30. Mai 2005 · Quelle: MAZ

Hochzeit mit Polizeischutz in Henningsdorf

(fhk, MAZ) HENNIGSDORF Einst prügel­ten die Träger dieser Uni­for­men sich mit den 68ern, mit Schah-Geg­n­ern und Dutschke-Anhängern. Nun tauchen die grauen Beamten mit ihren selt­samen schwarzen Mützen, den so genan­nten Tschakos, erneut auf. Fast wie Gespen­ster aus unseli­gen Zeit­en. Doch die Schlagstöcke bleiben zu Hause, die Träger sind andere. 

Zehn Mit­glieder des Vere­ins der polizei­his­torischen Schut­zleute Berlin, aktive oder pen­sion­ierte Beamte, bilden Spalier für Mario Jauer­nick und seine Ehe­frau Daniela. Bei­de haben sich im Alten Rathaus von Hen­nigs­dorf ger­ade das Ja-Wort gegeben. Jauer­nick selb­st ist Polizei-Haup­tkom­mis­sar beim Bun­des­gren­zschutz, aber seine Ein­heit stand wegen eines Großein­satzes nicht zur Ver­fü­gung. “Da sprangen wir ein”, sagt Andreas Skala, zweit­er Vere­insvor­sitzen­der der Schut­zleute, und zufäl­lig Nach­bar von Jauernick. 

Die rund zehn Uni­formierten schwitzen kräftig in ihren Uni­for­men, die von 1963 bis 1978 das Straßen­bild prägten. Vor allem “der Tschako ist unprak­tisch”, sagt Volk­er Kring, erster Vor­sitzen­der des Vere­ins. Er und seine Man­nen wollen Deutsche Polizeigeschichte von 1700 bis heute darstellen. “Die jun­gen Leute ken­nen nur noch Bullen, nicht den Schutz­mann an der Ecke”, sagt Kring. 

Endlich geht die Türe auf, das glück­liche Paar erscheint. In Reih und Glied ste­hen die Beamten da, hal­ten jew­eils eine Rose hoch. Doch vorher gilt es noch, ein Hin­der­nis zu über­winden. Braut und Bräutigam schnei­den ein großes rotes Herz aus ein­er riesi­gen Stoff­plane aus, steigen durch diese Öff­nung und passieren strahlend das Spalier. 

Skala ist erle­ichtert. Spaß hat es dem pas­sion­ierten Samm­ler trotz der Höl­len­hitze den­noch gemacht. Kein Wun­der. Er und seine Frau Gudrun sind pas­sion­ierte Samm­ler von Objek­ten der polizeilichen und alli­ierten Ver­gan­gen­heit Berlins. 220 kom­plette Uni­for­men, 2000 Mützen und 20 000 Abze­ichen lagern zum Teil bei ihnen, zum Teil als Dauer­lei­h­gabe in Museen.

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