW-Berlin“. Die Tat­en ereigneten sich um den Geburt­stag des SA-Mannes Horst-Wes­sel, für die Naziszene eine zen­trale Fig­ur, in dessen Gedenken jährlich Neon­azi­ak­tio­nen stat­tfind­en.

Anschlag auf Flüchtling­sun­terkun­ft in Waß­manns­dorf

Wie der Flüchtlingsrat Bran­den­burg berichtete, wurde ver­gan­gene Nacht das Flüchtling­sheim in Waß­manns­dorf von Neon­azis ange­grif­f­en. Die TäterIn­nen zer­schnit­ten einen Zaun, ver­schafften sich somit Zugang zu dem Gelände und schmis­sen mehrere Steine und mit Farbe gefüllte Flaschen auf ein Wohn­haus. Dabei durch­brach eine Flasche eine Fen­ster­scheibe und lan­dete nur knapp neben ein­er auf dem Boden schlafend­en Asyl­suchen­den. Außer­dem wurde ver­sucht zwei Türen zu dem Gebäude aufzubrechen, was glück­licher­weise nicht gelang. Die TäterIn­nen hin­ter­ließen Hak­enkreuze, das Kürzel „NW-Berlin“ und den Schriftzug „Ros­tock ist über­all“. Let­zter­er bezieht sich auf die ras­sis­tis­chen Pogrome vor 20 Jahren, als in Ros­tock mehrere Tausend Nazis und Anwohner_innen die Zen­trale Auf­nahmestelle für Asylbewerber_innen und ein Wohn­heim für ehe­ma­lige viet­name­sis­che Vertragsarbeiter_innen angrif­f­en und dabei das Wohn­heim in Brand set­zten.

Bürg­erini­ta­tive „Zossen zeigt Gesicht“ wird erneut Opfer von Neon­azian­schlag
Auch in Zossen hin­ter­lässt NW-Berlin seine Spuren: Ende ver­gan­gener Woche wurde das Mah­n­mal für die Opfer des Faschis­mus im Zossen­er Stadt­park mit Hak­enkreuzen beschmiert. Das Kürzel „NW-Berlin“ stand daneben. Neben weit­eren Hak­enkreuzen, die in der Stadt auf­taucht­en, wur­den Stolper­steine mit schwarz­er Farbe beschmiert.

In der Nacht vom 06. zum 07. Okto­ber wurde ein Mit­glied der Bürg­erini­ta­tive „Zossen zeigt Gesicht“ Ziel eines recht­en Anschlags. An seine Hauswand wurde ein Hak­enkreuz gesprüht, der Briefkas­ten gesprengt und die Ein­gangstür mit Steinen eingeschmis­sen. Die Mit­glieder sehen sich seit der Grün­dung ihrer Bürg­erini­tia­tive im Jahre 2009 Neon­azi­at­tack­en und Ein­schüchterungsver­suchen aus­ge­set­zt. Trau­ri­gen Höhep­unkt fand die Gewalt als das „Haus der Demokratie“ von Neon­azis niederge­bran­nt wurde. Nach dem Ver­bot der Neon­azi­grup­pierung „Freie Kräfte Tel­tow Fläming“ wurde es ruhiger in der Kle­in­stadt Zossen. In let­zter Zeit häufen sich jedoch die neon­azis­tis­chen Aktiv­itäten, berichtet die Bürg­erini­ta­tive.

Zunahme der Gewalt in Zossen
Ein weit­eres Indiz für den Anstieg der Neon­azi­ak­tiv­itäten in Zossen kön­nte die Freilas­sung des Lud­wigs­felder Neon­azis Christoph Schack sein. Christoph Schack sowie sein Fre­und und Kam­er­ad Daniel Teich, der wegen der Beteili­gung an dem Bran­dan­schlag auf das Haus der Demokratie in Zossen zu ein­er mehrjähri­gen Gefäng­nis­strafe verurteilt wurde, waren führende Köpfer der 2010 ver­bote­nen Kam­er­ad­schaft „Freie Kräfte Tel­tow-Fläming“. Bei­de pfle­gen gute Kon­tak­te zu dem Neuköll­ner Neon­azi und NPD-Kan­di­dat­en Julian Bey­er. Nach dem Bran­dan­schlag auf das Haus der Demokratie wurde auch bei ihm eine Haus­durch­suchung durchge­führt, jedoch kon­nte ihm keine Mit­täter­schaft am Anschlag nachgewiesen wer­den. Julian Bey­er wird mit mehreren Neon­azian­schlä­gen und Über­grif­f­en in Berlin in Verbindung gebracht, jedoch wurde er man­gels Beweisen oder auf­grund sein­er psy­chis­chen Beein­träch­ti­gung ger­ade ein­mal zu Sozial­stun­den verurteilt.

Das jüng­sten Anschläge von „NW-Berlin“ in Bran­den­burg ste­hen nicht allein: In Fürsten­walde und Beeskow waren alter­na­tive Jugendtr­e­ffs Ziel der Neon­azis. In Storkow wurde ein link­er Jugendlich­er vor sein­er Haustür durch auf den Boden gesprühte Parolen bedro­ht. In Hen­nings­dorf führten sie Ende Juli einen Fack­el­marsch in Gedenken an einen SS-Kriegsver­brech­er durch.

Berlin: Weit­ere Aktio­nen an Horst Wes­sel Geburt­stag

Auch in Berlin waren von Mon­tag zu Dien­stag ver­schiedene Objek­te Ziel von Neon­azian­grif­f­en. In Neukölln wurde das vom linken Jugend­ver­band „Die Falken“ betriebene Anton Schmaus Haus mit Hak­enkreuzen und „NW-Berlin“ Kürzeln besprüht. Das Haus wurde ver­gan­ge­nes Jahr von Neon­azis angezün­det und erlitt einen erhe­blichen Sach­schaden. In Reinick­endorf und Span­dau wur­den Büros der Linkspartei mit NS-ver­her­rlichen­den Parolen besprüht und Fen­ster­scheiben eingeschmis­sen. Das linke Bek­lei­dungs­geschäft „Red Stuff“ in Kreuzberg wurde in der Nacht zum Fre­itag mit mehreren Hak­enkreuzen und „NW-Berlin“ besprüht.

 

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