8. August 2007 · Quelle: ND

Halbe-Termin ohne Nazi-Druck

»Wir wollen nicht nur reagieren, wenn die recht­sex­treme Szene etwas tut«, erk­lärt Karin Weber vom Aktions­bünd­nis gegen Heldenge­denken und Nazi­aufmärsche. Am 7. und 8. Sep­tem­ber soll es in Halbe ein Freiluftkonz­ert geben.
Das Mot­to lautet: »Send a sign (Sende ein Zeichen) – Halbe bleibt bunt«. Die Idee, die dahin­ter steckt: Sich nicht nur von den Nazis treiben lassen, sich nicht auf Gegen­demon­stra­tio­nen beschränken, selb­st etwas tun an einem Ter­min, der nicht von den Recht­sex­trem­is­ten dik­tiert wird.
Bere­its im Sep­tem­ber vorigen Jahres gab es in Halbe ein Konz­ert unter dem Mot­to »Halbe bleibt bunt«. Sieben Bands spiel­ten, 500 Men­schen hörten zu. Doch die dama­lige Ver­anstal­tung wurde rel­a­tiv kurzfristig organ­isiert. »Dies­mal hof­fen wir auf 1000 Besuch­er«, sagt Karin Weber, die der Links­frak­tion im Pots­damer Land­tag angehört. 

Wahrschein­lich kom­men nicht nur Jugendliche, son­dern auch Eltern und Großel­tern der Musik­er, die ihre Kinder und Enkel auf der Bühne erleben wollen. Im ver­gan­genen Jahr war das so.

Bis­lang haben sich 21 For­ma­tio­nen gemeldet, die bei dem Konz­ert im Gewer­bege­bi­et Son­nenallee auftreten möcht­en. Mehr ließe sich in den Zeit­plan auch kaum ein­passen. Schüler­bands aus Halbe und Umge­bung sind eben­so darunter wie Grup­pen aus Gör­litz und Kamenz in Sach­sen. Es reisen sog­ar For­ma­tio­nen aus Großbri­tan­nien und den USA an. Unter den Musik­ern gibt es Ama­teure und Profis. Alle spie­len ohne Gage Stücke aus ihrem Reper­toire, das von Tan­go und Boo­gie bis zu Ska, Reg­gae und Hip Hop reicht.

Das Aktions­bünd­nis dachte sich auch einen Anreiz aus, wenn die Bands extra Titel zum The­ma Halbe schreiben. Solche Lieder wer­den dann auf dem Konz­ert mit­geschnit­ten und später auf ein­er CD veröf­fentlicht. Das soll dazu ani­mieren, sich inten­siv­er mit dem Prob­lem­feld des recht­sex­tremen Kults um den Sol­daten­fried­hof zu beschäfti­gen. Ins­ge­samt geht es darum, den Mut zu haben, »ger­ade an diesem Ort Gesicht zu zeigen«, wie Karin Weber erläutert. Zel­ten am Ver­anstal­tung­sort wird möglich sein. Um die Ver­sorgung mit Essen und Trinken küm­mern sich Unternehmen aus der Gemeinde. Der Lan­dess­port­bund will mit ein­er Klet­ter­wand kom­men. Infos­tände wer­den aufgebaut.

Auf dem Sol­daten­fried­hof des Ortes liegen Men­schen, die 1945 in der Kesselschlacht von Halbe ums Leben kamen – Sol­dat­en und Zivilis­ten, Zwangsar­beit­er und hin­gerichtete Wehrma­chts­de­ser­teure. Neon­azis ver­suchen dort seit Jahren immer wieder aufzu­marschieren. Beim Aktions­bünd­nis machen Parteien, Vere­ine, Ver­bände und die DGB-Jugend Berlin-Bran­den­burg mit.

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