9. April 2006 · Quelle: Antifaschistische Recherchegruppe

Gegen linke Aktivisten”

Der Früh­ling ist da und die neue Mod­ekollek­tion in der recht­sex­tremen Szene, T — Shirts, Pullover und Schlüs­sel­bän­der auch. Man trägt heute schwarz — rot mit einem Hauch von weiß und knüpft mit geklaut­en linke Sym­bol­en am Stil der so genan­nten “Autonomen Nation­al­is­ten” an.

Ist damit eine neue Per­spek­tive im Naz­im­i­lieu zu beobacht­en? Denkbar nicht. Der Begriff “Autonome Nation­al­is­ten” ist kein the­o­retis­ches Konzept son­dern mehr eine Worthülse, die sich aus Modemack­en der ver­bote­nen Berlin­er Kam­er­ad­schaft “Tor” entwick­elt hat. Bewusst wer­den Palästi­nensertüch­er, Che Gue­vara T — Shirts oder der (linksau­tonome) “Berlin Style” der 1990er Jahre über­nom­men um eine ange­bliche Öff­nung der Naziszene für alter­na­tive Jugend­kul­turen zu sug­gerieren. Tat­säch­lich bleibt die dumpfe ras­sis­tis­che und nation­al­sozial­is­tis­che Ide­olo­gie hin­ter der Tar­nung aber die selbe. So find­et sich auch auf den Schlüs­sel­bän­dern der regionalen recht­sex­tremen Szene, wie selb­stver­ständlich neben schwarz­er und rot­er Fahne der Schriftzug “Anti Antifa Rathenow”.

Noch deut­lich­er wird der Rück­e­nauf­druck auf den eben­falls mit “Anti Antifa Rathenow” unterze­ich­neten T — Shirts. Vor einem abge­druck­ten Vorkriegs­bild­nis des Rathenow­er Bis­mar­ck­turmes ste­ht ganz groß geschrieben: “Gegen linke Aktivis­ten”.

Ob dies eine poli­tis­che Kam­pagne ist, über­haupt — bis auf einige Schlag­worte — einen konkreten inhaltlichen Hin­ter­grund hat oder nur ein Wor­tungetüm ist um den Frust über die Kam­er­ad­schaftsver­bote — Mit­glieder des ver­bote­nen Sturm 27 wur­den auch schon mit T — Shirts der Anti Antifa Rathenow gese­hen — loszuw­er­den bleibt vor­erst unklar.
Sich­er ist nur, dass es an diesem Woch­enende seit langem wieder zu gewalt­täti­gen Über­grif­f­en auf ver­meintliche linke Jugendliche im Rathenow­er Stadt­ge­bi­et kam.

Auf dem Weg zur Dis­co wur­den so am Fre­itag, dem 7. April 2006, drei alter­na­tiv gek­lei­dete Jugendliche gegen 23.55 Uhr in der Berlin­er Straße Ecke Bahn­hof­sstraße von ein­er größeren Gruppe Recht­sex­trem­is­ten der “Anti Antifa Rathenow” ange­grif­f­en und ein­er der drei Jugendlichen durch einen Faustschlag ins Gesicht ver­let­zt.

Eben­falls auf dem Weg zur Dis­co wurde ein linksori­en­tiert­er 20 Jähriger am Sam­stag, dem 8. April 2006, gegen 1.00 Uhr vor der Kreiss­parkasse in der Berlin­er Straße aus ein­er Gruppe Recht­sex­trem­is­ten, die dem ver­bote­nen “Sturm 27” ange­hören, tätlich ange­grif­f­en. Die Tat­beteiligten Nor­man St. und Toni G. schlu­gen dabei der­art auf ihr Opfer ein, das dieses Ver­let­zun­gen im Oberkör­p­er — und Kopf­bere­ich erlitt und auf der Ret­tungss­chwelle behan­delt wer­den musste. Ein Auge war und ist zu dem durch einen schw­eren Faustschlag kom­plett zu geschwollen und wurde bere­its durch eine Augenärztin begutachtet, die eine nachträgliche Sehbeein­träch­ti­gung nicht auss­chließen will.

Gegen alle Täter wur­den inzwis­chen Anzeigen erstat­tet. Nor­man St. wurde erst vor unge­fähr einem Jahr zu ein­er Geld­strafe von 1600 Euro verurteilt, weil er auf dem Stadt­fest 2004 einen damals 23 Jähri­gen bru­tal zusam­men­schlug.

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