30. April 2003 · Quelle: MAZ

Gedenktafel in Ravensbrück mit Farbe besprüht

FÜRSTENBERG — Auf dem Weg zur Arbeit ent­deck­te Gedenkstät­ten­lei­t­erin Sigrid Jacobeit gestern früh, dass die Gedenk­tafel am Abzweig Straße der Nationen/Himmelpforter Land­straße beschmiert ist. Sofort meldete sie die Tat der Polizei, die dann umfan­gre­iche Tatort­sicherun­gen ver­an­lasste und eine Anzeige auf­nahm. Die Beamten ermit­teln nun wegen gemein­schädlich­er Sachbeschädi­gung und des Ver­dachts der Verunglimp­fung Verstorbener. 

Die Tafel wurde in mehreren Zügen mit rot-brauner Farbe besprüht. Als Tatzeit kom­men wahrschein­lich der Mon­tagabend beziehungsweise die Nacht zum Dien­stag in Frage. Ver­fas­sungs­feindliche Sym­bole oder andere Aus­sagen fan­den sich nicht an der Tafel. Sach­di­en­liche Hin­weise nimmt die Polizei­wache Gransee unter 03306/7 50 01 oder jede andere Polizei­di­en­st­stelle entgegen. 

Die Lagerge­mein­schaft Ravensbrück/Freundeskreis verurteilte gestern nach Bekan­ntwer­den sofort die Schän­dung dieses Gedenksteins als infa­men Anschlag auf das Andenken an die Opfer des Naziregimes. Der Gedenkstein war erst anlässlich der Gedenk­feier­lichkeit­en zum 57. Jahrestag der Befreiung des Frauen-Konzen­tra­tionslagers im Jahre 2002 eingewei­ht wor­den. Er ist all den Häftlin­gen gewid­met, die die Zufahrtsstraße zum Lager bauen mussten. Die Ini­tia­tive, an diesem Lei­densweg einen Gedenko­rt zu erricht­en, kam von den Über­leben­den selb­st. Erst vor weni­gen Tagen legten Ravens­brück­erin­nen und ihre Ange­höri­gen anlässlich des 58. Jahrestages der Befreiung dort Blu­men nieder und gedacht­en der Opfer. 

“Diese Tat ist kein Marken­ze­ichen von Fürsten­berg und wird es auch nie wer­den”, sagte der Vor­sitzende des Fürsten­berg­er Fördervere­ins Mahn- und Gedenkstätte Ravens­brück, Jür­gen Appel. “Wir verurteilen das genau­so wie die Far­ban­schläge auf das sow­jetis­che Ehren­mal, die es gegeben hat. Unsere Gruppe “Tol­er­antes Fürsten­berg” leis­tet viel Aufk­lärungsar­beit, kann aber nicht die Garantie übernehmen, dass so etwas über­haupt nicht passiert.”

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