17. April 2005 · Quelle: MAZ

Grabsteinlegung” gegen Garnisonkirche

(15.04.05) POTSDAM Um 15 Uhr sollte die Protes­tak­tion “Grab­stein­le­gung” gegen die
Gar­nisonkirch-Grund­stein­le­gung begin­nen, auf der anderen Seite der Bre­it­en
Straße, Ecke Dor­tus­traße. Doch da war noch nicht viel: ein Lan­cast­er-Bomber
aus Papp­maschee, einige Flug­blattverteil­er, etliche Polizis­ten, dazwis­chen
Plakate wie “Mit Brecht gegen die Nazis” oder jenes, auf dem ein
sow­jetis­ch­er und ein britis­ch­er Bomber­pi­lot sich im Fluge die Hände reichen,
während ihre Bomben in Berlin ein­schla­gen.

15.03 Uhr sauste ein Polizeikon­voi mit Blaulicht die Bre­ite Straße ent­lang.
Um 15.05 Uhr erste Kostümierte in Uni­for­men, eine aus der Zeit Friedrichs
II., eine aus dem Kaiser­re­ich, eine Wehrma­cht­suni­form, wom­it die Kon­ti­nu­ität
des preußis­chen Mil­i­taris­mus verkör­pert sein sollte, wie bei den Darstellern
zu erfahren war. Lutz Boede von der Kam­pagne gegen Wehrpflicht kam mit ein­er
Mütze der DDR-Volks­ma­rine und ver­sicherte, dass er nur als Gast da sei. Um
15.12 Uhr gin­gen die Pro­peller des Papp-Bombers an, kurz darauf ein
Kas­set­ten­recorder. Zu hören waren Sire­nen, Flugzeug­mo­toren, Pfeifen,
Explo­sio­nen. “Fliegeralarm” stand als Titel auf der dazuge­höri­gen
Kas­set­ten­hülle. Zu den Uni­formierten hat­te sich jet­zt ein Mann in
Bun­deswehrmon­tur gesellt mit einem Schild, auf dem “Vor­sicht, Satire” stand.

Um 15.23 Uhr lupften sie das Tuch, das einen Grab­stein aus Guss­be­ton
ver­hüllt hat­te, in den das Wort “Ver­söh­nung” ein­graviert war. Um 15.28 Uhr
dann kam Musik vom Band: Vari­a­tio­nen auf die Melodie “Üb immer Treu und
Redlichkeit”. Die Per­for­mance hat­te begonnen. Sie begann damit, dass zwei
Leute mit Leichen­masken sich die Hand schüt­tel­ten. Unaufhör­lich, in
unverkennbar­er Anspielung auf den Händ­e­druck Hitlers und Hin­den­burgs am Tag
von Pots­dam. Dann tru­gen sie den Grab­stein in klein­er Prozes­sion auf die
andere Straßen­seite, set­zten ihn vor dem Fahrrad­laden ab in knap­per Dis­tanz
zur ras­ant wach­senden Fest­ge­sellschaft, die gle­ich den Grund­stein feiern
sollte.

Am Deser­teurs­denkmal auf dem Platz der Ein­heit gedachte zur sel­ben Zeit eine
Gruppe von gut 100 Jugendlichen auf ihre Weise des 60. Jahrestages der
Bom­bardierung Pots­dams. Mit Trans­par­enten wie “Alles Gute kommt von oben”
oder “Dank den Alli­ierten” und dazu passender Musik wie “TNT” von AC/DC,
später auch dem NDW-Klas­sik­er “Erschießen” von Ide­al: “Komm, wir lassen uns
erschießen…”

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